Bad Bergzabern / Klingenmünster
Der Lesesommer boomt: Reges Kommen und Gehen in der Stadtbücherei
Eine kleine verkürzte Kostprobe aus der Geschichte vom Scheesee: „Es war einmal ein See, der war immer voll Schnee, darum nannten ihn alle Leute nur Schneesee. Um diesen Schneesee wuchs Klee, der Schneeseeklee, und darin äste ein Reh, das Schneeseekleereh, und dieses Schneeseekleereh wurde von einer Fee geliebt, der überaus anmutigen Schneeseekleerehfee. Diese Fee hatte sechsundsechzig Zehen, fünfundsechzig zum Gehen und einen zum Drehen, und dieser sechsundsechzigste Zeh war dann der Schneeseekleerehfeedrehzeh.“ Es ist eines der Bücher, das zum Lesen anregen soll. Und mit dem Drehzeh der Fee ist der Zungenbrecher noch längst nicht zu Ende.
Die Zahlen des Lesesommers vom vergangenen Jahr hat die Leiterin der Stadtbücherei Bad Bergzabern, Susann Hardies. 224 Büchereien mit 25.688 Leseratten haben in Rheinland-Pfalz mitgemacht. Steinfeld, Klingenmünster, Heuchelheim-Klingen, Billigheim-Ingenheim und Bad Bergzabern sind nur einige davon. Sie haben ihre Bücher in der Buchhandlung Lesezeit in Bad Bergzabern bestellt. Denn für den Lesesommer für Kinder und Jugendliche von sechs bis 16 Jahren und den Vorlesesommer für Kita-Kinder werden Bücher neu angeschafft. Die Bücherei zahlt einen Teil, den anderen zahlt das Land. „Manche sagen, was sie wollen, andere möchten auch Empfehlungen“, erzählt Inhaberin Elke Schönbach. Sie hat 20 Jahre Erfahrung als Buchhändlerin und ist Spezialistin für Kinderbücher. Phantasie, Wortschatz, neue Perspektiven und natürlich „nebenbei“ lesen lernen sind für Schönbach einige ganz wichtige Vorteile, für die der Lesesommer noch mal einen besonderen Anreiz bietet.
Bücherei mit Kurpark-Ausblick
Das ist auch beim Andrang in der städtischen Bücherei in Bad Bergzabern zu spüren, die in diesem Jahr zum dritten Mal dabei ist. Durch den Umzug vom Alten Rathaus mitten in der Stadt in den kleinen Konferenzraum im Haus des Gastes musste die Stadtbücherei ihren Buchbestand um rund zwei Drittel verkleinern. Das achtköpfige Team um Leiterin Susann Hardies ist trotzdem begeistert. „Es ist wunderschön hier“, schwärmen sie, auch über den Ausblick in den frühsommerlichen Kurpark. Und freuen sich, dass seit dem Umzug 42 neue Leser dazu gekommen sind.
100 Bücher hat die Stadtbücherei für gut 1400 Euro für den Lesesommer bestellt, mehr als 800 Euro kamen aus Eigenmitteln, der Rest als Landeszuschuss. Smilla und Lani, beide sechs Jahre alt und die zehnjährige Lotta haben sich schon mal mit Literatur für den Vorlesesommer eingedeckt. Unter anderem mit dem „Ponyherz“, einer beliebten Pferdeabenteuer-Serie. Ob die Kinder und Jugendlichen die Bücher gelesen haben, wird dann in den Büchereien „überprüft“. Entweder mit einer Karte, auf der Fragen zum Buch beantwortet werden können oder einem Gespräch mit Mitarbeitern der Bücherei.
Natürlich hoffen alle, dass sie nicht nur die Urkunde bekommen, sondern auch einen der Preise. Der Hauptpreis ist ein Besuch im Europa-Park Rust. Es ist ein reges Kommen und Gehen in der Stadtbücherei, in der bisher 42 Teilnehmer beim Lesesommer und zehn beim Vorlesesommer mitmachen. Bei Letzterem nehmen Kita-Kinder teil, denen wiederum vorgelesen wird.
Insgesamt ist das Team mit der bisherigen Ausleihe sehr zufrieden. „Selbst am bisher heißesten Tag hatten wir 147 Ausleihen“, erzählt Susann Hardies. Auch wenn viele Besucher der Bücherei Parkgebühren bezahlen müssen. Oder gar keinen Parkplatz finden. „Durch die Therme ist es oft schwierig mit dem Parken“, stellt die Leiterin der Stadtbücherei fest.
Kinder verschlingen die Geschichten
Eva Wagner-Seifert war viele Jahre Lehrerin in der Grundschule in Klingenmünster und ist in einem 13-köpfigen Team Leiterin der Gemeindebücherei, die zum fünften Mal am Lesesommer teilnimmt. Gut 50 Bücher hat die Bücherei eingekauft. Mit 400 Euro Eigenmitteln und 400 Euro Landeszuschuss. „Zusätzlich leihen wir von der Zentralbücherei in Neustadt noch mal das dreifache aus“, informiert Wagner-Seifert. Und freut sich, dass der Lesesommer angenommen wird, auch von umliegenden Gemeinden. „Wir haben im Schnitt 40 bis 60 Kinder, die an den Lesesommern teilnehmen, viele davon verschlingen die Bücher“, freut sich die Leiterin.
Auch Künstliche Intelligenz schreibt Bücher
Eine Entwicklung hat längst begonnen und findet sich bereits in den Verkaufslisten großer Online-Versandhändler: Bücher, die von Künstlicher Intelligenz (KI) geschrieben wurden. Ein großer Versandhandel hat daher bereits festgelegt, dass „Autoren“ nicht mehr als drei Bücher pro Tag (!) einstellen dürfen.
Bei allen Aktiven in den Büchereien, im Buchladen oder bei Müttern, mit denen die RHEINPFALZ gesprochen hat, waren die Meinungen eindeutig. Niemand wollte Bücher, die mit künstlicher Intelligenz geschrieben sind. Menschen mit ihren Gefühlen, ihrer Fähigkeit und Fantasie sollen es sein. Auch für Buchhändlerin Elke Schönbach kommen Bücher aus KI-Feder nicht in den Laden. „Ich möchte von Menschen geschriebene Bücher“, sagt sie.