Landau Der stille Beobachter im Rathaus

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Zum ersten Mal werde er seine Brötchen in seiner Heimatstadt Landau verdienen und nicht mehr wie ein Tourist aus Mainz am Wochenende in die Pfalz kommen, witzelte Maximilian Ingenthron gestern im Interview mit Sabine Schilling, einen Tag nach seiner Wahl zum Bürgermeister. Wie berichtet, erhielt der 47-Jährige im Stadtrat 31 Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen, bei sechs Enthaltungen.

Herr Ingenthron, haben Sie vom künftigen Oberbürgermeister Thomas Hirsch schon etwas gehört? Er musste ja krankheitsbedingt gestern passen.

Ja, wir hatten schon über Tag gestern Kontakt. Er hat mir alles Gute gewünscht vor der Wahl und hat mir dann unmittelbar nach der Wahl per SMS gratuliert. Wie bereitet sich der künftige Bürgermeister auf den neuen Job vor? Ich habe aus vielen Jahren in der Staatskanzlei so viele Überstunden angesammelt, dass ich ab Mitte Oktober in Landau sein werde und mich auf das Amt vorbereiten kann. Das heißt, Sie sind noch zwei bis drei Wochen in Mainz. Da ist dann auch die ein oder andere Rede für Ministerpräsidentin Malu Dreyer noch zu schreiben, oder? Ja, am Sonntag zum Beispiel kommt der Bundespräsident in die Staatskanzlei. Anlass sind 40 Jahre Interkulturelle Woche. Die Ministerpräsidentin spricht die Begrüßung, das bereite ich vor. Und noch einiges andere. Dann kommt dazu, dass ich die Wohnung in Mainz auflösen muss, und, und, und. Also schwirren Sie noch nicht durchs Rathaus? Ab und an. Ich werde an den Sitzungen des Stadtvorstandes teilnehmen, als stiller Beobachter, um die Abläufe kennenzulernen. Natürlich werde ich auch bei den Haushaltsberatungen dabei sein. Und ich möchte, ohne dass ich das schon strukturiert habe, auch Gespräche führen. Mit Amts- und Abteilungsleitern im Haus zum Beispiel. Das wollen Sie tatsächlich schon vor Amtsantritt bewerkstelligen? Ich hoffe, dass es nicht zu ehrgeizig ist. Aber es gibt Gesprächswünsche. Und ich bin ja in vielerlei Hinsicht ein Lernender und komme nicht mit dem Anspruch daher, hoppla, jetzt komme ich und ab jetzt machen wir alles anders, alles hört auf mein Kommando. Ich will viel zuhören und lernen. Ich bin ein großer Freund der Anerkennungskultur, das sage ich bewusst. Anerkennen im Sinne von wertschätzen, wie gearbeitet wird. Wie geht es in der Fraktion weiter, wann geben Sie den Vorsitz ab? Auf jeden Fall bleibe ich bis Jahresende im Amt. Wir werden am 3. Oktober in Klausur gehen und dann darüber sprechen, wo wir Schwerpunkte setzen. Da wird es sicher eine Rolle spielen, wie es personell in der Fraktion weitergehen soll. Nur in der Fraktion oder auch im Stadtverband, an dessen Spitze Sie ja ebenfalls stehen? Zunächst nur in der Fraktion. Aydin Tas rückt in den Stadtrat nach. Die anderen Dinge werden sich dann sortieren. Es ist ungewöhnlich, dass so viel Austausch bereits Monate vor Amtsübernahme gepflegt wird. Es war ein Akt der Vernunft, so früh vor dem Wechsel zu handeln. So konnten wir zum Beispiel die Dezernatsverteilung in trockene Tücher bringen. Thomas Hirsch und ich sind wegen organisatorischer und inhaltlicher Fragen im Gespräch. Wie steht es mit der inhaltlichen Arbeit? Es stehen dringliche Probleme zur Lösung an. Die Gartenschau ist in dreieinhalb Wochen vorbei, dann geht es dort weiter. Die Ausschreibung fürs dortige Baufeld 10, bei dem die Möglichkeiten für Sozialen Wohnungsbau ausgelotet werden, läuft bis Jahresende. Diese Dinge sind noch nicht besprochen, abgesehen von dem, was auf den Weg gebracht worden ist. Viel wird natürlich auch von den Haushaltsberatungen abhängen. Die Termine stehen fest. Da kann ich jetzt nichts vorwegnehmen. Noch ein Wort zur Landesgartenschau. Wir haben über 700.000 Besucher, schaffen wir die 8 noch? Ich bin hoffnungsfroh, dass wir die 800.000 schaffen. Es war klug, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben, was die Besucherzahlen angeht. Wir können sehr zufrieden sein mit der Gartenschau und mit der Gesamtentwicklung der Stadt. Es war ein Konjunkturpaket 3 für Landau. Das Interesse anderer Kommunen wächst, was die Austragungen von Landesgartenschauen betrifft. Wir haben den perfekten Zeitpunkt erwischt.

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