Landau „Den Gewinn im Verlust sehen“

In der gemütlichen Laube des alten Vereinsheims in der Eutzingerstraße feierte der Türkische Sportverein (TSV) zusammen mit vielen Politikern am Freitag ein symbolisches Richtfest für das neue Vereinsheim auf dem Gartenschaugelände.
Der Kunstrasenplatz wartet längst auf die erste sportliche Begegnung, bespielt werden darf er, zum Leidwesen der Fußballer, noch nicht. Das angrenzende Vereinsheim steht im Rohbau und wartet auf die Fertigstellung. Für den TSV geht eine drei Jahre dauernde Durststrecke zu Ende. Zwar habe sich das Sportamt sehr bemüht, Ausweichplätze anzubieten, betonte der Vorsitzende Orhan Yilmaz im Gespräch am Rande, aber während des Nomadendaseins seien auf dem Zug von Platz zu Platz nicht nur Anhänger, sondern auch Spieler auf der Strecke geblieben – und der Verein in der Folge in die D-Klasse abgestiegen. Doch das soll sich jetzt ändern: „Mit dem neuen Gelände werden wir bis zur A-Klasse aufsteigen“, schaut Orhan Yilmaz sehr optimistisch in die Zukunft, „aber dazu brauchen wir viele Landauer Bürger als Mitglieder im Verein“. Sein Sohn Burhan plant den Aufbau einer Jugendabteilung und will endlich Nachwuchs heranziehen. Die derzeit einzige Mannschaft im TSV besteht aus 22 Spielern im Alter von 18 bis 27 Jahren aus sechs Nationen, Trainer ist der Spanier Sergio Heil. Die meisten hat Orhan Yilmaz noch als Trainer im Horstsportverein von der C-Jugend an zu einer Mannschaft geschweißt, die Spieler sind gemeinsam aufgewachsen. Über den Fußball hinaus leistet der TSV als Organisator von internationalen Turnieren und mit der Verpflegung bei allen multikulturellen Ereignissen in der Stadt wichtige Integrationsarbeit. Dafür wurde ihm der erste Integrationspreis der Stadt verliehen. „Diese 1000 Euro sind richtig angelegt“, stellte Bürgermeister Thomas Hirsch (CDU) am Freitag fest. An der Baustelle bringt die eingeschworene Gemeinschaft sehr viel Eigenleistung ein. Der erste Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende, Rifat Sezer, ist Architekt und hat das Heim geplant. „Ultra Aslan“ – genauso wie eine Fangruppe der „Löwen“ im Sportverein Galatasaray – heißt die türkische Firma, die das Dach, den Innen- und Außenputz sowie die Fliesenarbeiten übernimmt, nachdem Kerim Simsek mit seinen Arbeitern und vielen Freiwilligen den Rohbau gestellt hat. 12.300 Euro hat Günter Scharhag beim Sportbund Pfalz locker gemacht, der Südwestdeutsche Fußballverband hat ebenfalls 12.000 Euro spendiert. Auch die Sparkasse und der Baustoffhandel Gillet haben den Verein unterstützt. Die Stadt Landau greift dem TSV unter die Arme, indem die Landesgartenschaugesellschaft für die Dauer der Ausstellung das Vereinsheim als Gastronomiestandort anmietet. Für den verbleibenden Rest haben sich alle 80 Mitglieder zusammengetan und gemeinsam einen Kreditvertrag unterschrieben. Für insgesamt 100.000 Euro steht das Gebäude, „aber das 200 Quadratmeter große Haus ist dann noch leer“, erklärt Yilmaz und schätzt die Summe für Einrichtung und Kühltheken auf 30.000 Euro, für die der Verein noch Sponsoren sucht. Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer (SPD) blickte auf die Jahrtausendwende zurück, als die Stadt das verwahrloste ehemalige Stadion der Franzosen gegen die Pflege den Türken überlies. Doch kaum, dass der „Türkgücü“, wie der Verein damals noch hieß, sich hier eine Heimat geschaffen hatte, stiefelten im Jahr 2011 „ein paar Anzugträger“ über das satte Grün und verkündeten: Wir brauchen das Gelände für die Landesgartenschau. Geschäftsführer Matthias Schmauder erinnerte beim Richtfest an „diesen Gang nach Canossa. Ich spürte dieses Brodeln, jetzt nehmen die uns den Platz weg“. Damals sei die Vorstellung, am Kohlelager eine Sportanlage zu bauen, noch sehr vage gewesen. Aus heutiger Sicht bezeichnete Schmauder den Deal als „klassische Win-Win-Situation“. Auch Schlimmer dankte am Freitag „all jenen, die bereit waren, über den Tag hinaus zu denken und den Gewinn im Verlust gesehen haben“. Die multikulturelle Begegnung im Fußballerheim möge dazu führen, „dass alle Landauer auch hier gemeinsam friedlich miteinander leben können, wünschte Aydin Tas, scheidender Vorsitzende des Migrationsbeirats und ehemals TSV-Chef. (srs)