Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Hitze und Trockenheit: Wie steht es ums Wasser im Pfälzerwald?

Gegenüber dem Forsthaus auf dem Taubensuhl ist eine gefasste Quelle. Kann man das Wasser aber auch trinken?
Gegenüber dem Forsthaus auf dem Taubensuhl ist eine gefasste Quelle. Kann man das Wasser aber auch trinken?

Nicht nur in der Rheinebene, auch im Pfälzerwald geht das Grundwasser zurück. Was bedeutet das für die Wasserversorgung? Und kann man Quellwasser überhaupt noch trinken?

Nach einer ersten Hitzewelle ist es gerade wieder etwas angenehmer, in der Südpfalz hat es auch hier und da geregnet. Doch richtig ergiebig war das nicht. Schon das Frühjahr war extrem trocken, die Prognosen deuten darauf hin, dass dieser Sommer ähnlich regenarm wird. Die ersten Kommunen schlagen bereits Alarm – wegen Wassermangels.

So haben die Verbandsgemeindewerke Bad Bergzabern kürzlich die Bürger gebeten, möglichst Wasser zu sparen, indem etwa der Garten – wenn überhaupt – nur abends gegossen wird. Die Hitze habe nämlich dafür gesorgt, dass der Wasserverbrauch deutlich gestiegen sei. Gleichzeitig lasse die Ausbeute aus den Quellen, aus denen das Trinkwasser komme, wegen der Trockenheit schon jetzt nach. Doch wie steht es aktuell um die Wasserversorgung in der Region – und um die Grundwasser-Situation überhaupt?

„Buntsandstein saugt Wasser auf wie Schwamm“

Ein deutschlandweit anerkannter und auch von Medien gefragter Wasserexperte ist der Forscher Hans- Jürgen Hahn. Der Biologe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) in Landau. Grundsätzlich habe sich die Grundwasser-Neubildung in der Südpfalz und eigentlich in der gesamten Rheinebene seit 2003 drastisch reduziert, im Vergleich örtlich bis zu 70 Prozent, sagt er.

Auch im Pfälzerwald gehen die Wasservorkommen laut Hahn zurück, doch die Situation sei durch die spezielle Geologie eine andere. Auch hier sei die Grundwasserneubildung stark rückläufig, aber immerhin habe es im vergangenen Jahr im Vergleich zu den Vorjahren recht normale Niederschlagsmengen gegeben. Das habe uns eine Verschnaufpause verschafft. „Zudem haben wir die glückliche Situation, dass der Buntsandstein das Wasser aufsaugt wie ein Schwamm“, sagt der Forscher im Gespräch mit der RHEINPFALZ. So werde dieses nicht nur lange gespeichert, sondern auch langsam wieder abgegeben.

Kann man Wasser aus Quellen trinken?

Deshalb kommen viele Menschen mit Kanistern in den Pfälzerwald, um sich an einer der zahlreichen gefassten Quellen Wasser zu zapfen – etwa am Taubensuhl bei Eußerthal. Dort gibt es entlang der Passstraße mehrere Trinkbrunnen, und auch nahe dem Forsthaus ist eine Erfrischung möglich. Würde Hahn aus einer dieser Quellen trinken?

„Es kommt immer darauf an, woher das Wasser stammt und in welchem Zustand die Fassung ist. Im Grunde müsste das Wasser an jeder Quelle mit defekter Fassung untersucht werden, denn es ist nie klar, ob Verunreinigungen darin sind, die etwa Tiere eingetragen haben könnten.“ Aber wenn man aus den Quellen im Pfälzerwald trinken wolle, dann auf jeden Fall aus jenen, die recht weit unten liegen, am besten im Tal. „Denn je tiefer Brunnen liegen, desto länger war das Wasser im Gestein unterwegs und wurde damit auch gereinigt“, sagt Hahn.

Tiere im Wasser zeigen, wie sauber es ist

Am Taubensuhl waren Anfang Juli sieben Schülerinnen und Schüler der Klasse 11b der Konrad-Adenauer-Realschule in Landau bei einem zweitägigen Wasser-Workshop, angeleitet von ihren beiden Lehrerinnen Cornelia Spengler und Eva Antz. Die Jugendlichen sollten Quellwasser unter anderem auf seine biologische Artenvielfalt hin untersuchen. Dafür kam der Grundwasserkoffer zum Einsatz, ein Methodenprojekt der RPTU und des Pädagogischen Landesinstituts in Mainz. In dem Koffer sind unter anderem Materialien, um Wasserproben zu nehmen und auszuwerten. Gedacht ist er für die schulische und außerschulische Umweltbildung, einsetzbar ab der fünften Klasse.

Die Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule, die den Schwerpunkt Bio- und Umwelttechnologie gewählt haben, filterten das Wasser mehrerer Trinkbrunnen. Sie suchten nach Tieren, zum Beispiel Krebsen oder Würmern. Warum? Je nachdem, welche Tiere man findet, lassen sich Aussagen über die Beschaffenheit des Wassers treffen, erklärt Hahns Kollegin Maria Avramov, die als Grundwasserökologin an der RPTU arbeitet und gemeinsam mit den Lehrkräften das Lehrmaterial aus dem Grundwasserkoffer weiterentwickelt. Bestimmte Tiere lebten nur im Grundwasser, seien diese in Proben nachweisbar, sei die Qualität des Wassers hervorragend. Andere Tiere wiederum kämen vor, wenn das Wasser zu sehr im Austausch mit der Oberfläche steht oder etwa zu sauer ist. Es gehe also um den pH-Wert und auch um den möglichen Eintrag von Verunreinigungen.

Was ist gutes Grundwasser?

Was ist eigentlich gutes Grundwasser? Es habe keine Schadstoffe, sagt Avramov. Keine Schwermetalle seien darin, kein Nitrat, keine Pflanzenschutzmittel, es habe einen neutralen pH-Wert. „Das meiste Grundwasser im Pfälzerwald ist gut, aber in der Rheinebene ist vor allem das oberflächennahe Grundwasser oft belastet.“ Dem stimmt Hahn zu und weist darauf hin, dass es dort auch große Probleme mit der Wassermenge gebe. Am Hainbach bei Hochstadt etwa zeige sich regelmäßig, dass das Grundwasser rückläufig sei. Immer früher im Jahr trockne der Bach aus, wenn der Grundwasserspiegel unter das Niveau des Bachbetts sinke.

„Wir müssen das Wasser in der Landschaft halten. Aber das gelingt immer seltener“, sagt Hahn. Schuld am immer weniger werdenden Grundwasser sei nicht nur der Klimawandel, auch begradigte Gewässer und versiegelte Flächen und die flurbereinigte Landschaft seien wesentliche Faktoren. „Im Grunde legen wir die Landschaft trocken.“ Es bräuchte daher ökologische Flurbereinigungen. „Aber ich will auch deutlich machen, dass wir keinen Urwald brauchen und wollen, stattdessen einen Umgang mit der Landschaft, in der Wasser auch bleiben kann – und vor allem auch eine zukunftsfähige Landwirtschaft“, sagt Hahn.

Wie kann ich Wasser sparen?

Wie lässt sich als Privatperson Wasser sparen? Avramov sagt, natürlich sei es sinnvoll, den Garten nur zu wässern, wenn das notwendig sei, und dann abends. „Wer Mais essen will, dessen Anbau enorm wasserintensiv ist, sollte nicht den kaufen, der aus Ländern kommt, die bereits unter der Trockenheit zu leiden haben wie etwa Spanien oder Marokko, sondern warten, bis er aus heimischer Produktion erhältlich ist.“ Auch im Hinblick auf den Konsum lasse sich viel Wasser sparen. „Die Herstellung von Kleidung verbraucht enorm viel Wasser“, so die Forscherin. Genau um solche Aspekte sei es auch beim Wassercamp mit den Schülerinnen und Schülern auf dem Taubensuhl gegangen. „Es ist wichtig, etwas über unser Wasser zu wissen, damit man auch selbst etwas dafür tun kann.“

Entlang der Straße hinauf zum Taubensuhl gibt es einige gefasste Quellen.
Entlang der Straße hinauf zum Taubensuhl gibt es einige gefasste Quellen.
6132637_1_org_Pfaelzerwald_Newsletter_-_Contentbox_16_x_9

Kennen Sie schon unseren Pfälzerwald-Newsletter?

Wo gibt es neue Wanderwege? Siedelt sich wirklich ein Wolfsrudel im Pfälzerwald an? Welche Hütten haben zur Zeit offen? Jeden Donnerstag schreiben RHEINPFALZ-Autorinnen und -Autoren aus der gesamten Pfalz über Themen rund um den Pfälzerwald. Jedes Mal mit Ausflugstipp!

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netzwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x