Landau
Englischer Garten: Wohnungen werden geräumt
Es ist wohl eines der bekanntesten, aber auch berüchtigsten Gebäude in Landau: der Englische Garten in der Reiterstraße. Vielen ist das Haus nicht nur wegen der imposanten Erscheinung bekannt, sondern auch wegen der dortigen Gastronomie. Früher gab es dort eine ganze Weile das Lemon, mittlerweile ist das die Adresse vom Kyo Sushi & Grill, das auch die recht große Terrasse bespielt, an der ja auch der mittlerweile wieder freigelegte Abgang zum legendären Club Mash liegt. Doch das Gebäude hat auch einen nicht ganz so guten Ruf – was aber nicht an den Gastronomen liegt.
Als es im Oktober 2023 Ärger wegen Schädlingen in der südlichen Innenstadt gab, war das Gebäude einer der Orte, an denen Ratten gesehen wurden – vor allem in dem schuppenartigen Anbau im Hinterhof. Auch über einige Bewohner gibt es Gerüchte: Im Umfeld des Gebäudes ist oft vom „Junkie-Haus“ die Rede. Eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung, die auf manche Bewohner der oberen Stockwerke anspielt. Doch das wird sich ändern.
„Im Ernstfall tödliche Falle“
Denn: Die Landauer Stadtverwaltung hat auf Anfrage der RHEINPFALZ angekündigt, die genutzten Wohnungen in den Obergeschossen des Gebäudes zu räumen. Ausdrücklich nicht betroffen ist das Kyo im Erdgeschoss. Denn geräumt wird nicht wegen hygienischer Missstände oder anderer Probleme, sondern wegen des Brandschutzes in den oberen Stockwerken.
Im Gebäude fehlen sichere Fluchtwege, erklärt Stadtsprecherin Franziska Ritter auf Nachfrage. Der erste Rettungsweg, also Flure und Treppenhäuser, sei zugestellt und vermüllt. „Das ist eine echte Gefahr, weil das alles im Brandfall als zusätzliche Brandlast wirkt. Auch die Wände und Decken sind nicht so gebaut, dass sie einem Feuer standhalten würden. Das bedeutet: Im Ernstfall könnten sie zur tödlichen Falle für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Rettungskräfte werden.“
Zweiter Fluchtweg fehlt
Dort seien mittlerweile zwar Rauchmelder und Schilder angebracht, sagt Ritter, „aber das löst das grundlegende Problem nicht. Denn wenn ein Brand ausbricht, aber die Flucht nicht gelingt und die Feuerwehr keinen Zugang hat, bringt auch das beste Schild nichts“. Einen zweiten Fluchtweg gebe es nicht.
Das habe die Stadtverwaltung moniert. Die Eigentümer hätten bislang trotz intensiver Gespräche und klarer Aufforderungen zur Mängelbeseitigung, die von einem Brandschutzsachverständigen bestätigt werden sollen, nicht geliefert.
Einige Bewohner bereits ausgezogen
Trotz intensiver Gespräche mit den Eigentümerinnen und Eigentümern sowie einer klaren Aufforderung zur Mängelbeseitigung und der Bestätigung durch einen Brandschutzsachverständigen haben die Eigentümer bislang keine Lösung geliefert, die die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleistet. Eben deshalb hat die Stadt die Räumung der Wohnungen in den Obergeschossen veranlasst, teilt die Behörde weiter mit. In den Wohnungen sollen noch weniger als zehn Bewohner leben.
Die Bewohner seien aufgefordert worden, ihre Wohnungen aus Sicherheitsgründen zu verlassen – und dies hätten einige auch bereits getan, habe der Gebäudeeigentümer versichert, berichtet Ritter weiter. Die Wohnungstüren werden nach der Räumung von der Stadt versiegelt, um eine „unzulässige Nutzung der Wohnungen auszuschließen“. Das gelte so lange, bis die Vorgaben des Brandschutzes eingehalten werden.
Sollten wegen der Räumung Menschen obdachlos werden, habe die Stadt bereits eine vorübergehende Unterbringung organisiert, versichert Ritter. Das kommt ein wenig zur Unzeit, denn in der jüngsten Sitzung des Stadtrates hatte die Verwaltung darauf verwiesen, dass die Unterkunft im Prießnitzweg derzeit deutlich gefüllter sei als üblich. Die Stadt sei aber verpflichtet, im Sinne des Schutzes der Mieter zu handeln, betont Stadtsprecherin Ritter weiter, „insbesondere dürfen Menschen, die in dem Gebäude wohnen, im Falle eines Brandes nicht vermeidbarer Gefährdungen ausgesetzt sein“.