Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Führerschein-Reform: Fahrlehrer warnt vor falschen Hoffnungen

Michael Schreiner hat seit 25 Jahren seine Fahrschule in Landau.
Michael Schreiner hat seit 25 Jahren seine Fahrschule in Landau.

Die geplante Reform beim Führerschein sorgt für Debatten. Der Landauer Fahrlehrer Michael Schreiner ist zwiegespalten. Und er erklärt, ob der „Lappen“ wirklich billiger wird.

Für viele Menschen ist es ein einschneidendes Erlebnis. Auch nach Jahren lebt die Erinnerung. „Die Theorie war gar kein Problem“ oder „In der Praxis bin ich über ein Stoppschild gefahren und direkt durchgefallen“ sind Sätze, die vermutlich jeder schon einmal so oder so ähnlich im Gespräch gehört hat. Die Rede ist von der Führerscheinprüfung. Warum die so lange präsent bleibt, liegt auf der Hand. Endlich nicht mehr auf die Eltern angewiesen sein, wenn es darum geht, von A nach B zu kommen. Der „Lappen“ bedeutet Freiheit – sofern ein Auto da ist. Doch diese Freiheit kostet mittlerweile viel Geld.

„Die Kosten für einen Pkw-Führerschein der Klasse B liegen durchschnittlich bei circa 3400 Euro“, heißt es auf der Internetseite des Bundesverkehrsministeriums (BMV). Dass das zu viel ist, wird schon länger bemängelt. Deshalb wurde im Haus des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder (CDU) gemeinsam mit Vertretern aus den Bundesländern – die sind maßgeblich für Verwaltung, Prüfung und regionale Sonderregelungen der Fahrerlaubnis zuständig – ein Eckpunktepapier zur Reform der Fahrschulausbildung erstellt, über das bei der Verkehrsministerkonferenz im März beraten werden soll.

Anmeldungen zum Führerschein werden aufgeschoben

Seit deren Bekanntwerden vor einigen Wochen werden die Reformpläne in der Öffentlichkeit diskutiert. Vor allem Fahrschulbetreiber üben immer wieder Kritik. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) spricht von einem „massiven Angriff auf die Verkehrssicherheit“. Vor allem der Vorschlag, den Theorieunterricht ausschließlich online zu ermöglichen, wird als kontraproduktiv angesehen. Zudem beklagen einige Fahrschulen einen massiven Einbruch der Anmeldezahlen, weil in Erwartung eines niedrigeren Preises der Führerschein aufgeschoben wird.

Diesen Effekt kann Michael Schreiner nicht feststellen. Er ist seit 35 Jahren Fahrlehrer und betreibt seit 25 Jahren in Landau seine eigene Fahrschule. Jahr für Jahr werden von ihm und seinen zwei angestellten Fahrlehrern etwa 215 Schüler ausgebildet. Von Distanzunterricht hält Schreiner nichts. „Präsenz ist nach wie vor die beste Methode“, sagt er. Während Corona habe man gesehen, dass die Ergebnisse wesentlich schlechter sind, wenn nur digital gelehrt werde. In dieser Zeit sei bei seinen Schülern die Quote der bestandenen theoretischen Prüfungen für den Pkw-Führerschein von 92 Prozent auf 74 Prozent zurückgegangen.

Fragenkatalog soll reduziert werden

Die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) sprechen eine etwas andere Sprache. In den beiden Vor-Corona-Jahren 2018 und 2019 wurden jeweils rund 64 Prozent der theoretischen Prüfungen – aufgeführt sind hier alle Klassen, nicht nur B – bestanden. 2020 lag der Anteil bei rund 66 Prozent, 2021 fiel er auf gut 63 Prozent. Laut den jüngsten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2024 werden mittlerweile nur noch knapp 59 Prozent der Prüfungen bestanden.

Womöglich bereitet den Fahrschülern der immense Umfang des Fragenkatalogs für den Pkw-Führerschein Probleme. Laut BMV umfasst er derzeit 1169 Fragen. „Das könnte man wirklich um ein Vielfaches reduzieren“, sagt Michael Schreiner. Insofern befürwortet er den Vorschlag aus dem Eckpunktepapier, wonach nur noch etwa 840 Fragen übrig bleiben sollen.

Simulator und Eltern als Ausbilder lehnt der Fahrlehrer ab

Ganz und gar nicht einverstanden ist er mit der vorgesehenen Ausweitung des Fahrtrainings an Simulatoren, die schon heute in vielen Fahrschulen zum Einsatz kommen. Schreiner verzichtet auf ein solches Gerät. „Der reale Verkehr ist ganz anders als der am Simulator“, sagt er. „Ich halte die Maschine für unbrauchbar.“ Sollte das Eckpunktepapier an dieser Stelle unverändert in ein Gesetz übergehen, ergäbe sich für Schreiner aber kein Problem. „Eine Pflicht zur Nutzung von Simulatoren soll es nicht geben“, heißt es nämlich.

Ebenso optional soll eine Laienausbildung eingeführt werden. Das heißt, Fahrschüler absolvieren einen Teil der praktischen Ausbildung nicht mit dem Fahrlehrer, sondern mit Eltern beziehungsweise nahen Verwandten. Schreiner ist da skeptisch. „Ich bezweifle, dass Eltern das so hinbekommen wie Fahrlehrer.“ Er frage neue Schüler immer, ob sie schon einmal gefahren seien. Bei denjenigen, die schon mit den Eltern geübt haben, habe er große Defizite festgestellt. „Was einmal falsch beigebracht wurde, bekommt der Fahrlehrer nur schwer wieder heraus“, sagt Schreiner. Daher befürchte er, dass eher mehr Stunden als bisher nötig seien.

Fahrlehrer Schreiner: Führerschein wird nicht billiger

Bei ihm hätten die Schüler im Schnitt weniger Fahrstunden als bei anderen Fahrschulen, erklärt Schreiner. Für ihn ist das der Beleg dafür, dass er und seine beiden angestellten Lehrer eine qualitativ hochwertige Ausbildung anbieten. Der nette Nebeneffekt für die Fahrschüler: Der Führerschein kostet bei Michael Schreiner nach eigenen Angaben nur zwischen 1800 und 2400 Euro.

Ein Preisniveau, auf dem sich schon bald der Bundesdurchschnitt bewegt? „Nein“, sagt Schreiner. „Der Führerschein wird nicht günstiger werden.“ Und zwar deshalb, weil die Reformvorschläge – unabhängig von der jeweiligen Bewertung – nichts an den entscheidenden Kostentreibern ändern. Es sind nämlich die enorm gestiegenen Preise für Autos und für Kraftstoff, die die Preise bei den Fahrschulen in die Höhe treiben, erklärt Schreiner. Und daran wird sich auf Sicht nichts ändern.

x