Wochenspiegel
Es geht um Parken, nicht um einen Einmarsch in Bornheim
Puh, das „neue Parken“ von Beigeordnetem Lukas Hartmann ist umstritten. Ist es gerecht? Löst es die Probleme? Werden die ganzen Parkplätze künftig von Geschäftsleuten belegt, die nicht nur Anwohnern, sondern auch ihren Kunden die Abstellflächen wegschnappen? Fragen über Fragen.
Einig zu sein scheint man sich, dass etwas passieren muss. Die Stadt, ganz in der Manier eines schmierlappigen Gebrauchtwagenhändlers, vertickt eigentlich schon seit der Erfindung des Anwohnerparkausweises mehr von den Dingern als Parkplätze da sind. Kann man machen. Aber so kommt es dann zu dem Problem, dass Anwohner keinen Parkplatz finden und nochmals extra für ein Ticket löhnen müssen. Das sei ungerecht, erschallt es aus dem Rathaus. Losgelöst von kindischen Denkmustern wie „Ursache und Wirkung“ wird jetzt das Problem gelöst. Auf eine Art und Weise, die wohl mehr Geld in die Stadtkasse spülen wird als die vorherige. Für Innenstadtbewohner erhöht sich der Preis von 25 auf 300 Euro. Es muss also nur einer von zwölf Anwohnerparkausweis-Inhabern ein neues Jahresticket kaufen und zack steht die schwarze Null.
Nachvollziehbar mit Knoten in den Hirnwindungen
Jetzt lautet das Argument, dass mehr Parkplätze für alle – auch für Anwohner – zur Verfügung stehen als bisher. Gerade wenn die Geschäfte geschlossen haben, also keine Leute anlocken, sollten Anwohner Plätze finden. Zudem wird es eh in der Innenstadt leerer werden, wenn man den Wortmeldungen diverser Zeitgenossen im Netz glaubt. Viele Menschen kündigen an, beispielsweise wegen der Freigabe der Königstraße für Radfahrer in die Gegenrichtung, nicht mehr in Landau einzukaufen. Weil Hartmann Dinge verändert, sollen Leute wie Anna Köhr, Evelyn Sturm oder Steffen Jost kein Geld mehr kriegen, sondern Amazon-Chef Jeff Bezos. Machen Sie sich ein paar Knoten in die Hirnwindungen, dann finden Sie das bestimmt auch logisch. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie überdreht die ganze Debatte geführt wird.
„Jedzd isch awwer änner froi!“
Richtig, jetzt sind wir bei der SPD gelandet. Fundamentalopposition ist nichts Verkehrtes – in vielen Situationen kann sie nützlich sein. Aber hier geht es nicht um die Frage, ob Landauer Soldaten in Bornheim einmarschieren sollten, um den Hornbach-Hauptsitz zwangseinzugemeinden, sondern um Parken. Die SPD sitzt am Anfang des Wegs einer Idee durch die Gremien mit am Tisch: in der hochexklusiven Stadtvorstandsrunde. Bereits da könnte man Verbesserungsvorschläge einspeisen oder auf Probleme hinweisen. Vorschläge bleiben sie schuldig, so ist das Verhalten rein destruktiv. Die altehrwürdige Sozialdemokratie und „destruktiv“ sollten nicht zusammen in einem Satz genannt werden müssen. Die Sozialdemokraten sagen ja selbst, es müsse sich was ändern. Präsentiert ein Konzept, zeigt den Leuten, dass Ihr eine Alternative anbieten könnt und eine seid.
Umstritten ist auch, ob das neue Parken zu mehr oder zu weniger Verkehr führen wird. Die Verwaltung glaubt, dass die Leute tendenziell direkt zum Alten Messplatz fahren werden. Weniger Verkehr also. Ein schöner Gedanke, der auf Planzeichnungen sicher funktioniert. Aber wir alle kennen doch Menschen, die lieber 30-mal durch die Königsstraße fahren weil „jedzd awwer änner froi soi muss“, statt sich dem strapaziösen Marsch von Messplatz zu Fußgängerzone auszusetzen. Es wird spannend, zu beobachten, was passieren wird. Und mal ehrlich: Es ist wirklich schlimm, wenn man zehn Meter weiter laufen muss?