Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Das Hotel „Zum alten Wasserrad“ in Annweiler: Mediterrane Küche und ein Mühlrad als Blickfang

Zum Hotel gehört auch ein Restaurant. Während der Sommermonate lassen sich die Mahlzeiten im Garten zu sich nehmen.
Zum Hotel gehört auch ein Restaurant. Während der Sommermonate lassen sich die Mahlzeiten im Garten zu sich nehmen.

Ein sich drehendes Mühlrad inmitten eines Restaurants, so etwas gibt es wohl nirgendwo außer in Annweiler. Aber das Hotel L’Antica Ruota genannt, bietet noch mehr.

Hotelier Francesco Mirabile hat das Haus am Ende der Gerbergasse 1996 gekauft und darin zunächst eine Gaststätte aufgemacht. Mit großem Idealismus, mit viel investiertem Geld und nahezu pausenlosem persönlichen Einsatz begann er, das große dreistöckige Haus herzurichten und zum Hotel mit Restaurant auszubauen. Denn: Seit 1960 hatte das Anwesen leer gestanden und sah dementsprechend heruntergekommen aus als er es übernahm. „20 Jahre lang gab es dann keinen Urlaub mehr für mich“, sagt er. „Ich habe nur renoviert.“

 Pausenlosen persönliche Einsatz hat Familie Mirabile in den Wandel vom Leerstand zum Hotel investiert. Im Bild (von links nach
Pausenlosen persönliche Einsatz hat Familie Mirabile in den Wandel vom Leerstand zum Hotel investiert. Im Bild (von links nach rechts): Camilla, Francesco, Vita Maria und Vittoria.

Das stattliche, aus massiven Sandsteinen errichtete Haus ist, so scheint es, vor mehr als 100 Jahren erbaut worden. Es überspannt den Mühlgraben, einen Seitenarm der Queich, der schon seit dem Mittelalter von West nach Ost gleich einem Kanal die Altstadt durchquert. Das damals schon da gewesene Mühlrad saß noch dort, wo es ursprünglich angebracht war, nämlich inmitten des Hauses anstatt wie üblich außerhalb. Mirabile kaufte es mit und erkannte sofort, welch eigentümlichen Blickfang er in seinem künftigen Restaurant den Gästen mit dem sich drehenden Rad und den tropfenden Schaufelbrettern bieten könnte. Er ließ es von Grund auf restaurieren und von einem großen Glaskasten einfassen. Eine beruhigende Wirkung geht von den auf- und abtauchenden Schaufeln des Rads aus. Nachts kann es mit einer hinabgelassenen Sperre abgestellt werden. Somit können sich unbemerkte Gegenstände darin nicht verfangen.

Sicherlich hat schon mancher Gast nach dem Sinn dieses Rads gefragt. Dazu hat Mirabile eine Antwort parat, denn er ist über die Geschichte seines Hauses informiert. Wo heute das Hotel steht, gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zwei Häuser, das eine links, das andere rechts des Bachlaufs. Dazwischen, an beiden Hauswänden befestigt, lief das Mühlrad. Es gehörte zu einer Loh- und Walkmühle, wie sie die Gerber für ihr Handwerk benötigten. Die Gerber von Annweiler wohnten mit ihren Werkstätten links und rechts des Mühlgrabens und der an ihm entlangführenden Gerbergasse. Das Mühlrad trieb Maschinen an, die sowohl pflanzliche Gerbmittel zerkleinerten als auch „walkten“, also durch Ziehen und Klopfen dünnes Leder geschmeidig machten.

Um 1903 wurden Mühle und Gerberei aufgegeben und die beiden Häuser miteinander zu einem gemeinsamen Gebäude vereint. Das Mühlrad blieb unangetastet. Eine Schuhfabrik zog in das Haus ein. Sie hielt sich bis Ende des Zweiten Weltkriegs. Es folgte die Firma eines Zimmerers mit Mietwohnungen in den oberen Stockwerken. Danach stand das Haus leer.

„Lebenstraum erfüllt“

„Ich habe mir meinen Lebenstraum erfüllt“, gesteht Franco Mirabile zufrieden. Er stammt aus Menfi im Süden Siziliens. Mit 20 Jahren kam er nach Deutschland. Heute ist er 59 Jahre alt und bewohnt mit seiner Lebensgefährtin Vitamaria Nuzzo und den beiden Töchtern, der 20-jährigen Vittoria und der zwei Jahre älteren Camilla, einen Teil seines Hotels. Der Familienbetrieb wird von den Vieren gemeinsam mit großem Engagement aufrechterhalten. Ebenso halten sie die italienische Tradition in Ehren. Daher heißt das Hotel mit seinem Ristorante auch L’Antica Ruota. Es ist das einzige Hotel seiner Art in der Innenstadt, liegt malerisch im Herzen der Altstadt abseits vom Straßenverkehr und bietet seinen Gästen 14 vornehm eingerichtete Doppelzimmer sowie zwei ähnlich ausgestattete Einzelzimmer, dazu demnächst zwei Ferienwohnungen im Haus gegenüber. Die Autos lassen sich kostenfrei auf dem geräumigen öffentlichen Parkplatz in der Nähe abstellen.

Das Haus bietet 14 Doppelzimmer sowie zwei Einzelzimmer. Es sind auch Ferienwohnungen geplant.
Das Haus bietet 14 Doppelzimmer sowie zwei Einzelzimmer. Es sind auch Ferienwohnungen geplant.

Das Restaurant strahlt Gediegenheit und Wohlstand aus. Seine Einrichtung mit dem freundlichen, hellen Mobiliar der Tischgruppen hat Mirabile selbst ausgewählt. Hohe Fenster, gerahmt von geschmackvollen, gerafften Gardinen, lassen viel Licht ins Haus. Essen kann man zu Mittag und zu Abend. Es gibt genügend Tische auch für zwei Personen. Angeboten wird eine vorwiegend mediterran ausgerichtete Küche, so etwa lecker zubereitete Salate der Saison, diverse italienische Gemüsesorten, Fisch vom Mittelmeer und Fleisch regionaler Herkunft. Als Spezialität gilt in eigenen Variationen die hausgemachte Pizza aus dem Holzbackofen.

Während der Sommermonate lassen sich die Mahlzeiten im angrenzenden, schattenspendenden Garten mit überdachter Terrasse zu sich nehmen. Nach Norden hin, am murmelnden Wasser der vorüberziehenden Queich, umgeben von Mittelmeer-Flora, ist erst unlängst ein zweiter, etwas tiefer gelegener Gartenabschnitt entstanden. Er soll den Hotelgästen vorbehalten sein. Dort können sie sich auf Sesseln und Liegen niederlassen und Italienträumen nachhängen.

Die Serie

Wir leben in einer Region, in der andere Urlaub machen. Unterkünfte gibt es viele, doch nur eine überschaubare Anzahl an klassischen Hotels. Nach den Corona-Jahren haben sich manche Häuser neu erfunden, um Gäste anzulocken. Welche Zielgruppen erreichen sie? Wo sind ihre Schwerpunkte? Und wie haben sich Kundenwünsche verändert? In der Serie „Gut gebettet“ blicken wir in loser Reihenfolge hinter die Kulissen der Hotels in der Südpfalz.

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