Landau Dunkel, kalt und eng

Enge pur: Schlaf- und Aufenthaltsraum in einem – und das für neun Mann.
Enge pur: Schlaf- und Aufenthaltsraum in einem – und das für neun Mann.

«Bad Bergzabern.» Wer an heißen Sommertagen Abkühlung sucht, findet in den Bunkeranlagen des Westwallmuseums in Bad Bergzabern eine ungewöhnliche Alternative zu Schwimmbad oder Wald. Hinter den dicken Betonmauern, die Hitler für seinen Expansionskrieg im Osten als Schutzwall gegen Angriffe aus dem Westen bauen ließ, um „den Rücken frei zu haben“, kommt kein Sonnenstrahl durch. Unangenehm oder gar beklemmend ist ein Abstecher zu diesem Relikt des unrühmlichsten Kapitels der deutschen Geschichte heutzutage aber nicht. Sofern man sich gegen die konstante Temperatur von etwa zehn Grad mit einer Jacke bewaffnet hat. Das Westwallmuseum, das von einem ehrenamtlichen Team unter der Federführung von Hans Martin Galle betrieben wird, präsentiert sich besuchertauglich für alle Alters- und Interessengruppen vom Schulkind bis zum Seniorenstammtisch. Treppen muss man aber schon überwinden, wenn man vom Außengelände mit seinem Sechsschartenturm und weiteren kriegsrelevanten Einrichtungen hinab in den Mannschaftsraum der Soldaten und damit in das Herzstück dieser denkmalgeschützten Anlage gelangen will. Zu finden ist er in Bunker zwei der insgesamt drei Bunkerräume, von denen aktuell aber nur zwei begehbar sind. „Es handelt sich um die letzten noch erhaltenen Artilleriebunker des Westwalls in der Südpfalz überhaupt“, erklärt Galle, dem es wichtig ist, dass der Schwerpunkt dieses Museums nicht auf wehrtechnischen Details, sondern dem Verständnis dessen liegt, was der Westwall den Soldaten, aber auch der Bevölkerung in den umliegenden Dörfern abverlangte. Mit großem Elan, fundiertem Sachverstand und unkomplizierter Souveränität führt Galle durch die Bunkerräume, stets darum bemüht, die Auswirkungen des Hitlerschen Größenwahns in der Gegenwart begreifbar zu machen. Der Raum, der mit seinem Schummerlicht, dem Bollerofen, den fünf Holzklappstühlen und der „Westmark“-Zeitung auf dem massiven Holztisch auf den ersten Blick fast wie ein gemütliches Stübchen aussieht, ist der authentisch rekonstruierte Mannschaftsraum. „Heutzutage denkt man vielleicht an Candlelight-Dinner“, frotzelt Galle, aber damals war das die düstere, feuchte, enge Tag- und Nacht-Unterkunft für neun Soldaten. So betrachtet wird es schon ein bisschen „klaustrophobischer“, gibt der Museumsleiter zu bedenken und setzt noch eins obendrauf, denn: „Wehe, es gab tags zuvor Bohnen – das führte garantiert zu explosiver Stimmung.“ Latrinen gab es nämlich wegen der Gefahr des Überdrucks im Kanal im Fall eines Granateneinschlags nicht. Stattdessen nutzte man Torf-Toiletten, „heute sagt man Dixi-Klo“. Ein Anschluss an die Wasserversorgung war auch tabu, denn man hatte Angst vor Brunnenvergiftern. So hausten die neun Mann, die auf schmalen Gitterklappbetten schliefen, enorm spartanisch. Neben ihrem Mannschaftsraum befindet sich das ehemalige Munitionslager, indem als besondere Attraktion das militärische Fernmeldematerial gezeigt wird. Oben, und damit ebenerdig, sieht man sich einem originalen 10,5-Zentimeter-Geschütz gegenüber, das im Zweiten Weltkrieg Standard war. Über die Außenanlage geht es in Bunker eins, der vor allem der Dokumentation des Zeitgeschehens mit besonderem Blick auf die Region gewidmet ist. Denn das dramatische Kriegsschicksal der Südpfälzer mit Enteignung, dreimaliger Evakuierung und Dörfern, die bis zu 90 Prozent zerstört wurden, sei heute oft in Vergessenheit geraten, weiß Galle. Und zeigt – wieder am Tageslicht – auf die kürzlich gehisste Europafahne. „Wir wollen mit dem Westwallmuseum einen Beitrag dazu leisten, dass nie vergessen wird, was geschah, damit jeder versteht, wie wichtig es ist, sich für Frieden und Freiheit in Europa und auf der ganzen Welt einzusetzen“, untermauert Galle das Engagement seiner ehrenamtlichen Gruppe, die sich jederzeit über Mitstreiter freut und auch unkonventionelle Ideen für die Zukunft sucht. Angedacht ist beispielsweise, auch den dritten Bunker begehbar zu machen. „Man könnte ihn nutzen für Kunstausstellungen, Vorträge, ja sogar Theatervorstellungen – da bin ich für jeden Unfug offen“, zeigt sich Galle unternehmungslustig. Info Westwallmuseum Bad Bergzabern, Kurfürstenstraße 21, geöffnet jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat sowie an allen Feiertagen von 10 bis 16 Uhr. Außerdem Termine nach Absprache. Kontakt: westwall-museum.bza@web.de; Internet: www.oberotterbachabschnitt.de.

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