Landau Hightech trifft Druckveteranen
«Rohrbach.» Ob Visitenkarten, Broschüren oder Musterbücher – alles rund ums Thema Papier und Druck ist das Metier von Frei Print Service. Sogar der limitierte Ferrari-Kalender läuft hier durch den Druck, um sich die Seriennummern abzuholen. Mit seinen Oldtimer-Maschinen kann das Unternehmen noch besondere Verfahren anbieten.
Es rattert und raschelt im großen Druckerraum der Frei Print Service Graphische Erzeugnisse GmbH (FPS) im Gewerbegebiet Große Ahlmühle in Rohrbach. Moderne Offset-Drucker, die 15.000 Papierbögen pro Stunde herauslassen, stehen Seit’ an Seit’ mit Buchdruckmaschinen, die man eher in einem Museum vermuten würde. Aber sie laufen, verrichten unermüdlich ihre Dienste und können so manches, bei dem andere Druckereien an ihre Grenzen geraten. Besondere Prägungen und Stanzungen zum Beispiel. „Unsere Stärke ist alles, für das man technisches Know-how braucht“, erklären die beiden Geschäftsführer Gunnar Frei und Michael Hammer. Die schwarze „Original Heidelberg“ aus den 1950er-Jahren stanzt gerade Flyer für Wüstenrot im abgerundeten Tablet-Format aus. Hier etwas nachjustieren, da an Schräubchen drehen. Während die Mitarbeiter an den modernen Maschinen nur auf Knöpfe drücken müssen, ist bei den Oldtimern noch echte Handarbeit gefragt. Für einen neuen Druckvorgang sind die heutigen Maschinen in fünf Minuten eingerichtet, an den alten braucht man bis zu fünf Stunden, damit alles stimmt, erklären Frei und Hammer. Und es gebe nicht mehr viele Facharbeiter, die solche Maschinen bedienen können. „Unser Altersdurchschnitt ist auch recht hoch angesiedelt“, beschreiben sie das Nachwuchsproblem im Druckereigewerbe. „Man braucht eine Affinität zu Papier und ein Gefühl für das Ganze“, sagt Frei. Denn Papier sei „ein lebendiger Stoff“. Jeder Bogen reagiere anders. Druck – „eine knifflige Sache“, meint er schmunzelnd. Verschiedene Belichtungsmaschinen für Druckplatten, eine Flachstanze, Schneidemaschinen, drei Offset-Druckmaschinen, eine Digitaldruckmaschine und sechs Buchdruckmaschinen stehen in den 2100 Quadratmeter großen Räumen des Unternehmens. Eine sogar im Großformat. Der babyblaue Riese ist etwas älter und behäbig, aber wirft Papierbögen von 70 mal 100 Zentimeter aus. Gerade laufen die neuen Preislisten für Nolte über die Rollen. Neben dem Germersheimer Möbelhersteller gehören beispielsweise die Kosmetikmarke L’Oréal, Blanco Spülen, das Papier-Unternehmen Papyrus oder die PVA in Landau zu den Kunden. Knapp ein Viertel des Jahresumsatzes von 1,1 bis 1,2 Millionen Euro mache FPS mit Lohnarbeit für Druckereien in der Umgebung, berichten die Geschäftsführer. Zudem fungiert FPS als Dienstleister für Nolte und Papyrus, verschickt deren Prospekte und Kataloge bis nach Russland, Dubai oder Afrika. Und einen ganz besonderen Kunden haben die Rohrbacher auch an Land gezogen. „Die weltweit auf 5000 Stück limitierten Ferrari-Kalender werden bei uns nummeriert“, berichten die Geschäftsführer stolz. Und ja, natürlich hängt auch ein geschenktes Exemplar im Büro. Das traditionelle Buchdruckerhandwerk lebt bei FPS weiterhin – die alte Buchpresse zeugt davon. So können Kunden Bücher in Sonderanfertigungen produzieren lassen. „Das sind dann zum Beispiel Maschinenführer für Forschungslabors oder Krankenhäuser“, erklären Frei und Hammer. Bei Kleinstserien von einem bis 200 Exemplaren könne es durchaus vorkommen, dass ein Buch bis zu 500 Euro koste. Die Digitalisierung geht aber auch an FPS nicht spurlos vorbei. „Alles, was wir früher an Organisationsmitteln wie Geschäftsbücher und Karteikarten gedruckt haben, ist weggefallen“, berichten die beiden. Das werde heutzutage alles per Computer erledigt. Die Vorgängerfirma von FPS, Just & Söhne, habe um die 200 Mitarbeiter gehabt. Als FPS begonnen habe, seien es 60 Leute gewesen. Heute beschäftigen die beiden Geschäftsführer 13 Mitarbeiter. „Aber hochwertige Dinge und besondere Techniken sind weiter gefragt“, erklären Frei und Hammer ihre Nische: „Das, was für große Druckereien zu aufwendig ist, und für kleine Druckereien zu groß.“