Landau
Großer Andrang: Friseursalons wieder offen – Ein Besuch bei „Der Frisör“
An Nils führt kein Weg vorbei: Wer im Friseursalon in der Vogesenstraße 48a sein Haar-Problem loswerden will, muss als Erstes zu ihm. Der 23-jährige Sportstudent, der mit vollem Namen Nils Flörchinger heißt, weist Kunden in die Hygieneregeln ein, die bei Friseurbesuchen während der Corona-Pandemie gelten. Seit Montag dürfen in Rheinland-Pfalz Friseure wieder öffnen. Damit verbunden sind strenge Auflagen, um alle Beteiligten vor einer Infektion zu schützen.
Ulrich Ullmayer, dessen Laden schlicht und einfach so heißt wie sein Beruf – Der Frisör –, hat sich dafür ein besonderes Konzept ausgedacht: Unter einem Pavillon vor dem Eingang begrüßt Nils die Kunden. An einem Spültisch lässt er jeden, der in den Salon will, zunächst die Hände waschen, dann abtrocknen, desinfizieren, fertig. Anschließend reicht er den Frauen und Männern – die Styling-Termine sind auf Wochen ausgebucht – einen Umhang. Bevor es endlich rein geht, notiert Nils noch Name, Adresse und Uhrzeit. „Wir halten fest, wer wann kommt und geht. Damit können wir im Fall der Fälle, also wenn jemand mit dem Coronavirus infiziert sein sollte, Kontakte nachvollziehen.“
Schließung hätte nicht länger sein dürfen
An der Eingangstür empfängt der Chef seinen nächsten Kunden. „Wer bei Nils durch ist, wartet draußen, bis einer von uns ihn abholt.“ Sitzgelegenheiten gibt es jedenfalls genug im Hof. Im Salon musste Ullmayer von zwölf auf zehn Frisierplätze reduzieren. „Ich hatte Glück“, sagt er. „Der Salon ist mit 200 Quadratmetern wirklich groß und die einzelnen Plätze waren schon immer großzügig verteilt.“
Trotzdem musste auch er improvisieren. Im Waschbereich trennen Stellwände vier Friseurstühle voneinander ab. 1000 Euro habe er investiert, um die Auflagen zu erfüllen. Darunter fielen auch Desinfektionsmittel und Schutzmasken. Denn gerade beim Haarefärben rät Ullmayer zu Einwegmasken. „Die Schließung war für uns alle kein Zuckerschlecken.“ Trotzdem habe er versucht, alles positiv zu sehen. „Ich hätte mir nie im Leben sechs Wochen Urlaub gegönnt“, sagt er lachend und fügt ernst hinzu: „Es hätte nicht länger sein dürfen. Und ich schätze mich glücklich, wieder arbeiten zu dürfen.“
Problem: Männerohren
Glücklich sind auch seine Kunden. Renate Neumann sitzt mit nasser Farbe auf den Haaren vorm Spiegel. „Ach Gott, habe ich mich auf heute gefreut. Ich musste mir meinen Pony schon mit den Haarklammern meiner Enkelin zurückstecken“, erzählt die 74-Jährige. „Aber der Mundschutz macht mich wahnsinnig.“ Sie bekomme darunter einfach nicht richtig Luft.
Ungewohnt ist das Stückchen Stoff auch für die Friseure. Bei Herrenhaarschnitten beispielsweise, wenn es um die Ohren geht, seien die Gummibänder im Weg. „Die Männer halten die Masken dann mit den Händen fest“, sagt Friseurin Melanie Bold. Ihr Motto: alles Gewöhnungssache. Sie und das Team seien zuversichtlich, dass die vielen zusätzlichen Arbeitsschritte bald in Routine übergehen. So müsse jeder Platz nach jedem Kunden gereinigt und desinfiziert werden. Scheren und anderes Besteck ebenso. Auch Einmalhandschuhe seien Pflicht, genauso wie Haarewaschen. Bolds Fazit nach der Wiedereröffnung: „Die Kunden freuen sich genauso wie wir. Dass wir weder Kaffee noch Zeitschriften ausgeben dürfen, wird verständnisvoll aufgenommen“, sagt sie. In dieser besonderen Zeit stehe für die meisten die Dienstleistung im Vordergrund.
Wenn der Ehemann färbt ...
Auf der anderen Seite im Salon sitzt Margit Gundal aus Rülzheim. Sie lacht ihrem neuen Spiegelbild entgegen. „Mein Mann hat mir zuhause den Ansatz gefärbt. Auf solche Ideen kommt man“, berichtet sie. „Er hat es gut gemacht“, findet Frisör Ullmayer. Wie bei vielen seiner Kollegen steigen auch bei ihm wegen Corona die Preise. Bei ihm zwischen drei bis fünf Euro. So finanziere er zusätzliche Materialkosten, aber auch Nils freue sich über ein Taschengeld. „Durch unseren Hygienemann sparen wir Zeit, weil er uns ein großes Stück Arbeit abnimmt. Dadurch können wir am Tag bis zu fünf Kunden mehr bedienen“, sagt Ullmayer.