SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Ideen für die Hochzeit ohne Kirche

Alessandro und Karolin Rocco heirateten auf dem Hambacher Schloss und feierten im Marienhof in Flemlingen.
Alessandro und Karolin Rocco heirateten auf dem Hambacher Schloss und feierten im Marienhof in Flemlingen.

Heiraten in Star-Wars-Kostümen oder Trauringe auftätowieren lassen – bei einer freien Trauung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Ein Landauer Ehepaar begleitet jährlich etwa 30 Hochzeiten und hat dabei schon Kurioses erlebt. Wieso sind Hochzeitsspiele oft zum Fremdschämen und welche klassischen Elemente gehen immer?

Das Landauer Hochzeits-Team „Anna und Johannes“, das sind Traurednerin und Hochzeitstag-Managerin Anna Weber und ihr Mann, der Hochzeitsfotograf Johannes Hüsch. Die beiden begleiten etwa 30 Trauungen jährlich und das schon seit zehn Jahren. Seit zwei Jahren wohnt das Paar in Landau. Ihr Büro haben sie ebenfalls dort und ein zweites in Maikammer.

Die Hochzeitstag-Managerin hält Hochzeitspaaren den Rücken frei, indem sie sich um organisatorische Abläufe am Tag der Trauung kümmert. „Bekannter ist der englische Begriff Wedding-Day-Managerin“, erklärt Weber. „Zentraler Gedanke ist: Wenn wir alle Wünsche frei hätten, wie sollte unsere Hochzeit dann sein?“

Zeremonie für Nicht-Religiöse

Sie ist außerdem freie Traurednerin. Freie Traureden sind eine Ergänzung zur standesamtlichen Trauung. „Ich bin nicht rechtsgebunden, nicht gesetzlich. Das Paar gibt sich individuell das Ja-Wort.“ Die regulären Preise für eine professionelle Traurednerin liegen laut Weber bei 1000 bis 2000 Euro. Pro Hochzeitsvorbereitung braucht sie bis zu 60 Stunden, sagt sie. Bei freien Reden steht sie nicht an einem Altar, sondern an einem Stehpult, was auch ein Weinfass sein kann, passend zu Feiern auf Weingütern. Meist spricht sie mit Mikrofon.

Gebucht wird sie beispielsweise, wenn das Paar nichts mit Religion anfangen kann, aus der Kirche ausgetreten ist, verschiedenen Religionen angehört oder bereits verheiratet ist und die Ehe auffrischen möchte. „Manche identifizieren sich mit einer anderen Kultur“, schildert Weber als weitere Möglichkeit. Demnächst stehe beispielsweise eine Trauung mit buddhistischen Elementen an, unter anderem mit einer japanischen Teezeremonie.

Die Eheringe erspielt

„Bei der freien Trauung ist alles erlaubt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, erklärt Hüsch. „Das soll keine Quatschveranstaltung sein, sondern es wird eine Zeremonie durchgeführt“, betont Weber. Außerdem sagt sie: „Es macht Spaß, sich selbst zu feiern!“

Demnächst tritt auch eine Punk-Band auf einer Feier auf, die Gäste bekommen Eintrittsbändchen. „Das wird ein Hochzeitsfestival. Der Bräutigam, selbst Punk, ist Sänger auf seiner eigenen Hochzeit.“ Ein anderes Paar ging gerne ins Landauer Logo. Bei deren Hochzeitsfeier legte DJ Sabine aus dem bekannten Club auf. „Da war eine großartige Stimmung“, schwärmt der Fotograf.

Sogar eine Pokemon-Hochzeitsfeier gab es schon. „Die mussten sich mithilfe eines Quiz’ ihre Eheringe erst einmal erspielen“, blickt Weber schmunzelnd zurück. Außergewöhnlich war auch ein Brautpaar in Star-Wars-Masken mit Lichtschwertern. Und ein Paar, das sich während der Trauung die Ringe auftätowieren ließ. Der Bräutigam hatte sich eine Weile zuvor, als beide beim Tätowierer waren, überraschend einen Heiratsantrag auf den Unterarm tätowieren lassen. „Mit zwei Kästchen zum Ankreuzen: Ja oder Nein.“ Da konnte die Auserwählte dann gleich selbst zur Tätowiernadel greifen.

Die meisten mögen es klassisch

Die meisten Feiern laufen jedoch klassisch ab, mit ein oder zwei individuellen Elementen, berichtet das Paar. Zu den klassischen Abläufen zählt, dass es Ringe gibt, dass getanzt wird, und das Anschneiden der Hochzeitstorte, schildert Weber. Der Fotograf merkt an, dass Hochzeitspaare bei der Feier oft unter Druck stehen, da der Zeitplan nach hinten rutscht. „Mit jedem Zeit haben zum Reden, anstatt Spiele zu spielen“, sei für viele Brautpaare wichtiger. Von zu vielen Spielen raten Weber und Hüsch sowieso eher ab. „Hier kann es einen hohen Fremdschämfaktor geben.“ Es komme nicht gut an, wenn das Hemd des Bräutigams bei einem Spiel versaut werde oder es zu anderen peinlichen Situationen komme. Oft reihe sich zudem ein Spiel ans andere. Manchmal gebe es auch langweilige Spiele, die gefühlt kein Ende nehmen, berichtet Hüsch.

Was eigentlich immer geht, wenn doch gespielt werden soll: „Das Schuhspiel.“ Hier sitzen die Eheleute Rücken an Rücken und jeder bekommt einen Schuh des Partners und einen eigenen. Sie bekommen Fragen gestellt wie: Wer räumt häufiger die Spülmaschine aus? „Es ist dann witzig, zu sehen, wer welchen Schuh hebt.“

Dass es stressig werden kann, schildert Weber auch von ihrer eigenen Hochzeit, da sie auch diese selbst organisierte. Und so feierte das Paar ein drittes Mal. „Einmal standesamtlich, einmal kirchlich und einmal ganz außergewöhnlich, nur für uns.“ Sie entschieden sich bewusst für eine Winterhochzeit. So war von vornherein klar, dass drinnen gefeiert wird. „Eine Swing-Band mit Kontrabass, tolles Essen und keine Spiele.“ Ihre dritte Hochzeit feierten sie zu fünft auf einem Bergpass in der Schweiz.

Ein Paar, das außergewöhnlich heiratete und vom Hochzeits-Team betreut wurde, sind Alessandro und Karolin Rocco. Die beiden Landauer leben aktuell vorübergehend in Frankfurt. Sie heirateten im Sommer 2021 auf dem Hambacher Schloss. „Die Hochzeit fand unter freiem Himmel statt. Bei schlechtem Wetter hätte die Trauung alternativ im Schloss stattgefunden“, schildert Karolin Rocco. Sie saßen in einer Dreiecksposition. „Mit Blickkontakt zu den Gästen und nach vorne zur Traurednerin“, erklärt Karolin Rocco. Jeder hatte einen Trauzeugen.

Brautstrauß flog auch für Männer

Die Traurede war individuell auf das Paar zugeschnitten. Roccos gaben sich klassisch das Ja-Wort und tauschten Ringe. Die Mütter des Paares lasen beide etwas vom kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry vor. Traditionell hält an Hochzeiten der Bräutigam eine Rede. Das Ehepaar Rocco entschied sich dafür, gemeinsam zu sprechen. Die Braut warf den Brautstrauß. „Aber nicht nur klassisch für die weiblichen, sondern auch für die männlichen, unverheirateten Gäste“, schildert sie. Wer den Strauß fängt, wird als nächster heiraten, so der Brauch.

„Wir wollten keine Spiele, bei denen wir uns zum Affen machen“, waren sich beide einig. „Es gab eine Tombola mit Losen und lustigen Gewinnen. Beispielsweise ,Wellness für Männer’, das war ein Einwegrasierer.“ Außerdem musste das Paar eine Piñata zerschlagen, die gefüllt war mit Süßigkeiten und Konfetti. Im Weingut Marienhof in Flemlingen wurde anschließend gefeiert. „Es gab eine Cocktailbar, eine Hochzeitstorte, später kam ein DJ, der Musik auflegte“, schildert Alessandro Rocco. 55 Gäste waren geladen. „Wir wollten nicht zu viele, damit wir uns mit jedem unterhalten konnten.“ Von dem Gitarristen und der Sängerin haben die beiden gar nicht viel mitbekommen. „Der Tag ging so schnell vorbei. Es waren so viele Eindrücke!“ Haben sie einen Tipp für zukünftige Brautpaare? „Es ist wichtig, gut vorbereitet zu sein und am Hochzeitstag alles laufenzulassen, und bewusst zu genießen!“

Traurednerin und Fotograf: „Anna und Johannes“ begleiten seit zehn Jahren Hochzeitspaare.
Traurednerin und Fotograf: »Anna und Johannes« begleiten seit zehn Jahren Hochzeitspaare.
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