Landau Eine haarige Aktion
Der Saal im Haus der Familie wird vielfältig genutzt. Darin werden unter anderem Gottesdienste gehalten, Feste gefeiert und Konzerte gegeben. Nun wurde der große Raum des protestantischen Gemeindehauses erstmals in eine Frisierstube verwandelt. Auf einem langen Tisch sind unter anderem Scheren, Kämme, Bürsten, Sprühflaschen und Haarklammern zu sehen. Das Equipment hat das Landauer Friseur-Team Breiner mit nach Bad Bergzabern gebracht, um einen Tag lang Bedürftigen kostenfrei einen neuen Haarschnitt zu verpassen. An vier Plätzen sind die Friseure am Werk, unter ihnen Barbara Hoeltzel. Sie hatte die Idee, solch einen Aktionstag zu veranstalten. „Wir wollen Menschen, die sich den Gang zum Friseur nicht einfach so leisten können, eine Freude machen. Das ist unsere Motivation“, berichtet sie. Es gebe genügend Menschen, die am Ende des Monats kein Geld mehr im Portemonnaie hätten, um sich die Haare schneiden und färben zu lassen. Wenn man bedenke, dass ein einfacher Haarschnitt mal schnell 15 Euro koste – exklusive Waschen, Styling oder den Einsatz von Pflegeprodukten. Geld, das Hartz-IV- und Sozialhilfeempfänger gut für andere Dinge gebrauchen können. Das weiß beispielsweise Waltraud Weiße zu berichten, die gerade vor dem Spiegel sitzt und die Haare kurz geschnitten bekommt. „Mir bleiben im Monat 400 Euro, um damit unter anderem die Telefon- und Stromkosten zu bezahlen und die Einkäufe zu erledigen. Da bleibt am Ende des Monats nicht viel übrig, um noch zum Friseur zu gehen“, erzählt sie. Auch Erwin Trumpp ist einer der Glücklichen, denen am Aktionstag zu einem neuen Aussehen verholfen wird. Der 61-Jährige hat auf dem Friseurstuhl von Alexander Morell Platz genommen und lässt seine Haare wieder in Form bringen. „Ich finde die Aktion klasse. Da hat man uns eine große Freude bereitet“, sagt der frühere Kraftfahrer mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Die Idee, solch einen Aktionstag anzubieten, ist nicht neu. Hoeltzel erzählt: „Ich hatte von solch einem Angebot für Bedürftige schon mal gehört und gelesen.“ So gibt es beispielsweise die „Barber Angels Brotherhood“ - ein Friseur-Club, der in regelmäßigen Abständen bundesweit Obdachlosen und Bedürftigen die Haare schneidet und die Bärte stutzt. „Wieso sollen nicht auch wir so etwas für Männer und Frauen bei uns anbieten, fragte ich mich“, erklärt sie. Ihre Freundin Helga Schreieck, die Leiterin des Hauses der Familie, der sie von der Idee berichtete, war ebenso begeistert, sodass das Ganze in die Tat umgesetzt wurde. „Das ist schon bemerkenswert, dass das Friseur-Team seinen freien Tag opfert, um anderen zu helfen“, sagt Schreieck. Dieser Aktionstag sei ein weiterer Baustein der sozialen Arbeit, die in der Einrichtung seit 2009 geleistet wird. Der Andrang ist groß, in der Friseurstube herrscht eine lockere, angenehme Atmosphäre. 25 Männer und Frauen haben sich für den Aktionstag angemeldet, um sich vom Landauer Friseur-Team stylen zu lassen. Mit der Resonanz ist Schreieck mehr als zufrieden. „Mich freut es sehr für die Menschen, die in den Genuss solch eines Angebots kommen. Für sie macht ein Haarschnitt schon ganz viel aus. Sie bekommen dadurch ein neues Selbstvertrauen.“ Die Aktion soll im Übrigen keine einmalige Sache bleiben, sondern könnte möglichst nach den Sommerferien wiederholt werden, informiert Schreieck. „Es haben sich auch schon Friseure aus Bad Bergzabern bereiterklärt, mitzumachen. Das ist wirklich toll.“ Waltraud Weiße ist gar so angetan von der Hilfsbereitschaft und der Freundlichkeit des Friseur-Teams, dass sie das nächste Mal gerne in den Landauer-Salon vorbeischauen mag. So schwer es auch sein möge: „Da lege ich mir gerne das Geld beiseite, um mir solch einen Luxus leisten zu können.“