Landau
Forschung im Landauer Zoo: Weniger Pinguin als Beifang
„Drei schwimmen in eins und drei, zwei tauchen, sechs sind an Land … zwei schwimmen in eins und zwei, sieben an Land …“ So geht die Zählerei am laufenden Band, wenn die Umweltwissenschaftsstudenten Ayla Seithe und Jannis Bitzigeio hochkonzentriert das Pinguinbecken in Augenschein nehmen, um wie in einer Live-Schalte die Anzahl der Tiere in den zuvor unterteilten Segmenten zu ermitteln. Sarah Bergemann, Studentin der Naturschutzbiologie und Geografie, sitzt daneben und schreibt die Meldungen in eine Art Logbuch. „Noch 30 Sekunden, dann Wechsel“, lautet die Ansage. Und nun kommt das Warngerät ins Spiel, das der Kieler Meeresbiologe und Geschäftsmann Boris Culik mit nach Landau gebracht hat.
Suchen die Vögel das Weite?
Vorsichtig wird das spindelförmige Teil, in dem sich die Elektronik für sieben verschiedene Warnrufe befindet, in einem Rohr ins Wasser gelassen, um in 50 Zentimetern Tiefe sein jeweiliges Signal zu senden. Werden die Pinguine ihr Verhalten ändern? Gar nicht ins Wasser gehen? Fluchtartig das Weite suchen? Einen großen Bogen um das Ding machen? Oder sich gar neugierig nähern? Die minutiöse Verhaltensbeobachtung der folgenden zehn Minuten soll darüber Auskunft geben, bevor das Gerät wieder aus dem Wasser gefischt wird. In diesem Zehnminutentakt mit stetem Wechsel von Normal- und Warnton-Zustand will Culik seinem Ziel, Humboldt-Pinguine vor den tödlichen Stricken großer Fischfangnetze zu bewahren, in Landau näherkommen.
Eine akustische Schranke
Dafür halten die Studenten zehn Tage lang von 7.30 bis 11 Uhr und von 16.30 bis 17 Uhr die Stellung. Danach werden ihre Beobachtungen mit den parallel laufenden technischen Aufzeichnungen verglichen, ausgewertet und das erfolgreichste Signal ausgewählt. Dieses wird dann in der zweiten Testphase von Berufsfischern vor den Küsten Chiles unter echten Einsatzbedingungen getestet, berichtet Culik. Ziel ist es, deren große Stellnetze im Abstand von zwei bis drei Metern mit je einem Warnsignal auszustatten. Es soll die Pinguine bei ihren Tauchgängen vor der drohenden Gefahr warnen und so vor tödlichen Verstrickungen schützen. Die akustischen Signalwellen sollen wie eine Schranke wirken, die sich freilich wieder öffnet, wenn die Boote abgezogen sind. Auf diese Weise werden die Tiere nicht völlig aus ihren Lebensräumen verbannt und die Fischer brauchen – da Fische auf diese Signale nicht reagieren – keine Beuteeinbußen befürchten.
Bei Schweinswalen klappt’s schon
Bei den Schweinswalen in der Ostsee klappt die von Culik erfundene Warnmethode ganz ausgezeichnet. Schon vor zehn Jahren ist der Forscher, der früher am Institut für Meereskunde in Kiel gearbeitet hat, auf den Trichter gekommen, dass man diese Säugetiere durch das Nachahmen der eigenen, natürlichen „Click-Click-Geräusche“ vor Unfällen schützen kann. 2500 Warngeräte sind in der Ostseefischerei seither im Einsatz und der Beifang konnte um 80 Prozent reduziert werden, berichtet Culik.
Die ersten Projekttage stimmen zuversichtlich
Das würden sich Gabriele und Werner Knauf, die Culik seit Langem in der Pinguinforschung unterstützen und in Landau den Verein „Sphenisco – Schutz des Humboldt Pinguins“ gegründet haben, auch für ihre sympathischen Frackträger wünschen. Und so lockten sie den Meeresforscher an deren Planschbecken im Landauer Zoo. Ein Jahr lang hat der Wissenschaftler an einem für Pinguine funktionierenden Alarmsignal getüftelt, was nicht einfach war, weil deren Gehörsinn bis heute nicht erforscht ist. Herauskristallisiert habe sich bei den Versuchen ein Piepton im Frequenzbereich zwischen 2,5 und zehn Kilohertz, den auch Menschen mit gutem Gehör noch wahrnehmen können. Sieben verschiedene Varianten sind nun unter den Laborbedingungen des Pinguinbeckens im Landauer Zoo im Test. Die ersten vier Projekttage stimmen den Biologen schon zuversichtlich, denn die Signale scheinen zu wirken, ohne die Tiere in Angst und Schrecken zu versetzen.