Landau Graf Dracula als Hampelmann

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Billigheim-Ingenheim. Wer in den 1950er-, 1960er-Jahren aufgewachsen ist, wird sich noch daran erinnern: Mit staunenden Kinderaugen stand man auf der Kerwe vor dem Wunderwerk, auf dem zu Schrummtata-Musik rhythmisch die Lämpchen blinkten und auf dem sich bunte Figuren bewegten und ratternd im Kreise drehten – eine Jahrmarktsorgel. So einen Apparat der Träume hat Otfried Culmann, der Schöpfer fantastischer Kunst, auf seine ganz eigene Art gebaut. Er steht im Keller seines Hauses in Billigheim.

Besuchern, die die schmale Kellertreppe des ehemaligen Pfarrhauses hinuntersteigen, öffnet sich eine Fantasiewelt. „Culmanns Panopticum Orchestrion“ nimmt eine ganze Wand ein und wird auf Knopfdruck lebendig. Während Glühbirnen und kleine Lämpchen, durch Musikimpulse gesteuert, rhythmisch flackern, fällt der Blick auf zwei Figuren, die wie Hampelmänner die Arme bewegen. Ein Zauberer und Graf Dracula wurden hier porträtiert – und beide zaubern etwas aus ihrem Hut. Während beim finsteren Dracula eine Fledermaus aus der Kopfbedeckung linst und dann wieder verschwindet, ist es beim Magier natürlich ein kleines Häschen. In der Mitte dreht sich eine Dame mit zwei Frontansichten, mal schwarz, mal bonbonbunt gekleidet. Sie symbolisiert Tag und Nacht, sagt Otfried Culmann. Posaune spielende Engel und eine Endlosspirale, die an alte Eismaschinen erinnert, sind weitere Schaustücke des Orchestrions. Die Kirmesorgel spiegelt das Prinzip des Künstlers wider, alles zu verwenden, was andere nicht mehr brauchen. So dreht sich zum Beispiel die Doppelfrau auf einem alten Schallplattenteller, die Figuren von Zauberer und Dracula werden von kleinen Motoren bewegt, die früher die Fenster von Gewächshäusern steuerten. Die Traummaschine hatte ihren ersten großen Auftritt beim 1300. Dorfjubiläum von Billigheim im Jahr 1993. Otfried Culmann hatte sich an die Arbeit gemacht, um seinen besonderen Beitrag zu diesem großen Dorffest zu leisten. Die Kirmesorgel wurde in der Hofeinfahrt des alten Pfarrhauses aufgestellt und entwickelte sich sofort zu einer Riesenattraktion. „Alle waren begeistert“, erinnert sich der Künstler. Vor allem Kinder konnten sich nicht satt sehen und standen immer wieder mit großen Augen vor dem bewegten Blinkeapparat. Danach verschwand das Orchestrion, aus Platzgründen leicht gekürzt, im Keller, wo es immer wieder gern von Gästen der Familie Culmann bewundert wird. Stummer Gast ist übrigens eine Cleopatra-Statue aus Ytong-Stein, die unbewegt dem Spektakel gegenüber steht. Dann gibt es noch eine uralte Nähmaschine mit Sphinx-Bemalung, die Otfried Culmann vor allem deswegen so schätzt, weil sie ihn an einen Ausspruch des surrealistischen Dichters Lautréamont erinnert: Surreale Objekte seien „schön wie das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“, zitiert der Künstler den französischen Exzentriker und lächelt vor sich hin. Das Orchestrion war für Otfried Culmann eine Quelle der künstlerischen Inspiration. Der Billigheimer hat sich intensiv in die Geschichte und Technik des mechanischen Orgelbaus vertieft, so ist es kein Wunder, dass weitere Maschinen folgten. In der Scheune steht zum Beispiel ein Nachfolgemodell, das Musicautomatophon, das schon mal bei Ausstellungseröffnungen blinkt und tönt. Außerdem, so schreibt Culmann in einem seiner Bücher, „machte ich viele Skizzen für den Bau der wunderlichsten Apparate“. So entstand eine Bilderserie über die „Traumapparate des Dädalus“. Einige davon sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen, zwar ohne Musik und Blinkeffekt, aber nicht weniger sehenswert und skurril. Info Die Ausstellung „Culmanns Tagträume in Rom“ ist in der Galerie Culmann, Raiffeisenstraße 3, in Billigheim zu sehen. Geöffnet ist sie jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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