Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Gas-Aus: Wie andere Städte das Thema Anschlusszwang sehen

Mit Gasheizungen ist in Deutschland spätestens 2045 Schluss. In der Region sind die Folgen bereits zu spüren.
Mit Gasheizungen ist in Deutschland spätestens 2045 Schluss. In der Region sind die Folgen bereits zu spüren.

Die Bürger dazu verpflichten, ihre Häuser ans Fernwärmenetz anzuschließen? Das wird in Landau diskutiert. Wie andere Städte in der Region mit der heiklen Frage umgehen.

Bei vielen Menschen in der Region sorgte diese Nachricht für Gesprächsstoff: Ende vergangenen Jahres verkündete der Mannheimer Energieversorger MVV, ab 2035 den Gas-Hahn zuzudrehen. Heißt: Das Unternehmen will in zehn Jahren komplett aus der Gasversorgung ausgestiegen sein und auch das Gasnetz stillgelegt haben. Betroffen sind fast 25.000 Haushalte in Mannheim, im kompletten Versorgungsgebiet sind rund 56.000 Kunden betroffen. MVV will in den kommenden Jahren ein Fernwärmenetz – wie in Landau – vor allem im Norden der Stadt etablieren. Den Schritt begründet der Versorger mit dem Klimaschutz.

Doch die Nachricht vom verfrühten Gas-Aus sorgte und sorgt für Kritik. Der Bund hat festgelegt, dass eigentlich erst ab 2045 keine Gasheizungen mehr erlaubt sind. Deshalb sind viele Bürger in und um Mannheim verunsichert, es gab sogar Proteste vor der MVV-Zentrale. Viele Menschen fürchten die Kosten für den Umstieg auf die Fernwärme. Zudem wird MVV wohl nur 10.000 Fernwärmeanschlüsse bereitstellen können, der Rest der Kunden muss dann auf andere Technologien setzen, etwa die Wärmepumpe. Mit dieser Entscheidung hat Mannheim zwar keine Anschlusspflicht an die Fernwärme durchgesetzt, aber doch einen erheblichen Druck auf die Bürger mit Blick auf die Heizwende aufgebaut, zumindest zeitlich betrachtet.

Wärme soll von der BASF kommen

Woanders gehen die Verantwortlichen etwas defensiver mit der Heizwende um, etwa in Frankenthal. Dort ist man tunlichst bemüht, wie es aus informierten Kreisen heißt, bei jeder Gelegenheit zu betonen, dass ein Anschlusszwang an das geplante Fernwärmenetz keine gute Idee wäre, zumindest nach Ansicht der Stadtwerke. In der Stadt ist die Diskussion allerdings auch noch nicht entbrannt, der Stadtrat müsste am Ende entscheiden.

In Frankenthal soll die Fernwärme von der BASF-Kläranlage kommen. Für das Megaprojekt hat sich die Kommune mit der Nachbarstadt Ludwigshafen und eben der BASF zusammengetan. Bei der Kläranlage entsteht durch die Verbrennung von Klärschlamm Dampf und – je nach Jahreszeit – warmes Abwasser in enormen Mengen, das bislang ungenutzt in den Rhein geleitet worden ist. Das soll sich ändern: Über eine zehn Kilometer lange Hauptleitung, die unterirdisch in den Ludwigshafener Norden aufs BASF-Gelände verlegt werden soll, soll Frankenthal mit warmem Wasser aus grüner Energie versorgt werden.

Anschlusszwang: Befürworter nennen Argumente

In Landau soll ebenfalls ein Fernwärmenetz entstehen. Tausende Haushalte sollen bis spätestens 2045 mit warmem Wasser geheizt werden. Das Wasser soll aus der Tiefe kommen, gewonnen über Geothermiekraftwerke rund um die Stadt. Für das Verlegen der Leitungen muss im Stadtgebiet fast jede Straße aufgerissen werden. Kosten: rund 300 Millionen Euro. Stand jetzt.

Stadtwerke-Chef Thomas Waßmuth hatte kürzlich gegenüber er RHEINPFALZ betont, dass er einen Anschlusszwang für sinnvoll hielte. Der würde nicht nur mehr Planungssicherheit bringen, sondern es könnten auch günstigere Preise für die Kunden angeboten werden. Auch aus dem politischen Raum ist zu hören, dass manche Entscheider im Landauer Stadtrat dieser Idee nicht abgeneigt sind. Doch noch gibt es keine Entscheidung. Die Debatte ist allerdings angelaufen.

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