Landau Da haben wir den Salat

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«Bad Bergzabern.» So ein-, zweimal im Jahr gönnen meine Frau und ich uns ein Sieben-Gänge-Menü in so einem edlen Schuppen. Sie wissen schon, mit Sternchen und erlesenen Weinen und so. Vornehmlich des Erlebnis, nicht des Essens wegen. Das ist stundenlang großes Kino – was das Publikum betrifft. Aber satt werde ich dort nie. Das einfache Käsebrot (Gouda, mittelalt) mit ordentlich Butter ist danach zuhause Pflicht. Dass es für den Alltag nicht nur ganz schnell und anders geht, sondern dabei noch gesund ist, habe ich gerade wieder einmal erlebt.

Bei meinem Selbstversuch Fasten kam ich vergangene Woche bei der Suche nach biblischen Rezepten auf die Idee, den Thermomix einzubinden. Also, ich habe nichts gegen das Teil, werde aber auch nicht wirklich warm damit, obschon meine Frau zuhause da ganz Ordentliches hinkriegt. Soßen, Teige und auch geschlagene Sahne sind unerreicht. Toll wird auch Reis, aber am meisten mag ich die Linsensuppe mit Speck. Aber die Blöße gebe ich mir nicht, sie zu fragen. Kochen ist für mich Zeit, Zeit für mich, und kein Drücken von Knöpfen einer Maschine. Am Ende kocht das Ding besser als ich – das geht ja gar nicht. Sei’s drum, das wird jetzt ausprobiert. Zum Glück wohnt Claudia nebenan. Sie ist nicht nur eine ganz Liebe, sondern sie fastet auch. Leidensgenossen. Das verbindet. Und sie liebt diese Kult-Küchenmaschine. Seit 2008 ist Claudia, die bei Daimler in Wörth als kaufmännische Sachbearbeiterin tätig ist, dabei. Auf Wunsch zeigt sie auch anderen, was alles so geht, und wer gefallen gefunden hat, kann bei ihr eine Maschine bestellen. Dass Claudia überzeugte Vegetarierin ist, stört nicht, mir zu zeigen, wie man ein ganzes Menü – mit Fleisch – zubereitet. „All in one“. Also: Alles ist auf einmal fertig. „Guided cooking“ ganz persönlich und nicht wie sonst üblich über einen per Bluetooth programmierbaren Chip, der die Low-Carb“-Rezept-Zutaten und Arbeitsschrittfolge aufs Display wirft. Extrem bequem. Ich bin wirklich nur Statist. Kein Wunder, dass der Hersteller von einer „Geling-Garantie“ spricht. So auch beim Fastenmenü von Claudia, das in rund einer halben Stunde fertig ist – und vorzüglich schmeckt. Gut, Claudia hat eben noch ein paar Tricks, gerade für den abrundenden Geschmack auf Lager. Begeistert hat mich der Rohkost-Mix aus Brokkoli, Tomaten und fettarmem Schafskäse vorab. Meine Kinder würden sagen: „Fett!“. Dem pfiffigen Salat folgt der Hauptgang mit butterzart gedünstetem Hähnchenfilet und gegartem Paprika. Das Ganze ist so lecker, dass wir gar nicht zum Tisch decken kommen, sondern direkt aus dem Topf picken. Den Teller für den Fotografen bekommen wir nur noch mit Mühe zusammen. Auch in das Mango-Softeis, dank Birkenzucker und weg gelassener Milch ein Leichtgewicht (28 Kalorien!), senken sich nach der letzten Umdrehung des Rührers sofort die Löffel. Lecker. Nicht zu vergessen: das Eiweißbrot ohne Mehl. Saftig, locker und fluffig. Alles in allem: 465 Kalorien pro Person. „Jeder Frau wünsche ich, dass sie einen Thermomix zuhause hat“, meint Claudia und unterstreicht: „Ich koche mit nichts anderem mehr.“ Beim Hantieren verstehe ich, was sie meint. Von der halben Stunden, bis das Menü fertig ist, ist sie rund 20 Minuten „arbeitslos“. Heute erzählt sie mit mir, sonst hat sie Zeit für andere Dinge im Haushalt oder dreht mit ihrem Hund eine kleine Runde und winkt mir von der Pestalozzi-Straße aus zu, wenn ich in der Küche mit dem Kochmesser hantiere. Satt und etwas ratlos kehre ich heim – am Abendhimmel steht ein Stern ... Aber alles hat seinen Preis: rund 1300 Euro kostet so ein Teil. Mein Gewicht: An Aschermittwoch mit 87,3 Kilogramm gestartet und bis vergangenen Dienstag brav auf 83,4 herunter gearbeitet, ist der gestrige Wert ernüchternd: Auf Lorbeeren ausgeruhte 83,5 kg.

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