Landau Einfädelspuren auf B272: „Verkehr muss fließen, nicht stottern“

Das sind die holländischen Rampen bei Lustadt. Auf der einen Seite kann gefahrlos von der Bundesstraße 272 auf die darunter hind
Das sind die holländischen Rampen bei Lustadt. Auf der einen Seite kann gefahrlos von der Bundesstraße 272 auf die darunter hindurchführende Landstraße abgefahren werden. Und auf der gegenüberliegenden Seite wird gefahrlos auf die Bundesstraße über einen Beschleunigungsstreifen aufgefahren.

Der Landauer Stadtrat hat provisorische Einfädelspuren auf die B 272 bei Dammheim und Bornheim abgelehnt. Dafür gab es eine große Mehrheit. Aber es gibt auch gute Gründe dafür, die Einmündung schnell zu verbessern. Die Redaktion hat das Thema intensiv diskutiert. Sie ist uneins geblieben.

Pro: Straße schon jetzt eine Zumutung

Ganz oder gar nicht. Bei der derzeit heiß diskutierten Anbindungssituation des Landauer Stadtdorfes Dammheim an die B 272 trifft diese Redensart zu. Die Forderung des Ortsbeirates, die der Stadtrat mehrheitlich mitträgt, auf Einfädelspuren zu verzichten und auf die Holländische-Rampen-Lösung zu setzen, die frühestens ab 2028 kommen soll, ist nachvollziehbar. Denn die „Billigvariante“ Einfädelung wird kein vorübergehendes Provisorium sein, sondern ein festgeteerter Dauerzustand werden. Das ist keine Lösung für diese Bundesstraße. Funktionieren würde das vielleicht wie bei Hochstadt, wo eine Ampelanlage die Einfädel-/Abbiegespur regelt. Aber mal ehrlich: Noch eine Ampel bei Dammheim? Die Straße ist jetzt schon fahrtechnisch eine Zumutung. Das brächte nur weiteren Stillstand.

Verkehr muss organisiert und gelenkt werden

In Landau brummt’s. Boom-Town, Zuzugsgebiet, hippe, junge Stadt. Der öffentliche Personennahverkehr auf der einzigen, immer bedeutender werdenden Ost-West-Verbindung zwischen Rheinschiene und dem Herzen der Südpfalz existiert nicht. Dazu: Immer mehr Betriebe siedeln sich hier an. Arbeitsplätze entstehen. Die Unternehmen brauchen Material zur Produktion, der Schwerverkehr nimmt folglich zu. Genauso müssen die Mitarbeiter einpendeln. Es wird Verkehr generiert. Das ist die Realität. Aber der muss ordentlich organisiert und gelenkt, nicht provisorisch permanent irgendwie nahe an der Infarktgrenze geschleust werden. Verkehr muss fließen, nicht stehen oder stottern. Das geht nur auf gut ausgebauten, sicheren Verkehrswegen. Die Rampen sind eine gute, weil sichere Lösung. Die Dammheimer tun gut daran, sich der kleinen Lösung zu verweigern, die am Ende nur noch mehr Probleme bereiten wird. Und das erzeugt Druck bei den Straßenbauern und beim Land, vielleicht doch vor 2028 loszulegen. Den Bestrebungen der benachbarten Bornheimer, die sich für die Einfädelvariante stark machen, sei ein Beispiel vor Augen geführt: die B 10. Dort gibt es so eine Einfädelspur bei Birkweiler, um in das Dorf abzufahren. Angenehm ist etwas anderes, wenn sich im Gegenverkehr ein Lastwagen an den anderen reiht und zwischendrin eine Lücke gefunden werden muss. (Robert Wilhelm)

Contra: Ganz und gar unverantwortlich

„Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“. Und „gar nichts tun ist die schlechteste aller Möglichkeiten.“ Da haben Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) und Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD) recht. Es war ein Fehler der Landauer Politik, der provisorischen Verbesserung der B-272-Einmündung bei Dammheim und Bornheim zu widersprechen. Das Risiko, dass das Provisorium zum Dauerzustand geworden wäre, ist nicht von der Hand zu weisen. Das Beispiel Birkweiler, wo es das „gesicherte Linksabbiegen“ nun auch schon lange gibt, ist aber nicht übertragbar. Immerhin steht dort der (umstrittene) vierspurige Ausbau ja noch bevor. Insofern ist es nachvollziehbar, dass dort jetzt in keine bessere Lösung investiert wird. Zurück zu Dammheim: Was ist, wenn es dort zu einem schweren Unfall kommt? Dann müssen sich alle Verweigerer vorhalten lassen, Verletzungen oder Todesfälle in Kauf genommen zu haben, weil sie zu lange auf einer Ideallösung bestanden haben, die aus gut nachvollziehbaren Gründen keinesfalls vor 2028 gebaut werden kann. Wenn dann noch ein Landwirt wegen Landverlusten klagt, kann’s auch noch sehr viel länger dauern.

Bornheimer Autofahrer sollen Suppe auslöffeln

Wenn es aber jetzt schon vor allem im Berufsverkehr immer wieder zu kritischen Situationen an der Einmündung kommt, ist es ganz und gar unverantwortlich, eine vielleicht nicht ideale Zwischenlösung zu blockieren. Dies gilt umso mehr, als die Landauer, respektive Dammheimer, ja nicht allein auf dieser Welt unterwegs sind. Auch Bornheim hängt an dieser Einmündung. Bornheimer Autofahrer sollen nun die Suppe mit auslöffeln, die ihnen die Nachbarn eingebrockt haben – obwohl der Landkreis eine ganz andere Auffassung vertreten hat. Das kann ja wohl nicht sein. Der Landauer Rat hat seine Sperrminorität ausgenützt, die ihm das vereinfachte Genehmigungsverfahren eingeräumt hat, das eine Zustimmung aller Beteiligten voraussetzt. 20 Stadtratsmitglieder haben ihre Macht missbraucht, weil sie aus falscher Rücksichtnahme auf das berechtigte Signal des Dammheimer Ortsbeirats oder wegen genereller Ablehnung von Straßenbauten Nein gesagt haben. Das ist Kirchturmpolitik der schlimmsten Art. (Sebastian Böckmann)

R. Wilhelm
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S. Böckmann
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