Landau Edenkoben: Bei Tenneco droht Abbau von 250 Arbeitsplätzen
Beim Automobilzulieferer Tenneco in Edenkoben haben die Verhandlungen über den drohenden Personalabbau begonnen. Ergebnisse gibt es noch nicht. Anfang Juni hatte das US-amerikanische Unternehmen angekündigt, 250 von rund 1700 Arbeitsplätzen am Standort sozialverträglich abbauen zu wollen.
Nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Bernhard Cuidon hat die Arbeitnehmerseite ein Gremium gebildet, das mit der Geschäftsleitung über den drohenden Personalabbau verhandeln soll. Darin seien die Christliche Gewerkschaft, die die Mehrheit stellt, und die IG Metall vertreten. Nach Cuidons Angaben wird der Personalabbau vor allem Leiharbeiter des Unternehmens treffen. Eine Betriebsvereinbarung verhindere betriebsbedingte Kündigungen, solange es Leiharbeiter gebe. Cuidon bedauert diese Härte für die Gruppe der nicht fest angestellten Beschäftigten. Nach seinen Angaben arbeiten diese nicht in der Produktion, sondern vor allem in Hilfsbetrieben wie der Logistik, der Schlosserei oder der Elektrowerkstatt. Cuidon geht nach wie vor davon aus, dass „nicht so heiß gegessen wie gekocht wird“. Wie berichtet (Ausgabe vom 8. Juni) hat das Unternehmen den Personalabbau mit einem geringeren Produktionsvolumen und einer sich verschlechternden Kostensituation begründet. Die IG Metall in Neustadt hat das Vorgehen des Unternehmens als skandalös bezeichnet. Die bisher dem Betriebsrat und der Belegschaft vorgelegten Fakten seien nicht schlüssig und somit ungeeignet, 250 Entlassungen zu begründen.
IG Metall fragt nach Konzernstrategie
Die Gewerkschaft hat auf einem Flugblatt die Frage aufgeworfen, ob nicht etwas Anderes hinter den Unternehmensplänen stecke: die Übernahme von Federal Mogul. Im April war bekanntgeworden, dass Tenneco seinen bisherigen Konkurrenten Federal Mogul mit rund 1900 Mitarbeitern und für 5,4 Milliarden US-Dollar übernehmen und dann zwei Unternehmen mit den Geschäftsbereichen Schalldämpfer und Fahrwerke sowie Antriebstechnik bilden will. Dies soll im zweiten Halbjahr 2018 abgeschlossen sein. Beides sind US-Unternehmen mit zahlreichen Standorten in Deutschland. Daher fragt die IG Metall nach der Strategie des Konzerns bei Produkten, Technologien und der Integration von Federal Mogul. Nur durch Personalabbau billiger zu werden, sei nicht akzeptabel. Die Perspektive müsse sein, bessere Prozesse, Arbeitsbedingungen und ein positiveres Betriebsklima durchzusetzen. Dazu solle die Technologie-Beratungsstelle Rheinland-Pfalz mit an den Verhandlungstisch geholt werden, weil sie über die Kompetenzen zur Prüfung der angekündigten Maßnahmen und zur Entwicklung von alternativen Lösungen anstelle von Entlassungen verfüge.
IG Metall: Kurzarbeit und Altersteilzeit als Optionen
Die IG Metall schlägt notfalls Kurzarbeit und mehr Altersteilzeitverträge vor. Notfalls müsse eine Transfergesellschaft gebildet werden, die Arbeitnehmer in neue Beschäftigungsverhältnisse vermittelt. Indirekt ruft die IG Metall auch zu Streiks auf: Sie fordert ein konsequentes Eintreten aller Mitarbeiter und Arbeitnehmervertreter für eine Zukunft mit positiven Perspektiven in Edenkoben. Was nicht in Gesprächen mit guten Argumenten geklärt werden könne, brauche „alternative Handlungskonzepte. Ohne Aktionen der Belegschaft erfolgt oft keine befriedigende Reaktion der Arbeitgeberseite.“ Tenneco wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema Federal Mogul äußern. Das Unternehmen verwies lediglich auf seine Pressemitteilung von Anfang Juni, wo die Gründe für den Personalabbau vergleichsweise vage formuliert worden waren. Es kündigte an, nach Abschluss der Verhandlungen die Öffentlichkeit zu informieren.