Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Fingierte Unfälle: Was wusste Ehefrau?

Etliche der fingierten Unfälle soll es in Marienring (unser Bild) und Rheinstraße gegeben haben.
Etliche der fingierten Unfälle soll es in Marienring (unser Bild) und Rheinstraße gegeben haben.

Im – vorerst ausgefallenen – Verfahren gegen einen Landauer, der Verkehrsunfälle verursacht und diese zusammen mit einer Rechtsanwältin bei den Versicherungen der vermeintlichen Unfallverursacher abgerechnet haben soll, gibt es eine neue Entwicklung. Ermittelt wird auch gegen die Ehefrau des Hauptangeklagten, und die arbeitet bei der Staatsanwaltschaft Landau.

Eigentlich hätte am Dienstag, 13. April, vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Landau ein langwieriges Verfahren beginnen sollen, für das bereits acht Termine bis in den Juni hinein angesetzt waren. Doch der 48-jährige Angeklagte hat sich krankgemeldet. Einen neuen Termin gibt es noch nicht, teilt das Landgericht auf Anfrage mit.

Dem Landauer wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Autounfälle insbesondere in Marienring und Rheinstraße in Landau verursacht zu haben, indem er Autofahrer beim Spurwechsel abpasste und so in deren totem Winkel fuhr, dass diese ihn nicht wahrnahmen und mit ihm zusammenstießen. Anschließend soll er die Unfallschäden bei den Kfz-Haftpflichtversicherungen der vorgeblichen Verursacher abgerechnet haben. Die Rede ist von weit über 20 Fällen – und davon, dass der Mann die Unfälle zur Gewinnerzielung und zur teilweisen Deckung seines Lebensunterhalts verursacht haben soll. Der Vorwurf lautet daher auf gewerbsmäßigen, gemeinschaftlichen Betrug.

Denn mit der Wahrnehmung seiner Interessen soll der Mann eine 54-jährige Rechtsanwältin aus der Südpfalz beauftragt haben. Der wirft die Staatsanwaltschaft vor, dass sie aufgrund der Häufung der Fälle von dem Versicherungsbetrug gewusst haben muss und dass sie sich aufgrund ihrer Anwaltshonorare ebenfalls daran bereicherte.

Es gibt aber noch weitere Verwicklungen, wie der Leitende Oberstaatsanwalt in Frankenthal, Hubert Ströber, auf Anfrage bestätigt. Der Landauer Fall ist auf Antrag der Landauer Leitenden Oberstaatsanwältin Angelika Möhlig von der Generalstaatsanwaltschaft in Zweibrücken der Staatsanwaltschaft Frankenthal zugewiesen worden, um jeglichen Verdacht der Befangenheit auszuräumen.

Denn der Angeklagte war oder ist mit einer Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft Landau verheiratet. Genaueres zum Familienstand (ob die Ehe noch besteht oder nicht) weiß Ströber nicht. Ein der Redaktion namentlich nicht bekannter Informant, der offenbar aus den Reihen der Justiz stammt oder in irgendeiner Form Einsicht in die Akten hatte, da er komplette Namen, Geburts- und Hochzeitsdaten sowie Wohnanschriften aller Beteiligten zu kennen scheint, schreibt, dass der Hauptangeklagte zumindest zeitweise bei einer Landauerin leben soll.

Fakt ist jedenfalls, dass es auch gegen diese Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft Landau Ermittlungen gibt. Denn wenn die mitangeklagte Rechtsanwältin aufgrund der Vielzahl an Unfällen hätte stutzig werden müssen, hätte dies auch für die Frau des Hauptangeklagten gelten können. Es stehe die Frage im Raum, ob sie vom Verhalten ihres Mannes gewusst habe und ob sie ihn dabei unterstützt habe. Diese Ermittlungen seien aufwendig und liefen bereits seit geraumer Zeit; einen Termin, wann sie voraussichtlich abgeschlossen sind, könne er nicht nennen, so Ströber – der früher stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft Landau war und die Frau aus dieser Zeit auch kennt.

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