Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Gartencenter und Zoo froh über Öffnungsmöglichkeit

Die Gärtnerei Gerlach muss nun doch nicht alle Frühlingsblüher vernichten.
Die Gärtnerei Gerlach muss nun doch nicht alle Frühlingsblüher vernichten.

Ein Hauch von Frühling liegt in der Luft: Das Land lockert seine strengen Coronaregeln. Das ist gut für Gärtnereien, die nun ihre Frühlingsblüher doch nicht vernichten müssen. Auch erste Ausflugsziele dürfen öffnen. Aber es macht Mühe, die Auflagen umzusetzen.

Dürfen wir diesen Text mit einem Kalauer beginnen? Nicht mit einem Veilchen, wohl aber mit einem blauen Auge, ist die Gärtnerei Gerlach aus Landau davon gekommen. Sie hat nervenaufreibende Wochen hinter sich. Der Dauerlockdown hat dem traditionsreichen Familienbetrieb schwer zugesetzt, weil die Kunden, die größeren und kleineren Blumenfachgeschäfte in der Region sowie die Bau- und Gartenmärkte seit Monaten zu haben. Inhaber Jürgen Gerlach, der die Gärtnerei in dritter Generation führt, hat noch vor wenigen Tagen befürchtet, dass er rund 250.000 Frühlingsblüher vernichten müsse. Das hätte ihm einen Schaden von 200.000 Euro eingebrockt.

„Unsere wichtigsten Monate sind von Februar bis Juni“, sagt er. Besonders frustriert war er, weil er in Supermärkten die ganze Zeit hindurch Blumen sehen konnte, die seinen sehr ähnlich sahen – nur dass sie aus Holland und Italien kamen. Auch seine Kollegen schlugen Alarm. Am Dienstag kam dann für die erlösende Nachricht: Mit der neuen rheinland-pfälzischen Coronabekämpfungsverordnung dürfen Blumengeschäfte ab 1. März wieder öffnen. Gärtnereien, Gartencenter und Gartenbaubedarfe dürfen im Freien verkaufen. Bei einer Beschränkung auf ein gartencenter-typisches Sortiment gilt das auch für die Außenbereiche der Baumärkte. Gerlach fällt ein Stein von Herzen: „Eine bessere Nachricht hätt’s für mich heute gar nicht geben können.“ Bisher habe er nur rund 10.000 Primeln kompostieren müssen. Auch das ist nicht schön, aber verkraftbar, sagt der Gärtner.

Gillet: Vorsicht ist geboten

Für das Gartencenter in der Staatsstraße in Edesheim bedeutet die Entscheidung der Landesregierung keine große Umstellung. „Wir haben die ganze Zeit schon den Marktstand vor unserem Gartencenter geöffnet“, sagt Inhaber Klaus Hoffmann, „dort verkaufen wir eigenproduzierte Ware – und das dürfen wir.“ Ab nächster Woche wird dann zusätzlich das Freigelände geöffnet. „Die Vorbereitungen dafür sind schon erledigt“, so Hoffmann. Dank des Marktstandes hat das Gartencenter den Lockdown gut überstanden. „Das größte Problem war der Frost in den zurückliegenden Wochen. Da kann man halt keine Blumen verkaufen.“ Hoffmann kann auf alle Beschäftigten zurückgreifen: „Bei uns musste wegen Corona niemand gehen, wir hatten die ganze Zeit genug zu tun.“

Froh für den ersten Öffnungsschritt ist auch Petra Gillet vom gleichnamigen Baumarkt mit angeschlossenem Floraland-Gartenmarkt in Landau, die erst vor wenigen Tagen eine Perspektive für den Einzelhandel gefordert hatte. Dass die Öffnung mit aller Vorsicht erfolgt, „ist in unser aller Interesse“, denn mit einem neuerlichen Lockdown in Kürze wäre niemandem geholfen. Dass sie nun zumindest die Frühlingsblüher (plus Gartenbaumaterial und manches andere) anbieten kann, ist ihr auch aus Gründen der Nachhaltigkeit wichtig, denn die kommen von Gerlach und einem weiteren Betrieb bei Malsch, also ohne lange Transportwege, ganz aus der Nähe. Gillet kann noch nicht abschätzen, wie viele Kunden das Angebot auf rund 4000 Quadratmeter Freifläche nutzen werden. Vorsichtshalber hat sie einen Sicherheitsdienst beauftragt, der den Zugang regeln wird.

Wild- und Wanderpark braucht noch ein paar Tage

Eine Öffnung pünktlich zum 1. März, das wird der Wild- und Wanderpark in Silz nicht hinkriegen. Dafür sei die Vorlaufzeit zu kurz, sagt Geschäftsführer Daniel Kraus. Die Landesregierung habe zwar am Dienstag die Öffnungsmöglichkeit verkündet, aber die Verordnung dazu samt der genauen Auflagen werde wohl erst am Freitag ergehen, schätzt Kraus, der am Mittwochmorgen bereits mit mehreren Kollegen und Behörden gesprochen hat, um den Neustart abzustimmen. Er ist aber zuversichtlich, dass das beliebte Ausflugsziel am Mittwoch oder Donnerstag, also 3. oder 4. März, öffnen kann. Noch sei unklar, wie viele Besucher den Park betreten dürfen, ob überall Maskenpflicht herrschen wird und wie eine Online-Reservierung funktionieren soll. Der Park habe zwar noch kein Buchungssystem, aber das sei alles machbar. Kraus ist jetzt einfach froh, dass es bald wieder losgehen kann, sagt er, während er neben dem Ziegengehege steht. „Die gucken mich schon mit großen erwartungsvollen Augen an.“ Und auch für die Menschen sei es wichtig, wieder eine Perspektive auf ein normaleres Leben zu haben, findet er.

Auch der Landauer Zoo ist noch im Stress, damit es mit der Wieder-Öffnung am Montag klappt. Nach Angaben von Zoodirektor Jens-Ove Heckel arbeitet sein Team mit Hochdruck daran, die vom Land gemachten Auflagen zu erfüllen und beispielsweise ein Online-Ticket-System einzurichten. Das wird vermutlich funktionieren, da die Stadtholding für das Freizeitbad La Ola und das Freibad bereits über ein solches System verfügt und helfen wird. Mensch und Tier freuten sich bereits sehr auf die Rückkehr der Besucher, so Heckel.

Blumenhaus Gaab wartet auf Regeln

Im Blumenhaus Gaab in Queichheim herrscht noch Verunsicherung. Noch seien die genauen Spielregeln nicht klar, unter denen die Öffnung möglich sein soll. „Wir warten noch auf Auskünfte unseres Verbandes“, teilte die Betreiberfamilie auf Anfrage mit. Die Öffnung sei wichtig, da jetzt die Gartensaison beginne – und weil das bisher praktizierte System mit Vorbestellungen und Abholen zwar recht gut funktioniert habe, aber enorm aufwendig sei.

Die Lockerungen erfreuen auch Hornbach. Das Unternehmen will am 1. März in all seinen neun Märkten in Rheinland-Pfalz die Gartencenter und Außenbereiche öffnen und Pflanzen, Saatgut, Erden, Dünger und Zubehör anbieten. Dazu gehören in der Südpfalz Bornheim und Bad Bergzabern. Derzeit trennt das Unternehmen die Freibereiche der Filialen vom restlichen Sortiment ab, wie Pressesprecher Florian Preuß berichtet. Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten sollen die Anzahl der Kunden erfassen und regulieren sowie darauf achten, dass Abstände eingehalten werden. Die baldige Öffnung der Gartenmärkte sei wichtig, findet Günter Eichert, Gebietsleiter Rheinland-Pfalz der Hornbach Baumarkt AG: „Nach der intensiven Frostphase fangen die Menschen nun wieder an, ihre Gärten fit zu machen für das nahende Frühjahr. Der Bedarf an Pflanzen und Co. ist schon jetzt groß. In Kürze werden wir ein Volumen erreicht haben, dem unsere Branche nicht mehr allein durch Onlinebestellungen gerecht werden kann.“

Daniel Kraus ist sicher, dass auch die Ziegen froh über die baldige Öffnung des Wild- und Wanderparks in Silz sind.
Daniel Kraus ist sicher, dass auch die Ziegen froh über die baldige Öffnung des Wild- und Wanderparks in Silz sind.
Direktor Jens-Ove Heckel ist zuversichtlich, dass der Landauer Zoo ein digitales Ticketsystem einführen kann.
Direktor Jens-Ove Heckel ist zuversichtlich, dass der Landauer Zoo ein digitales Ticketsystem einführen kann.
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