Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Godramstein: Pensionierter Zahnarzt bei Hilfsprojekt auf Madagaskar

Zwei Wochen war der Godramsteiner Gerhard Ruppert auf Madagaskar, um Dorfbewohner zu behandeln.
Zwei Wochen war der Godramsteiner Gerhard Ruppert auf Madagaskar, um Dorfbewohner zu behandeln. Foto: Ruppert

1300 gezogene Zähne, 130 rettende Zahnfüllungen, rund 500 schmerzbefreite Patienten – das ist die Bilanz eines Hilfseinsatzes auf Madagaskar, an dem der Godramsteiner Gerhard Ruppert beteiligt war. Drei Wochen hat er auf der Tropeninsel verbracht und dabei Leid und Freud der Inselbewohner kennengelernt.

Auch wenn manch einem der Gang zum Zahnarzt schwerfällt: Angst vor der Behandlung müssen Patienten nicht haben, schließlich erfolgt sie nach modernen Standards. In anderen Ländern wären die Menschen schon dankbar, wenn sie einen Mediziner im Ort hätten. Etwa auf Madagaskar, konkret in Berenty, einem rund 250 Hektar großen Naturreservat im Süden der Tropeninsel. Dort hat der pensionierte Zahnarzt Gerhard Ruppert aus Godramstein humanitäre Hilfe geleistet. „Ich war dort mit zwei weiteren Zahnärzten sowie fünf Studenten der Zahnmedizin, die kurz vor ihrem Examen stehen“, erzählt Ruppert.

Das Ärzteteam behandelte in zwei Wochen rund 500 Patienten. „Die Menschen haben keinen Zahnarzt in der Nähe, auch keine Krankenversicherung, um sich eine Behandlung leisten zu können“, erzählt Ruppert. Ohnehin sei der Großteil der Mediziner in der Hauptstadt Antananarivo ansässig, die etwa 1000 Kilometer von Berenty entfernt und nur schwer zu erreichen ist. „Es gibt auf der Insel keine geteerten Straßen, sondern nur sandige Pfade und Schlammpisten.“ Eine Fahrt bis nach Antananarivo würde bis zu zwei Wochen dauern, vermutet Ruppert.

Projekt in Myanmar geplant

Hinter dem Hilfsprojekt auf Madagaskar steckt der in Heidelberg ansässige Verein „Planet Action – Helfende Hände“. Die Mitglieder setzen sich für die zahnmedizinische Versorgung von Bedürftigen in Entwicklungsländern ein. „Ein Bekannter hatte mich im Frühjahr auf diesen Verein hingewiesen“, erzählt Ruppert. Der 74-Jährige hat vor zwölf Jahren seine Praxis in Edenkoben aufgegeben und spielte schon länger mit dem Gedanken, sich sozial zu engagieren. Wenn er als Mediziner das Wissen und die Fähigkeit habe, Menschen zu helfen, dann dürften es gerne Bedürftige im Ausland sein. Nachdem sich ein Einsatz in Myanmar zerschlagen hatte, verschlug es ihn im Sommer ins südöstliche Afrika.

Ein zahnärztlicher Hilfseinsatz in Madagaskar bedeutet nicht nur ehrenamtliche Arbeit, sondern auch eine Menge Vorbereitung und Planung: Spenden mussten gesammelt, Materialien bestellt und der Einsatz mit Unterkünften und Transfers, Visa und Arbeitserlaubnissen organisiert werden. Die Materialien, etwa Spritzen, Anästhesielösungen und Zahnbürsten, brachten die Mediziner größtenteils aus Deutschland mit.

Zwei Wochen lang behandelte das Ärzteteam die Patienten, täglich von 8 bis 19 Uhr. „Ich wusste, dass mich rudimentäre Arbeitsbedingungen erwarten würden“, erzählt Ruppert. Und doch sei es etwas anderes, sie tatsächlich vor Ort zu erleben. „Wir hatten ein Zimmer mit zwei Behandlungsstühlen, von denen jedoch nur einer höhenverstellbar war.“ Um möglichst viele Patienten zu versorgen, wurden gar welche im Flur auf herkömmlichen Stühlen behandelt.

Mit Händen und Füßen verständigt

Die Ärzte mussten mit Wasserkanistern arbeiten, um die zahnmedizinischen Instrumente zu säubern. Anschließend wurden sie im Kochtopf sterilisiert. Licht gab es auch nicht, weshalb die Ärzte mit Stirnlampen arbeiteten. Die suboptimalen Rahmenbedingungen waren das eine, erschwerend hinzu kam die Sprachbarriere. „Die Amtssprache ist zwar Französisch, doch die meisten Bewohner sprachen Malagasy und Dialekte“, berichtet Ruppert.

Um nachzuvollziehen, was die Patienten haben, wurden die wichtigsten Begriffe – Schmerzen, Mund auf, Schlucken – mit entsprechender Übersetzung auf Zettel geschrieben und an die Wand gehängt. Wobei die Behandlungen in Berenty im Wesentlichen darin bestand, Zähne zu ziehen oder sie mit Füllungen zu versorgen. „An Wurzelbehandlungen, Prothesen und andere Behandlungen war nicht zu denken, das war nicht möglich“, sagt Ruppert. Zumal die Mundhygiene der Dorfbewohner mangelhaft war. Einseitige Ernährung sowie viel Süßes nage an den Zähnen der meist bitterarmen Bevölkerung. Das spiegelt sich auch in Zahlen nieder: Bei dem Einsatz wurden 1300 Zähne gezogen, 130 wurden mit einer Füllung versorgt.

Grundschulkinder über Mundhygiene aufgeklärt

Das Ärzteteam klärte zudem Kinder in einer benachbarten Grundschule über vorbeugende Maßnahmen auf. „Wir hatten Zahnärzte und Zahnpasta dabei und zeigten, worauf es beim Zähneputzen ankommt“, berichtet Ruppert. Den Jungen und Mädchen habe es zwar Freude bereitet, nachhaltig war der Workshop jedoch nicht. „Die Familien können sich weder Zahnbürste noch Zahnpasta leisten. Es sind Luxusgüter.“

So sehr Ruppert über die ärmlichen Verhältnisse der Bürger schockiert war, umso erstaunter war er zu sehen, welche Lebensfreude die Inselbewohner haben. „Sie haben nichts, sind aber trotzdem glücklich und unheimlich freundlich.“ Auch von der Natur mit ihrem tropischen Klima war Ruppert fasziniert. Er kann noch nicht sagen, ob er zurückkehren wird. „Ich bin schließlich seit zwölf Jahren aus dem Beruf raus, es war auch fordernd, so viele Menschen in kurzer Zeit zu behandeln.“ Ausgeschlossen ist ein weiterer Hilfseinsatz aber nicht.

Info

Zahnärzte, Zahnmedizinstudenten und zahnmedizinische Fachangestellte, die an einem Hilfseinsatz in Madagaskar oder anderen Entwicklungsländern interessiert sind, melden sich per Mail an info@planet-action.de. Infos für Spendenwillige gibt es online unter www.planet-action.de.

So sieht es im Naturreservat Berenty im Süden der Insel aus.
So sieht es im Naturreservat Berenty im Süden der Insel aus. Foto: Ruppert
Das Ärzteteam war auch in der Grundschule, um die Kinder über die richtige Mundpflege aufzuklären.
Das Ärzteteam war auch in der Grundschule, um die Kinder über die richtige Mundpflege aufzuklären. Foto: Ruppert
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