Landau Detektiv mit kalter Schnauze
Wenn Hausbesitzer Modergeruch feststellen oder plötzlich unerklärliche Krankheitssymptome bei ihnen auftreten, klingelt häufig bei Bettina und Siegfried Schumann in Rohrbach das Telefon. Ihre Schäferhündin Frieda ist dazu ausgebildet, Schimmel aufzuspüren – vor allem dort, wo man ihn nicht sieht. Nun war sie in Herxheim gefragt.
Frieda winselt ungeduldig. Die Schäferhündin will endlich loslegen, doch Bettina Schumann hält sie zurück und legt ihr ein Halsband an. Friedas Aufregung steigert sich. Sie kennt dieses Prozedere und weiß, dass ihr Einsatz in wenigen Sekunden beginnt. Ein Einsatz, dessen Ergebnis von ihren Klienten mit Spannung erwartet wird, denn Frieda ist ausgebildete Schimmelspürhündin, die Häuser und Wohnungen auf Befall mit dem schädlichen Pilz untersucht. Zusammen mit ihren Besitzern Bettina und Siegfried Schumann nimmt sie ein Anwesen in Herxheim unter die Lupe, in das demnächst neue Bewohner einziehen sollen. „Wir werden oft gerufen, wenn ein Objekt den Besitzer wechselt und dieser sich Gewissheit über möglichen Schimmelbefall verschaffen möchte“, erläutert Siegfried Schumann, „aber auch, wenn etwa Krankheitssymptome auftreten, die auf Schimmel zurückzuführen sein könnten.“ Der zertifizierte Sachverständige für Feucht- und Schimmelschäden kommt soeben von einem Kontrollgang durch das Haus, auf dem er sich einen Überblick über mögliche Feuchtigkeitsquellen und gefährliche Stellen verschafft hat. Jetzt kann Friedas Arbeit beginnen. Auf das Codewort „U-Boot“ läuft die Schäferhündin los und eilt sofort die Treppe hinauf in den ersten Stock. „Bei der Reihenfolge der Räume lassen wir Frieda weitgehend freie Hand“, sagt Bettina Schumann. Oben angekommen, beordert sie die Hündin per Zuruf und Handzeichen an die zu prüfenden Stellen. Die läuft aufgeregt schnüffelnd an den Wänden entlang, springt sogar an Fenstern hoch, um die Rahmen zu beschnuppern. Orte, an denen sich Frieda verletzen oder etwas kaputt machen könnte, werden von Siegfried Schumann blockiert. Auf die Idee, einen Schimmelspürhund auszubilden, kam Bettina Schumann auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. „Ich war schon länger im Hundesport aktiv, als ich von dieser Möglichkeit erfahren habe. Da mein Mann und ich einen Trockenbaubetrieb haben, bot sich das an“, erzählt die Hundebesitzerin. Ihre Ausbildung hat Frieda bei einer Trainerin in Hambrücken erhalten. Der zweite Hund der Schumanns, der fünf Monate alte Schäferhundwelpe Konrad, wird ebenfalls bald zum Schimmelspürhund ausgebildet. Der Bedarf ist gegeben, denn nicht immer äußert sich ein Befall durch die verräterischen grünen oder schwarzen Flecken. „In den meisten Fällen ist der Schimmel verdeckt und nicht ohne Weiteres erkennbar“, gibt Bettina Schumann zu bedenken. Frieda zischt weiter schnuppernd durch die Räume. Vor einem großen Wandschrank legt sie sich plötzlich ab – so zeigt sie an, dass sie etwas gewittert hat. Siegfried Schumann markiert die Stelle mit einem Aufkleber, dann geht die Suche weiter. In einem anderen Raum des ersten Stocks wird ein weiterer Aufkleber fällig: „Frieda hat zwar nicht angezeigt, sich aber sehr lange an einer Stelle aufgehalten. Das kann auch ein Anzeichen für verdeckten Schimmel sein“, begründet Bettina Schumann. Schließlich nimmt sich Frieda noch das Erdgeschoss vor. Allmählich wird ihre Zunge länger − die Hündin wird müde. Kein Wunder, ist Frieda doch seit einer guten halben Stunde im Einsatz. Jetzt hat sie Feierabend. Für die Klienten hat das Ehepaar Schumann gute Nachrichten: Nur zwei verdächtige Stellen wurden ausgemacht. Schimmelexperte Siegfried Schumann wird diese nun genauer untersuchen, gegebenenfalls Proben für eine Laboruntersuchung nehmen. Frieda gönnt sich derweil eine Schüssel Wasser im Hof und genießt die verdiente Freizeit. Bis der nächste Hausbesitzer ihre Spürnase benötigt. (bed)