Landau Es grünt so grün
«Göcklingen.»Der Göcklinger Steinbruch ergrünt langsam wieder. Auf den älteren Abraumhalden hat sich Vegetation angesiedelt, die über Flugsamen den Weg in den im Kaiserbachtal gelegenen Steinbruch gefunden hat. Und genau das ist auch gewollt. Bereits seit den 1990er-Jahren bereiten die Betreiber des Steinbruchs die Rekultivierung der abgebauten Bereiche vor. Dafür werden diese Stellen mit werkseigenem Abraum verfüllt. Trotz der kurzen Wege ist der Aufwand hoch, denn der Abraum muss aus dem Gelände gebohrt und gesprengt, zwischengelagert und später mit einer Raupe wieder eingebaut werden. Seit 2013 kommen größere Mengen Bodenaushubs von regionalen Baustellen dazu. Unbelastetes Material, betont Stefan Kuhn vom Unternehmen Gebrüder Kuhn aus Jockgrim, das den Steinbruch bis 2014 betrieb. Er ist dafür zuständig, das Aushubmaterial auf seine Unbedenklichkeit zu überprüfen. Die Erdmassen unterlägen strengen Kontrollen, erklärt Kuhn. Ziel der Verfüllung sei, zunächst eine Geländeform ähnlich wie vor dem Gesteinsabbau herzustellen und für eine Aufforstung vorzubereiten. Derzeit könne aber noch nicht gesagt werden, wann die endgültige Rekultivierung in Angriff genommen wird, sagt Kuhn, denn es seien noch erhebliche Reserven an abbaubarem Hartgestein vorhanden. Deswegen sei das aktuelle Grün auch nur ein temporärer Zustand. „Hier hat die Natur von sich aus Einzug gehalten“, berichtet Kuhn. Später werde noch eine durchwurzelbare Deckschicht aus Erde aufgetragen und dann in Abstimmung mit der Behörde festgelegt, was darauf angepflanzt wird. Die Bepflanzung sei im Rekultivierungsplan aus den 1980er-Jahren festgelegt, zwischenzeitlich aber mehrfach an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst worden. Ein Blick zurück: Bereits 38 Jahre sind vergangen, seit der Gemeinderat Göcklingen den Beschluss gefasst hat, den in der Gemarkung Waldhambach liegenden Hartsteinbruch der Ortsgemeinde mit einer Fläche von 20 Hektar zu verpachten. Unter mehreren Bewerbern fiel die Wahl auf das ehemalige Kies-Unternehmen Gebrüder Kuhn, das den Betrieb mit ständigen Modernisierungen voranbrachte. Vor zehn Jahren beispielsweise investierte der Betrieb in einen über 100 Tonnen schweren mobilen Vorbrecher. Die Maschine wird immer dort postiert, wo nach einer Sprengung abgebaut wird. Vor Ort füllt ihm ein riesiger Schaufelbagger den Rachen mit tonnenschweren Gesteinsbrocken, die dann grob zerkleinert werden. Die Kiesbaggerei, ihre ursprüngliche Betriebssparte, hat die Firma Gebrüder Kuhn schon vor längerer Zeit aufgegeben und sich zum Jahresbeginn 2014 auch aus dem Abbau von Hartgestein zurückgezogen. Neuer Betreiber des Gesteinsabbaus ist seitdem die Pfalzgranit GmbH aus Waldhambach. Die Firma ist Teil der familiengeführten Schlink-Gruppe. Während Seniorchef Karl-Heinz Schlink für die technische Seite des Betriebs zuständig ist, trägt sein Sohn Fabian die Verantwortung für den kaufmännischen Bereich. Der Übergang des Betriebs an die Pfalzgranit GmbH sei reibungslos verlaufen und es habe sich nichts Grundlegendes geändert, berichtet Stefan Kuhn. Synergieeffekte hätten sich dadurch eingestellt, dass Bagger und Spezialfahrzeuge, die früher von Fall zu Fall angemietet sowie zeitaufwendig an- und abtransportiert werden mussten, jetzt im Hauptsitz der Firma in Waldhambach zur Verfügung stünden. Auch die Millionen-Euro-Investition in den mobilen Vorbrecher habe sich gelohnt. Der Gigant aus Finnland leiste weiterhin sehr gute Dienste, indem er teure Muldenfahrzeuge ersetze. Zudem verringere er den hohen Aufwand für die Instandhaltung der Fahrwege. Heute beschäftigt der Betrieb 15 Mitarbeiter und erwirtschafte einen durchschnittlichen Jahresumsatz von vier Millionen Euro. Trotz aller Vorsicht kann aber auch mal etwas schiefgehen. Im November vergangenen Jahres war der benachbarte Kaiserbach mit Sand verunreinigt. Das werkseigene Absetzbecken habe es nach starken Regenfällen kurzzeitig nicht geschafft, das Abwasser von Sand zu reinigen, erklärt Kuhn. Dieser Zwischenfall habe die Göcklinger Bevölkerung beunruhigt und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd sowie die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße auf den Plan gerufen. In Abstimmung mit beiden Behörden sei zwischenzeitlich ein Konzept erarbeitet worden, um ähnliche Zwischenfälle künftig auszuschließen.