Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Fasnacht vor 100 Jahren in der Südpfalz: Narren unter Beobachtung der Besatzer

Auf den Einladungen für die Prunksitzungen war in Edenkoben vor knapp 100 Jahren Narretei kaum Thema. Das hatte Gründe.
Auf den Einladungen für die Prunksitzungen war in Edenkoben vor knapp 100 Jahren Narretei kaum Thema. Das hatte Gründe.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs steht die Pfalz unter französischer Besatzung. Die neuen Machthaber fürchten nicht nur nationale Kräfte, sondern auch die Narren – etwa in Edenkoben. Warum?

Nach der Besetzung der Pfalz 1919 kontrollierte die französische Besatzungsbehörde auch das Vereinsleben. Vereine, die den Anschein erweckten, Militarismus oder Nationalismus zu fördern, wurden verboten. So erging es auch dem Kriegerverein Edenkoben, der 1919 aufgelöst wurde. Besonderen Argwohn hegte die französische Zensur auch gegenüber den Karnevalisten. Warum?

Sie waren dafür bekannt, besonders die politischen Zeitumstände bissig zu kritisieren. Die Franzosen fürchteten, dass das zu einer feindseligen Stimmung gegen sie in der Bevölkerung führen könnte. Deshalb verboten die Besatzer auch öffentliches Maskentreiben. Was also konnten die Fasnachter tun, um dennoch ihren Aktivitäten nachzukommen?

Aus Prunksitzungen werden Pfälzer Weinabende

Beispiel: der Karnevalvereins Frohsinn Edenkoben. Dessen Führung benannte kurzerhand die Vereinigung in Verein „Frohsinn Edenkoben“ um. Die Begriffe „Kappenabend“ oder „Prunksitzung“ wurden durch „Pfälzer Weinabend“ ersetzt. Dagegen konnte eigentlich auch die Besatzungsbehörde nichts haben. Auf der Einladung für den 5. Februar 1921 stand als Untertitel „mit allerhand Schnookes“. Unter Schnookes versteht der gemeine Pfälzer Spaß, Witz, Dummheit, Posse oder Streich. Konnte sich dahinter eventuell etwas anderes verbergen?

Jedenfalls vermieden es die Narren tunlichst, Büttenreden oder Sketche anzukündigen. Vielmehr gaben sie ein umfangreiches Musikrepertoire bekannt, auf das ein großer Ball folgen sollte. Wie und über was sich die Tanzpaare beim Schwofen unterhielten, das konnten möglicherweise anwesende Zensur-Spitzel wohl kaum mitbekommen. Im Juli 1930 zog die französische Besatzungsmacht vorzeitig aus der Pfalz ab. Es folgte eine kurze, freizügige Phase, ehe die Nazis als neue Machthaber die Richtung vorgaben. Und die verstanden, weiß Gott, keinen Spaß.

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