Interview Forschung leicht erklärt: Was tun gegen Desinformation im Netz

Vor allem im Internet verbreiten sich Verschwörungsmythen sehr schnell.
Vor allem im Internet verbreiten sich Verschwörungsmythen sehr schnell.

Beim Science-Slam in Landau möchten Wissenschaftler ihre Forschung für Laien verständlich mache. Mit dabei ist Kommunikationswissenschaftlerin Clara Christner. Im Gespräch mit Falk Reimer erklärt sie, worin das Problem von Falschbehauptungen in sozialen Meiden liegt und wie man dagegen ankämpfen kann.

Wie reagiert man am besten auf vorhandene Desinformationen?
Es gibt unterschiedliche Formen, Desinformation zu korrigieren. Ganz klassisch: Fact-Checks, also Faktenprüfungen. Die falsche Aussage wird durch die richtige Information widerlegt. In den sozialen Medien würde dann angezeigt, dass die Info falsch ist. Es gäbe einen Kasten, wenn man diesen anklickt, wird die richtige Information präsentiert.

Aber die Lüge ist dann schon dreimal um die Welt gelaufen ...
Das ist ein grundsätzliches Problem. Wir sind immer einen Ticken zu spät. Richtigstellungen können erst danach erfolgen, logischerweise.

Bringen die Kästen was?
Ja, die Forschung zeigt, dass die Korrekturen effektiv sind, Fehlwahrnehmungen zu reduzieren. Es ist nur noch unklar, welche Form der Korrektur am besten wirkt. Es gibt auch andere Formen – eine basiert beispielsweise auf der sogenannten Impftheorie. Menschen werden gegen die Desinformation „geimpft“, indem ihnen eine abgeschwächte Version der Desinformation zur Verfügung gestellt wird. Dazu wird die Technik und die Strategie der Manipulation aufgezeigt. So sollen Menschen resistent gemacht werden.

Welche Strategien sind das?
Es gibt mehrere Strategien, die für Desinformation angewandt werden. Eine sind sogenannte Pseudo-Expert*innen. Das sind Menschen, die sich zu einer Sache äußern, für die sie nicht qualifiziert sind, beispielsweise ein Anwalt, der sich zum Coronavirus äußert. Dann gibt es logische Fehlschlüsse. Wenn Äpfel mit Birnen verglichen werden – scheinbar ähnliche Dinge, die nicht gleich sind. Beispiel: In der Vergangenheit hat sich das Klima geändert, die jetzige Veränderung ist auch normal. Unerfüllbare Erwartungen werden oft gegenüber Wissenschaftler*innen geschürt – da geht es dann darum, die Expert*innen zu diskreditieren. Es wird immer noch ein extra Schritt obendrauf gesetzt, der es unmöglich macht, die Erwartungen zu erfüllen. Und dann natürlich Verschwörungsmythen.

Hilft es, die Strategien zu kennen?
Die Forschung zeigt: Wenn Menschen die Strategien kennen, wirken die Desinformationen weniger. Aber in der Praxis sehen wir, dass die Strategien durchmischt werden. In einer Desinformation kommen mehrere Strategien vor, die schließen sich nicht aus. Falschinformationen verbreiten sich besonders in sozialen Medien schnell und weit. Wir erreichen mit dem Aufzeigen der Strategien hoffentlich mehr Menschen.

Das fordert viel von den Menschen. Da spielen unter anderem Bildungsstand und Medienkompetenz wichtige Rollen. Ist das realistisch?
Wir können uns ja alle wappnen und diese Strategien kennen, das muss nicht der einzelne in jedem Einzelfall leisten. Aber ja, Bildungsstand spielt eine Rolle. Verschwörungsmythen oder Desinformation werden häufig von älteren Männern mit eher geringer Bildung geglaubt. Dazu gibt noch viele weitere Variablen, auch die politische Einstellung spielt eine wichtige Rolle.

Wie wird denn Desinformation im Bereich der Klimakrise eingesetzt?
In Bezug auf den Klimawandel gibt’s einen Wandel. Der Klimawandel wird meist nicht mehr geleugnet, es wird aber eine Verzögerungsdebatte geführt. Maßnahmen gegen den Klimawandel werden lächerlich gemacht und sollen verzögert werden.

Wie würden Sie nun konkret gegen eine Desinformation im Netz vorgehen. Was wäre die beste Strategie?
Ich persönlich bin der Meinung, man sollte immer reagieren und immer versuchen, die Desinformation zu widerlegen, damit sich diese Aussagen nicht ungehindert im Netz verbreiten können. Auch wenn es schwierig ist und wenn wir nicht immer jeden einzelnen damit erreichen.

Zur Person

Clara Christner
Clara Christner

Die 31-Jährige Clara Christner ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und arbeitet am Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik an der Landauer Uni. Die Karlsruherin tritt am Donnerstag beim Science-Slam im Gloria-Kulturpalast auf.

Zur Sache

Das Zentrum für Kultur und Wissensdialog (ZKW) der Landauer Uni lädt für Donnerstag, 20 Uhr, zum Science-Slam in den Gloria-Kulturpalast ein. Bei einem Science-Slam versuchen Wissenschaftler, ihr Forschungsgebiet unterhaltsam und verständlich zu präsentieren. Dabei gibt es eine Reihe von Kurzvorträgen von fünf bis zehn Minuten. Das Forschungsprojekt muss so präsentiert werden, dass es auch für Laien verständlich ist. Nach jedem Vortrag werde es eine offene Fragerunde geben. Laut ZKW und dem Mitveranstalter Zentrum für Graduiertenförderung und akademische Personalentwicklung werden Clara Christner (Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik), Dominik Vollbracht (Zentrum für Methoden, Diagnostik und Evaluation), Janpeter Schilling (Umweltwissenschaften), Veronika Barkela (Bildung im Kindes- und Jugendalter) und Bettina Reichmann (katholische Theologie) mit dabei sein. Tickets gibt es nur an der Abendkasse des Gloria zu zehn Euro pro Person.

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