Landau
Endspurt beim Kaufhof-Ausverkauf
Endspiel – die letzte Runde des Schlussverkaufs hat begonnen. Knallige Schilder an Regalen und auf Ständern verkünden großzügige Rabatte: „50 Prozent“, „60 Prozent“, „70 Prozent“. Doch viel gibt es nicht mehr: Leere Verkaufsflächen bestimmen das Bild im Warenhaus. Das Untergeschoss ist bereits geräumt. Deshalb ist in zwölf Tagen Schluss. Die Filiale Landau der Galeria Karstadt Kaufhof schließt am Abend des Samstags, 17. Oktober, für immer ihre Türen. Das haben Geschäftsführer Amit Mahato und Betriebsratsvorsitzende Olga Komlew bekanntgegeben. Stichtag wäre eigentlich der 31. Oktober gewesen.
„Das tut wirklich weh. Viele meiner Kolleginnen haben Jahrzehnte hier gearbeitet“, bemerkt eine Verkäuferin. Sie sortiert fein-säuberlich Strümpfe ins Regal, unterhält sich dabei mit einer Kundin. Es ist viel los im Haus. An der Kasse stehen Schnäppchenjäger Schlange. Einigen geht es nicht schnell genug, andere versuchen, die Preise noch weiter zu drücken. „Können Sie da nicht noch was machen?“, fragt ein Mann mit Brille die Kassiererin. Freundlich schüttelt sie den Kopf.
Die Mitarbeiter geben alles
Während er dennoch weiter feilscht, bekommt ein Knirps hinter ihm leuchtende Augen. Er hat den Berg Teddybären entdeckt: knuffige, kuschlige Gesellen, die im Kassenbereich darauf warten, doch noch mit jemandem nach Hause gehen zu dürfen. Schließlich stellt sich auch die schwarzhaarige Frau in die Reihe, die zuvor lange zwischen zwei Schultaschen geschwankt hat. „Ist dieser Ranzen nicht viel schwerer?“, hatte sie eine Verkäuferin gefragt. Diese erklärte ihr daraufhin ausgiebig Vor- und Nachteile beider Modelle.
Beim Rundgang durchs Haus fällt vor allem eines auf: Bis zuletzt geben die Männer und Frauen vom Kaufhof alles. In der halb leeren Kleiderabteilung im Obergeschoss sind nicht mehr benötigte Ständer und Regale ordentlich an die Wand gerückt. Dekorativ aufgestellte Bilder und Vasen machen zuweilen glauben, es handele sich um eine Möbelabteilung.
Gleichzeitig weisen Schmutzstreifen auf dem Boden auf das Ende dieser Ära hin: Spuren aus 56 Jahren Kaufhof-Geschichte, die durch die Räumung sichtbar geworden sind. Hier oben gibt’s noch Trachtenmode und jede Menge Jeans. Eine junge Mutter schaut sich die letzten Ballkleider an, ihr Baby im Kinderwagen quengelt. Dazu mischt sich Musik aus den Lautsprechern. Dieselbe Etage, weiter hinten: Schön drapiert liegen einsame Herrenfliegen auf einem Tisch. Sie wirken wie Farbtupfer in dem sonst weißen Raum, dessen heller Boden das Deckenlicht grell zurückwirft.
Das Lager ist leergeräumt
„Wir haben leider nur noch die Größen, die am Ständer hängen“, teilt eine Mitarbeiterin mit. „Schade“, entgegnet ihr die Frau gegenüber. Auf ihrem Arm trägt sie bereits einen Stapel Kleidung. Unterdessen wühlen zwei Seniorinnen in einem Grabbeltisch mit Damenwäsche. Werden aber nicht fündig und nehmen schließlich die Rolltreppe nach unten. Diese surrt, läuft und läuft. Bei der Kaufhof-Eröffnung 1964 war sie eine der Attraktionen. Davor hatte es diese Technik in Landau noch nicht gegeben.
Mit einem großen Schritt verlässt ein junger Mann im Erdgeschoss die Fahrtreppe. Er läuft in Richtung Buchabteilung. Doch wo früher Bestseller angeboten wurden, steht jetzt Kinderspielzeug. Hauptsächlich für Mädchen. Spielfiguren aus Plastik, Feen und Meerjungfrauen. Alles minus 50 Prozent. Doch das interessiert den Mann nicht. Er geht zu einem der wenigen Tische mit Büchern – Mängelexemplare, die bereits ab 50 Cent zu haben sind.
Weingläser stehen zwischen Handtaschen
Hier fallen Weihnachten und Ostern zusammen. Christbaumkugeln stehen neben Porzellan-Osterhasen. Und Lametta hängt bei den Eierfarben. Einen Ständer weiter gibt es Matrosenkostüme zu kaufen, und auf der anderen Seite lächelt Heinz Rühmann. Sein Konterfei ziert eine Kartonage, in die eine Bowle-Schüssel verpackt ist. Auf einmal breitet sich ein süßlich-blumiger Duft im Raum aus. Dezent und unaufdringlich. „Das nehme ich“, sagt eine junge Frau mit Pferdeschwanz. Sie legt einen Flakon in ihren Korb. Viel ist von der Parfümerieabteilung, in der sie steht, nicht mehr übrig. Hier und da stehen noch vereinzelt Fläschchen und Creme-Tuben. Leer sind auch die Vitrinen in der Schmuckabteilung gegenüber. Und zwischen Damenhandtaschen und Herrenschuhen füllen Weingläser die frei gewordenen Plätze.
Im Erdgeschoss wird zusammengetragen, was aus den einst unterschiedlichen Abteilungen noch zu haben ist. Im Keller indes gibt es nichts mehr zu holen. Alles ist weg. Sogar die meisten Regale sind schon weggeräumt. Außer zwei quietsch-bunten Kronleuchtern, die von der Decke hängen, erinnert nichts mehr an die einst belebte Spielzeugabteilung. Während sich oben die Kunden tummeln, ist es unten ganz still. Lediglich ein Mitarbeiter ist da, um nach dem Rechten zu sehen. Der Blick in den leeren Raum ist wie ein Blick in die Zukunft: In nur wenigen Tagen wird es im ganzen Haus so aussehen. Im Frühjahr wird der Kaufhof abgerissen.