Immobilienreport RHEINPFALZ Plus Artikel Garten der Großeltern in der Südpfalz wird zum Bauplatz

Hier soll der Neubau stehen, in dem Danny Allmann mit Frau und Kind einziehen möchte.
Hier soll der Neubau stehen, in dem Danny Allmann mit Frau und Kind einziehen möchte.

Bauland ist in der Südpfalz ein rares Gut. Glück hat, wer ein Grundstück findet – und es finanzieren kann. Schließlich muss das Geld noch für einen Neubau reichen. Fündig werden können Häuslebauer im Garten der Angehörigen.

Danny Allmann lebt mit Frau und Kind in einer Mietwohnung. Sie sei genug für einen dreiköpfigen Haushalt. Der Sprössling hat auch ausreichend Platz zum Spielen. Allerdings will die Familie sich seit Längerem den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen. Etwas, das sie ihr Eigen nennen können. Das ist in der Südpfalz derzeit aber leichter gesagt als getan. So angespannt, wie die Immobiliensituation in der Region ist. Kaum hatten die Allmanns erste Baugrundstücke und Häuser näher begutachtet, ließen sie es wieder sein.

Vor zwei Jahren kam die Familie dann auf die Lösung im Gespräch mit den Eltern: Wieso nicht einfach im Garten der Großeltern ein Haus bauen? Die haben noch ein solch überdurchschnittlich großes Grundstück, das heute immer seltener zu sehen ist. Es diente oft dazu, Gemüse für den Eigenbedarf anzubauen, manche tun dies immer noch. Heute ist ein großes Grundstück ein Luxus, der nahezu unbezahlbar ist. Bei den Preisen, die derzeit pro Quadratmeter ausgerufen werden. Kommunen in Landau und Umgebung verlangen meist zwischen 200 und 400 Euro für Bauland. Privatleute mehr als 500 Euro, in manchen Gegenden wie Maikammer beispielsweise auch 800 Euro.

Makler preisen Hinterbebauung an

Wer dann das Glück hat, im Garten der Familienangehörigen sein neues Zuhause bauen zu können, spart nicht nur Kosten. Dadurch wachsen die Kinder auch in einer vertrauten Umgebung auf, im Falle der Allmanns in der Nähe der Großeltern. „Sie freuen sich vermutlich mehr als wir, uns in ihrer Nähe zu haben“, berichten die Allmanns der RHEINPFALZ.

Auf dem Immobilienmarkt werden aktuell immer wieder Neubau-Projekte in zweiter Reihe angepriesen, aktuell in Herxheimweyher. Zudem weisen manche Makler in den Verkaufsbeschreibungen zu bestimmten Angeboten darauf hin, dass die rückwärtige Fläche der Gebäude möglicherweise für das Bauen in zweiter Reihe infrage käme.

500 Anträge beim Landauer Bauamt pro Jahr

Ob in der Region die Anfragen nach solchen Hinterbebauungen steigen, lässt sich nicht mit Zahlen belegen. Weder die Stadt Landau noch der Landkreis SÜW führen hierzu eine Statistik. Die Kreisverwaltung SÜW teilt zumindest mit: „Grundsätzlich ist die Bebauung in zweiter Reihe schon immer ein Thema. Dennoch ist zu beobachten, dass vermehrt Bauträger auftauchen, die Wohnanlagen in zweiter Baureihe planen.“

In Landau dagegen hat das Thema eine geringere Bedeutung. Das Bauamt bearbeitet im Jahr durchschnittlich 500 Bauanfragen unterschiedlicher Art, teilt Stadtsprecherin Sandra Diehl auf Anfrage mit. In zwei Drittel der Fälle drehe sich die Anfrage um eine Sanierung, einen Anbau oder eine Aufstockung. Das verbleibende Drittel gehöre den Neubauten. Das seien überwiegend klassische Baulücken in erster Reihe und in Neubaugebieten. „Bei etwa jedem zehnten Fall im Neubau handelt es sich um Bauen in zweiter Reihe. Es sind also pro Jahr vielleicht ein Dutzend Fälle, die man dem Bauen in zweiter Reihe zuordnen könnte“, schätzt Diehl.

Bebauungsplan verzögert Projekt der Familie

Das Grundstück, in dessen rückwärtigem Bereich die Allmanns bauen möchten, ist mehr als 900 Quadratmeter groß. Den Bachlauf, die Sitzmöglichkeiten, den Teich – alles wurde zurückgebaut, das Gelände für den Neubau hergerichtet. Es befindet sich in der Offenbacher Gartenstraße. In diesem Viertel aus den 30er-Jahren haben auch andere Hauseigentümer viel Grün zur Verfügung. Teilweise stehen dort schon in der zweiten Reihe Häuser. Wäre es nach den Allmanns gegangen, hätten sie dort schon längst ihr neues Zuhause.

In Innenbereichen von Kommunen, wo es keinen Bebauungsplan gibt, kann ein Vorhaben laut Kreisverwaltung nur dann in zweiter Reihe nur zugelassen werden, wenn es sich in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt. „Es muss also schon eine Bebauung mit entsprechender Bautiefe vorhanden sein.“ Gemeint ist hier der Abstand von der Straße bis zu den hinteren Kanten der vorhandenen Gebäude.

Steingärten sollen verboten werden

In Offenbach wird dagegen derzeit ein Bebauungsplan erstellt. Dadurch sollen Regelungen für dieses und darauf folgenden Projekte getroffen werden. Sei es, was die Gebäudehöhe, de Dachgestaltung und -neigung oder die Anzahl der Parkplätze und weitere Aspekte betrifft.

Wenn alles gut laufen sollte, steht ab Herbst der Hinterbebauung in der Offenbacher Gartenstraße nichts mehr im Weg, wie Verbandsbürgermeister Axel Wassyl berichtet. Das Besondere an diesem Bebauungsplan ist unter anderem, dass Steingärten sowie die Verwendung von Kunststoff- beziehungsweise Plastikelementen in oder an Einzäunungen untersagt sind.

Der Report

Der Immobilienmarkt in der Südpfalz ist heiß umkämpft. Günstiger Wohnraum ist knapp. Der RHEINPFALZ-Report beleuchtet verschiedene Aspekte dieser Entwicklung. Auf der Homepage rheinpfalz.de/landau finden Sie alle bereits erschienenen Berichte. Analysen und Hintergründe zum Pfälzer Immobilienmarkt finden sich online unter www.rheinpfalz.de/immobilien.

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