Landau Der Rosen-Kavalier
„Je suis Köln“ – so stand es auf einem Schild, das sich der Tunesier Kamel Hamdouni vor seinem Lokal „Cafe Kultur“ (vormals „Pierrot“) in der Landauer Ostbahnstraße am Samstagmorgen um den Hals gehängt hatte. Er verteilte Rosen an Frauen. „Ich will damit ein Zeichen meiner großen Verachtung der brutalen Überfälle in der Silvesternacht in Köln setzen und meine Solidarität mit den Opfern bekunden“, sagte der Gastronom.
„Unsere islamische Religion verlangt von uns, dass wir jeden Menschen, gleich welcher Religion, zu respektieren haben“, verdeutlichte Hamdouni. „Was diese Kriminellen angerichtet haben, sind schwere Vergehen und Verbrechen, begangen von Menschen, die in Deutschland Zuflucht vor Krieg, Bomben und Granaten gefunden haben. Und nicht wenige haben sogar ihr Leben ihrem Gastland zu verdanken.“ Er selbst sei vor vielen Jahren mit seiner Ehefrau und zwei Söhnen von Tunesien nach Deutschland gekommen und habe alles getan, um die deutsche Sprache so schnell wie möglich zu lernen und sich zu integrieren, „was mir mit großer Unterstützung der Deutschen und gegenseitigem Vertrauen auch sehr gut gelungen ist“. Hamdouni ist zwischenzeitlich Mitglied im städtischen Ausländerbeirat und im Schulelternbeirat der Pestalozzischule. Der älteste Sohn besucht das Landauer OHG-Gymnasium, der jüngere die Pestalozzischule. „Wir haben alles für unsere Integration getan, was auch unbedingt von all denjenigen verlangt werden muss, die nach Deutschland geflüchtet sind und die die Gesetze ihres Gastlandes zu beachten haben.“ Die Aktion fand am Samstagmorgen reges Interesse. Christa Holzhauer aus Rinnthal beispielsweise nannte sie eine „Super-Idee, die überall Schule machen sollte“. Die beiden Schwestern Elvira Hertel und Sonja Preissler aus Karlsruhe, die regelmäßig in Landau einkaufen, sprachen von einer „Demonstration, die wir uns auch in Karlsruhe und an weiteren Orten wünschten, um etwa verlorenes Vertrauen nach der Silvesternacht in Köln zurückzugewinnen“. Auch Karl-Heinz Schnell (Landau) und die jungen Eheleute Nils und Janina Walch (Altdorf) waren sehr von der Aktion angetan. Chaboun Rabach und Amer Amer Bagdari, beide seit kurzer Zeit als Flüchtlinge in Deutschland, hängten sich am Samstagmorgen spontan „Je-suis-Köln“-Schilder um, nachdem ihnen der Sinn der Aktion übersetzt worden war. Christine Kardenbach-Gambert, die Hamdoumi schon seit längerer Zeit gut kenne, hat es sich trotz etwas angegriffener Gesundheit nicht nehmen lassen, kurz in die Ostbahnstraße zu kommen, um zu schildern, mit welchem Entsetzen und welcher Empörung die tunesische Familie die Nachrichten aus Köln aufgenommen habe. Die Täter dort, sagte Kamel Hamdouni abschließend, hätten ihr Gastrecht in Deutschland gröblichst missbraucht. Er hoffe sehr, „dass diese Kriminellen schnellstens ermittelt und nach deutschem Recht, nach deutschen Gesetzen, hart bestraft werden“. (ohu)