Landau
Großer Erfolg mit Partyschuh für eine Nacht in Manhattan
Ihm ist es ein bisschen zu viel Rummel momentan, es geht doch alles erst los mit seiner Kreativität. Er habe doch noch gar nicht viel geleistet, sagt Julien Memmer. Mit seinem Kommilitonen Tobias Tschäpe gewann er am 7. März den Nachwuchspreis des Bundesverbandes der Schuh- und Lederwarenindustrie.
Der 26-jährige Julien Memmer startete seine Schuh-Laufbahn mit einer Ausbildung zum Orthopädie-Schuhtechniker bei Laux in Landau. Zur Berufsschule fuhr er in regelmäßigen Abständen zum Blockunterricht nach Frankfurt. Nach der Ausbildung arbeitete er drei weitere Jahre bei Orthopädietechnik Laux. Doch irgendwann war ihm das nicht mehr genug. „Ich baue die ganze Zeit Schuhe – und dann?“ Er schaute in die Zukunft und träumte davon, sich selbst zu vermarkten. Um seinem Ziel näher zu kommen, bewarb er sich auf der Deutschen Schuhfachschule (DSF) in Pirmasens, wo er seit vergangenem August studiert. Wegen der Corona-Pandemie sei die Klasse nur halb so groß wie üblich, die Stufe bekam eine Sondergenehmigung für acht Personen. Das Studium dauert insgesamt zwei Jahre. „Mein nächster Schritt ist der staatlich geprüfte Schuhtechniker (Modelleur).“
Schuhdorf Hauenstein als Wahlheimat
Der gebürtige Pfälzer wohnt momentan in einer separaten Wohnung im Haus seiner Oma, im Schuhdorf Hauenstein. Das liegt genau zwischen seiner Heimatstadt Landau und seinem Studienort Pirmasens. Auf der bundesweit einzigartigen Bildungseinrichtung studierten einst bekannte Größen aus der Schuh-Szene wie Adidas-Gründer Adi Dassler und der Outdoor-Schuh-Spezialist Lukas Meindl. Durch die hohe Qualität der Ausbildung stehen den Schulabgängern vielfältige Karrieremöglichkeiten wie Schuhdesigner, Produktionsplaner oder unter anderem technischer Modelleur offen.
Obwohl sie erst seit einem halben Jahr studieren, bewarben sich Memmer und sein Kommilitone Tobias Tschäpe für den Nachwuchspreis der Düsseldorfer Schuhmesse und gewannen tatsächlich den ersten Preis unter den 30 Teilnehmern. Die Jungdesigner kassierten zusammen 1500 Euro Preisgeld, eine Urkunde und den heiß begehrten Pokal ein. Zur Siegerehrung kam die komplette Klasse nach Düsseldorf, „quasi ein Klassenausflug.“ Am Abend zuvor zog die Gruppe um die Häuser und feierte lange. „Dass wir das Ding heimfahren, hätte keiner gedacht.“ Der alljährliche Wettbewerb wird international ausgeschrieben.
„Herrenschuhe sind nicht so sexy“
Das Motto des Wettbewerbs hieß „Go for Glamour“. Die Aufgabe bestand darin, einen glamourösen Partyschuh zu schaffen. Die Siegerarbeit, ein außergewöhnlicher Partyschuh, heißt „Manhattan Nights“. Wieso gerade ein Damenschuh? „High Heels kommen gut an. Herrenschuhe sind nicht so sexy.“ Inspiriert wurden Memmer und Tschäpe von Champagner und Cocktails. Sie wählten ein sangria-farbenes Ziegenveloursleder als Obermaterial. Darauf setzten sie funkelnde Swarovski Kristalle. „Die Steine sollen Früchte sein.“ Der transparente, auf Hochglanz polierte Keilabsatz erinnert an Eiswürfel. Den gossen die beiden aus Epoxid-Harz.
Das erste Modell hatten sie aus Knetmasse modelliert und mit Gips abgegossen. Das zweite Modell druckten sie mit einem 3D-Drucker aus. „Das war schon aufwendig.“ Tobias Tschäpe machte die Näharbeiten, „da er das besser kann. Und ich kann Schuhe bauen.“ Memmer war für die Sohle zuständig, also den Bodenbau und den Absatz. Die Endlaufsohle besteht aus Gummimaterial, darüber liegt eine Zwischensohle zum Dämpfen, erzählt er. „Der Schuh soll tragbar sein.“
Zuerst war der Absatz schwammig
Laut Memmer übersteht der Schuh auch lange Partynächte. Doch es war ein steiniger Weg, bis der Partyschuh fertig war. „Das Mischungsverhältnis war falsch, der Absatz war schwammig. Wir mussten alles noch mal machen.“ Gleichzeitig lief ein Projekt in der Berufsfachschule weiter. „Es läuft eigentlich immer ein Projekt. Wir müssen mehrere Schuhkollektionen zusammen stellen.“ Da gilt es dann einen Business-Schuh zu designen oder ein Halbschuhprojekt mit drei Modellen zu kreieren – plus handgezeichnete Skizzen und ausführliche Dokumentation.
Memmer studiert mit Herzblut an der DSF. Er möchte dort „noch die nächsten eineinhalb Jahre Vollgas geben.“ Feiern und Partymachen war früher. „Wenn ich heute noch so unterwegs wäre, wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“ Memmer mag Mode im allgemeinen. Und Schuhe natürlich. „Ich liebe Schuhe, vor allem ausgefallene.“ In der Pfalz gebe es davon allerdings nicht so viele. Das würde er gerne ändern, seine eigene Marke herausbringen. „Mal schauen, wohin die Reise geht.“
Ohne Musik geht gar nichts
Kreativ war er schon immer. Sportlich ist er auch noch. „Ich spiele Fußball, seit ich klein bin. Aktuell in Queichhambach.“ Memmer wohnt seit jeher in der Pfalz. Seine Kreativzeit ist zu Hause, in der Schule könne er nicht so einfallsreich sein. Daheim zeichnet er sehr viel und hört dabei Musik. „Dann geht mein Prozess besser. Ohne Musik geht gar nichts.“
Was Memmer an andere weitergeben möchte, ist, „dass die Leute an sich glauben sollen. Weiter machen, auch wenn du denkst, am Ende zu sein.“ Nicht so sehr auf das schauen, was die anderen machen. „Du hast nur ein Leben. Dir schenkt keiner was. Mach was draus!“