Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsch-französische Einheit: Gemeinsam für mehr Sicherheit

Jubiläumsveranstaltung der deutsch-französischen Einsatzeinheit in Bad Bergzabern (von links): Bertrand Loubette, Andreas Persch
Jubiläumsveranstaltung der deutsch-französischen Einsatzeinheit in Bad Bergzabern (von links): Bertrand Loubette, Andreas Persch, Michael Sziele und Michaël Muller.

Gefeiert haben Bundespolizei und Gendarmerie Nationale in der Kurstadt das fünfjährige Bestehen der deutsch-französischen Einsatzeinheit DFEE „Daniel Nivel“.

Rund 250 Vertreter der Bundespolizei aus ganz Deutschland und Vertreter der Gendarmerie Nationale füllten das Haus des Gastes in Bad Bergzabern, um diese besondere grenzüberschreitende Einsatzeinheit zu würdigen. Die Bundespolizei ist mit 653 Einsatzkräften unter der Führung von Polizeidirektor Michael Sziele am Standort Bad Bergzabern vertreten. Die DFEE hatte bereits im vergangenen Jahr ihr fünfjähriges Bestehen, was aber durch die Nachwehen von Corona verschoben werden musste. Sie besteht aus 30 Mitgliedern der Bundespolizei Bad Bergzabern und 30 Mitglieder der Gendarmerie Nationale in Metz und wurde seit 2019 von Michael Sziele und Colonel Philipp Gangloff aufgebaut.

Ganz praktisch fahren immer ein Deutscher und ein Franzose in einem Fahrzeug, oder je nach Einsatz in einer geschlossenen Einheit. „Die Ausbildung ist gemeinsam und identisch, die Einsätze können von Stunden bis Wochen dauern“ so Sziele. Unter anderem seien bisher in 16.000 Einsatzstunden 2000 Fahrzeuge kontrolliert, 300 Straftaten festgestellt und 4500 Personen kontrolliert worden. „Ich habe sehr schnell ja gesagt als ich 2018 gefragt wurde, ob ich die Einheit mit aufbaue. Solche Einheiten schaffen einen konkreten Mehrwert in Europa“, so Sziele.

Unausgesprochene Botschaft

Bisher ist es die einzige dieser Art, weitere sollen folgen. Anschaulich schilderten Polizeihauptkommissar Andreas Persch und Capitaine Bertrand Loubette mit einer Diapräsentation die Entwicklung der Einheit und die vielen Einsätze in Europa. Es gebe tausende von Bildern, privater Natur und aus den gemeinsamen Trainings. Wie das Foto einer Gruppe von Franzosen und Deutschen, die mit verbundenen Augen in einer Reihe gehen und unausgesprochen eine Botschaft aussenden. Sich gegenseitig vertrauen.

Sowohl Andreas Persch als auch Bertrand Loubette sind seit Beginn, als die Innenminister beider Länder die Verwaltungsvereinbarung unterzeichnet haben, dabei. Sie zeigten Einsätze beim G7 Gipfel in Biarritz gleich zu Beginn der Gründung 2019. Bei der Kontrolle eines PKW mit verdächtigen Personen fand sich in der französischen Datenbank nichts, in der deutschen schon, so nur einer der Vorteile. Die Insassen waren in der Vergangenheit bereits gegen deutsche Polizisten vorgegangen. „Sie wurden verurteilt“, so Persch.

Von Jahr zu Jahr mehr Einsätze

Fünf Wochen war die Einheit bei der Europameisterschaft in Leipzig, neun Wochen bei den Paralympics in Paris. „Bei uns hieß es nicht mit dem Taxi nach Paris, sondern mit Blaulicht durch Paris“, so der Polizeihauptkommissar in Anlehnung an die musikalische Untermalung des Nachmittags vom Musikensemble Poliphonic des Bundespolizeiorchesters München, dessen Sängerin „Mit dem Taxi nach Paris“ vorgetragen hatte. Einsatzort war im vergangenen Jahr auch die Normandie wegen der Feierlichkeiten zum D-Day, der Landung der Alliierten und dem Anfang des Endes des Zweiten Weltkrieges.

„Gesteigert haben sich die Einsätze von sechs im Jahr 2019 bis zu 70 bereits in diesem Jahr“, bezifferte der Generalkonsul von Frankreich, Nicolas Bergeret. „Gemeinsam sind wir stärker“, sei die Idee, die auch andere Länder inspiriert habe, solche Einheiten aufzubauen. Eine Botschaft per Video schickte Lena Düpont vom Europäischen Parlament aus Straßburg. „Es funktioniert mit viel Herzblut und Engagement, auch wenn die Umsetzung im Alltag manchmal nicht ganz einfach ist“, so Düpont. Generale Florence Guillaume aus Metz ehrte verdiente Gründungsmitglieder.

Gute Wünsche an Daniel Nivel

Schirmherr der DFEE ist Gendarm Daniel Nivel, dessen Geschichte international für Entsetzen sorgte. Der 1954 Geborene wurde am 21. Juni 1998 in Ausübung seines Dienstes bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Lens in Nordfrankreich von deutschen Hooligans angegriffen. Als er bereits wehrlos am Boden lag, schlugen und traten sie weiter auf ihn ein. An den Folgen dieser brutalen Tat leidet er bis heute. Er ist halbseitig gelähmt, auf einen Rollstuhl angewiesen, auf einem Auge blind und kann nur mühsam sprechen, nichts mehr riechen und schmecken. Er hatte sich 2019 bereit erklärt, die Schirmherrschaft für die deutsch-französische Einsatzeinheit zu übernehmen. Eine Geste, die für sich spricht. Und die auch in der Jubiläumsveranstaltung mit allen guten Wünschen an Daniel Nivel gewürdigt wurde.

Bedauerlicherweise waren zu diesem Anlass mit oft weitgereisten Gästen und dieses für beide Länder einmaligen Ereignisses weder Vertreter der Stadt, der Verbandsgemeinde, des Kreises oder des Bundes anwesend.

Das Abzeichen der Einheit.
Das Abzeichen der Einheit.
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