Immobilienreport
Durch Zwangsversteigerung zum Traumhaus in der Südpfalz?
Es ist ruhig im Annweilerer Hohenstaufensaal. Etwa 30 Personen sitzen in Stuhlreihen, coronabedingt mit großen Abständen zueinander. Hauptsächlich Frauen und Männer mittleren Alters. Sie warten darauf, dass die Bieterrunde beginnt. Für ein Haus in Steinfeld wird ein neuer Eigentümer gesucht. Der Höchstbietende kann den Umzug vorbereiten. Das ist das Ziel solch einer Zwangsversteigerung.
Julia Rink und ihr Partner sind gespannt. Das Paar lebt in einer Wohnung in Wörth und ist seit drei Jahren auf der Suche nach einem Haus. „Wir haben leider noch nichts Passendes gefunden.“ Am liebsten würden die beiden bauen. „Aber wenn das Grundstück 200.000 Euro kostet, was gerne verlangt wird, möchten wir uns mit diesem Gedanken nicht weiter beschäftigen.“ Obwohl das Paar so einige Arbeiten in Eigenleistung erledigen und Kosten sparen könnte. Unter anderem Maurer, Heizungsbauer und Elektriker sind in der Familie und im Bekanntenkreis. Sie könnten mit anpacken, berichtet die 29-Jährige. Doch angesichts der aktuellen Baupreise sei der Traum vom eigenen Haus immer noch eine teure Angelegenheit.
Wann es zu einer Zwangsversteigerung kommt
Es ist die erste Zwangsversteigerung, die die Wörther erleben. Alle Objekte – sei es Ein- oder Zweifamilienhäuser, Gewerbeobjekte, Garagen oder Bauplätze – in der Südpfalz kommen in Annweiler unter den Hammer, sollte es von Amts wegen zum Eigentümerwechsel kommen. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben. Scheidungen gehören zu den klassischen Fällen.
Der Rechtspfleger kann auch dann ins Spiel kommen, wenn die Eigentümer der Immobilie von einer Insolvenz bedroht sind und ihr Haus verlassen müssen, um ihre Schulden zu bezahlen. Gerade dann kommt es vor, dass sie den Gutachter nicht ins Haus lassen, der den Wert der Immobilie bestimmen soll. Geschweige denn Kaufinteressierte, die sich einen Eindruck vom Zustand verschaffen möchten. Julia Rink und ihr Freund waren sogar über Umwege an die Rufnummer des Eigentümers gekommen, dessen Haus im Hohenstaufensaal versteigert wird. Doch er winkte ab: Nein, eine Besichtigung war nicht drin.
„Keine Versteigerung ohne Training“
Wer nicht die Katze im Sack kaufen möchte, sollte nichts unversucht lassen. Das sagt Wolfgang Keiper, der sich vor zwei Jahren mit einer Immobilienagentur selbstständig gemacht hat. Wenn gewünscht, übernimmt er das Ganze. Der Herxheimer bietet Kunden nämlich an, sie bei einer Zwangsversteigerung zu unterstützen und sie fit für den Termin zu machen. Denn so einfach funktioniere es nicht: einmal in den Hohenstaufensaal, mitbieten und zum Hauseigentümer werden. Schon vorab müssen einem die Bedingungen bewusst sein, die erfüllt sein müssen, um bei der Zwangsversteigerung mitmischen zu können.
So müssen Interessierte zehn Prozent des Verkehrswertes als Sicherheitsleistung nachweisen. Beispielsweise durch den Verrechnungsscheck eines Kreditinstituts oder einen ausgestellten Bundesbankscheck. Diesen Scheck ausstellen zu lassen, habe Überwindungskraft gekostet, berichtet Rink. In ihrem Fall hatte das kleinformatige Papier einen Wert von 38.500 Euro. „Da habe ich mir schon Sorgen gemacht, was droht, wenn ich es verlieren sollte.“ Denn schlimmstenfalls wäre sie um diesen Betrag ärmer.
Mehr Bietinteressenten als zuvor
In Zeiten, in denen Hausangebote rar und überteuert sind, bieten Zwangsversteigerungen eine zusätzliche Chance, ein Traumhaus zu finden und sogar etwas Geld zu sparen. Das hat sich herumgesprochen. Wie das Amtsgericht auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt, hat die Anzahl an Bietinteressenten zugenommen.
Das Angebot ist bunt gemischt: Versteigert wurden in der Region Objekte, die 50 Jahre oder älter sind, aber auch neuwertige Einfamilienhäuser, renovierte Objekte und Bauplätze. Wer sich vorab einen Eindruck von den Angeboten verschaffen möchte, dem bleibt der Gang zum Gericht am Landauer Marienring nicht erspart. „Im Gegensatz zu anderen Amtsgerichten in der Pfalz werden die Gutachten nicht online veröffentlicht, sondern nur in Papierform“, weiß Keiper aus Erfahrung. Allerdings: Die Dokumente können mithilfe des Smartphones abfotografiert werden.
Auch Belastungen werden mit „geerbt“
Der Herxheimer Makler sagt: „Es ist auch von Vorteil, zu wissen, wie Besucher bei einer Zwangsversteigerung agieren, um an das Haus zu kommen. Manche verfolgen dabei bestimmte Taktiken.“ Innerhalb der halben oder ganzen Stunde, die eine Auktion längstens geht, kann das Haus ein Vielfaches teurer werden. Abgesehen von den Belastungen, die berücksichtigt werden sollen, weil man sie quasi mitersteigert.
Das Wörther Paar möchte abwartend agieren. Mehr als den Verkehrswert in Höhe von knapp 400.000 Euro ist ihm das Haus nicht wert. Auch wenn die Lage die beiden anspricht. Denn Steinfeld und benachbarte Orte wie Kapsweyer befinden sich in dem Bereich, wo sich Rink und ihr Partner niederlassen möchten. Ihre Hoffnungen werden aber gleich beim ersten Gebot gedämpft, weil jemand sehr hoch einsteigt und 200.000 Euro bietet. Am Ende geht das Haus für eine knappe halbe Million weg.
Die Zwangsversteigerung war eine spannende Erfahrung, erzählt Rink. Ihre Suche nach dem passenden Zuhause geht weiter. Dabei wird das Paar auch Zwangsversteigerungen weiter im Blick behalten.
Der Report
Der Immobilienmarkt in der Südpfalz ist heiß umkämpft. Grundstücke, Häuser und Wohnungen sind begehrt, die Preise hoch. Auch günstiger Wohnraum ist knapp. Der RHEINPFALZ-Report beleuchtet in unregelmäßiger Folge verschiedene Aspekte dieser Entwicklung. Auf der Homepage rheinpfalz.de/landau finden Sie alle bereits erschienenen Berichte. Analysen und Hintergründe zum Pfälzer Immobilienmarkt finden sich online unter www.rheinpfalz.de/immobilien.