Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Früher Boostern wegen niedriger Antikörperwerte?

Zur Auffrischung des Schutzes vor Corona braucht es immer einen mRNA-Impfstoff.
Zur Auffrischung des Schutzes vor Corona braucht es immer einen mRNA-Impfstoff.

Während immer noch viel zu viele Menschen keinen Impfschutz gegen das Coronavirus haben, organisieren andere längst ihre dritte Impfung. Boostern ist zum neuen Begriff im deutschen Wortschatz geworden. Das geht jetzt auch früher.

Im Wartezimmer der Hausarztpraxis Jentsch/Schwebius sitzt Ursula Goy, 69 Jahre. „Die Impfung ist der einzige Schutz, den wir haben“, sagt sie. Deshalb sei sie zum Vorgespräch für die Auffrischimpfung gekommen. Der 70-jährige Josef Nester ist ebenfalls gerade in der Praxis. „Meine erste Impfung war Astra, die zweite Biontec. Wegen der dritten Impfung schauen wir mal. Ich nehm auch Moderna. Geimpft werde ich aber nicht hier, sondern bei meinem Internisten in Landau.“

Eine 66-Jährige aus Herxheim erzählt: „Ich bin im Januar mit der Auffrischimpfung dran. Wenn es sein muss, lasse ich das machen. Ich möchte geschützt sein.“ Da sie Krebspatientin sei, ist sie alle vier Wochen in Karlsruhe beim Facharzt. Mit ihm wird sie besprechen, wann bei ihr die Auffrischimpfung am sinnvollsten ist.

Jede Woche anders

Alle Rheinland-Pfälzer können eine Booster-Impfung anhand der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) erhalten, wenn die Zweitimpfung mindestens fünf Monate zurückliegt. In manchen Fällen ist das „Boostern“ vor Ablauf dieser Frist möglich und sinnvoll. Neben Vorerkrankungen kann hierbei auch der Nachweis eines niedrigen Antikörperwertes zählen.

Jolanda Jentsch ist Teil des Ärzteteams in der Herxheimer Gemeinschaftspraxis. „Die Vorgaben ändern sich im Moment jede Woche. Wir richten uns nach der Stiko-Empfehlung. Momentan sind die 70-Jährigen dran.“ Ansonsten möchte Jentsch keine Aussagen zum Thema machen, schwere Vorerkrankungen könnten in der Impfpriorisierung berücksichtigt werden. Zum Antikörperwert stehe nichts in der Stiko-Empfehlung. Sie ist sehr bewegt vom großen Ansturm Impfwilliger. „Wir werden völlig überrannt von Patienten. Unser ganzes Team ist erschöpft und läuft auf dem Zahnfleisch, vor allem die Arzthelferinnen. Das Telefon ist ständig blockiert, kranke Patienten kommen kaum durch.“

Zweiter Piks nach vier Wochen

Wie ist die Regelung beim Impfportal des Landes beschrieben? Erwachsene in Rheinland-Pfalz können sich erst dann zur Impfauffrischung anmelden, wenn deren zweite Impfung schon mindestens fünf Monate zurückliegt. Dies ist der Fall bei vorangegangenen Erstimpfungen mit Biontech, Moderna oder Astra-Zeneca. Eine Anmeldung für einen Termin in der Zukunft ist somit vor Ablauf der Frist nicht möglich. Bei Johnson & Johnson liegt die Frist für die Zweitimpfung inzwischen laut Homepage zur Terminregistrierung Rheinland-Pfalz sogar bei gerade mal vier Wochen. Unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor verwendet wurde, soll für die Auffrischimpfung ein mRNA-Impfstoff verwendet werden.

Impfen bleibt der Schlüssel aus der Pandemie, heißt es auch beim Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit in Mainz. Mit der Öffnung der Impfzentren sowie der Etablierung von 21 Impfstellen an Krankenhausstandorten, mit der verdoppelten Anzahl an Impfbussen und dem Einsatz mobiler Teams ergänze die Landesregierung die Impfangebote der niedergelassenen Ärzte im Land, betont Sprecherin Hilde Rühl.

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