Landau Hilfe gegen Kulturschock

Natalia Merkel (rechts) und Ludmila Hein (Mitte) wollen beim Mutter-Kind-Kreis im Mehrgenerationenhaus sich mit Menschen aus der
Natalia Merkel (rechts) und Ludmila Hein (Mitte) wollen beim Mutter-Kind-Kreis im Mehrgenerationenhaus sich mit Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion über Themen verständigen, die sie bewegen. Die Leiterin der Landauer Einrichtung, Anna Schmidt (links), ist froh über dieses neue Angebot.

Gemeinsam singen und backen, Geschichten erzählen und basteln, sich an die kulturellen Wurzeln erinnern und die russische Sprache pflegen, zugleich aber Infos und Tipps für den Alltag in Deutschland geben – das ist das Angebot, das die Initiatorinnen des Mutter-Kind-Kreises (MuKi) den Spätaussiedler und Migrantenfamilien unterbreiten wollen. Natalia Merkel und Ludmila Hein wissen selbst, wie es ist, wenn man als ehemalige Sowjetbürgerin mit großen Hoffnungen und wenig Wissen über die Heimat in Deutschland ankommt. Beide haben den Sprung vom Osten in den Westen gemeistert und sind hier familiär wie beruflich bestens integriert. Natalia Merkel kam vor 16 Jahren aus Russland nach Deutschland. Sie lebt mit ihrem Mann und dem dreijährigen Sohn Daniel in Bad Bergzabern, wo sie als studierte Pädagogin in der Jugendpflege tätig ist. Ludmila Hein stammt aus Kasachstan, ebenfalls seit 2003 in Landau, hat drei Mädchen im Alter von 14 und drei Jahren sowie sechs Wochen und arbeitet als Krankenschwester im Pfalzklinikum Klingenmünster. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen im Sommer vergangenen Jahres im Schwimmbad, und zwar über ihre Kinder. Die haben nämlich gemerkt, dass da noch jemand Russisch spricht und sind aufeinander aufmerksam geworden. „Das ist eigentlich typisch“, schmunzelt Merkel: „Ich wurde von fremden Landsleuten schon oft auf der Straße angesprochen, wenn jemand merkt, dass ich aus Russland komme.“ Da werde wohl so eine Verbundenheit und Vertrautheit spürbar, die fernab der alten Heimat wertvoll ist. Nach dem Zerfall der Sowjetunion in einzelne Nationalstaaten, die sich 1991 zur „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS) bündelten, hätten die Menschen keine wirtschaftlichen und beruflichen Perspektiven mehr gesehen und seien über die offenen Grenzen gen Westen gezogen – ein Trend, der sich mittlerweile zwar abgeschwächt habe, aber noch immer andauere. „Auch heute trifft man immer wieder Frauen, die aus der ehemaligen Sowjetunion hierher kommen und Hilfe brauchen“, nennt Merkel den Grund für ihr Engagement, das bei Ludmila Hein auf offene Ohren stieß, zumal sie vor zehn Jahren schon einmal so ein Treffen leitete. „Die Nachfrage damals war groß, wir haben sogar Theaterstücke eingeübt und Vorführungen gemacht“, erinnert sich die dreifache Mama an das bunte Treiben, auf das sie sich nun wieder freut. Die Zielgruppe sind Mütter mit Kindern im Vorschulalter, aber auch Papas und andere Interessierte sind willkommen. Wie genau die MuKi-Treffen gestaltet werden, hänge von der Dynamik ab, die sich durch die Teilnehmer ergebe. Merkel und Hein sind offen für Alles. Schließlich erwarten sie hier „Leute mit verschiedenen Erfahrungen, Bildungsgraden und Interessen“. Frauen, die meist eine Berufsausbildung und Lebenserfahrung mit sich bringen, sich im Deutschen Schul-, Berufs-, Bildungs- oder Gesundheitssystem, aber nicht auf Anhieb zurecht finden. Was also liegt da näher, als die eigenen Kenntnisse weiterzugeben, sich gegenseitig zu unterstützen sowie einen Raum zum Entspannen und Ausruhen zu schaffen? Dies seien die besten Voraussetzungen, um die Integration zu fördern, meinen Merkel und Hein unisono und sprechen damit Anna Schmidt, der Leiterin des Mehrgenerationenhauses, aus der Seele. „Die Idee passt perfekt zu unserem Slogan Offenes Wohnzimmer“, bestätigt die Sozialarbeiterin, die dabei hilft, das Projekt in die Wege zu leiten. Schließlich seien unkomplizierte Treffen, für die man keine Anmeldung brauche, das „Herzstück“ des Mehrgenerationenhauses, das die Stadt den beiden Organisatorinnen kostenfrei zur Verfügung stellt. Info „Muki“ ist freitags ab 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus, Danziger Platz 18 in Landau. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Fragen beantworten Natalia Merkel unter der Nummer 0176 82615419 und Ludmila Hein, Telefon 0157 52693881.

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