Landau
Corona-Ambulanz einfach dichtgemacht
Die in Containern eingerichtete Ambulanz auf dem Gelände des Krankenhauses, aber nicht in dessen Verantwortung, war im Dezember eingerichtet worden. Sie sollte als Anlaufstelle für Menschen mit Symptomen dienen, die auf Corona oder Grippe schließen ließen. Ziel war es, die Krankenhäuser und die ebenfalls im Vinzentius ansässige Notfallambulanz zu entlasten. Daher war die Infekt-Ambulanz immer dann geöffnet, wenn die Hausarztpraxen geschlossen sind, also übers Wochenende und mittwochs ab 14 Uhr, an den übrigen Werktagen ab 19 Uhr.
Auf die Einrichtung der Anlaufstelle hatten sich die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP), Stadt und Kreis verständigt. Letztere sollten die Kosten für Containermiete, Reinigungs- und Stromkosten tragen. Die KV war für die Gewinnung von Ärzten, die Ausstattung mit Schutzausrüstung sowie die Organisation des Betriebs zuständig.
Es geht um einen höheren fünfstelligen Betrag
Laut KV wollen nun aber Stadt und Kreis ihre Kostenanteile nicht übernehmen – nach Angaben von Pressesprecher Rainer Saurwein geht es um einen höheren fünfstelligen Betrag – , und sie seien nicht auf einen Vergleichsvorschlag eingegangen. Das bedauert Peter Heinz, der Vorstandsvorsitzende der KV. Immerhin sei man auf Bitten von Stadt und Kreis tätig geworden, und es seien KV-Mitglieder mit ihren Teams, die sich dort mit zusätzlichem Engagement neben dem hohen Arbeitsaufkommen in ihren Praxen um die Versorgung der Patienten kümmern. Heinz bezeichnete das Verhalten der Kommunen als nicht nachvollziehbar. Gerade in einer Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie müsse man zusammenhalten und nicht gegeneinander arbeiten.
Volker Thorn (Landau), Vorsitzender der ärztlichen Kreisvereinigung Landau-Südliche Weinstraße, und sein Stellvertreter Albrecht Diehl (Ilbesheim), die am Freitag für die Redaktion nicht erreichbar waren, bedauern laut Pressemitteilung der KV deren Entscheidung, könnten sie aber nachvollziehen. Versorgungsengpässe befürchten sie jedoch nicht. Die niedergelassene Ärzteschaft werde Covid-19-Patienten in ihren Corona-Sprechstunden in den Arztpraxen betreuen.
Hirsch und Seefeldt: Kassen müssen zahlen
Landrat Dietmar Seefeldt und Oberbürgermeister Thomas Hirsch (beide CDU) zeigten sich irritiert über den Schritt der KV, die am Freitag mitgeteilt habe, dass sie die Zusammenarbeit mit sofortiger Wirkung beenden wolle und am selben Tag mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen sei. Beide bestätigen, dass es seit einigen Wochen einen „kontroversen Austausch“ über die Finanzierung gegeben habe. Es handele sich um Gesundheitskosten, daher stünden die Krankenkassen in der Verantwortung, diese zu übernehmen, teilten Seefeldt und Hirsch auf Anfrage mit. Dies sei aber noch nicht vollständig geklärt worden.
Offenbar sehe die KV RLP dies anders und habe nun einseitig Fakten geschaffen. Hirsch und Seefeldt werfen der KV „eine sehr einseitige Auslegung der Sach- und Rechtslage“ vor und werden energisch: Einmal mehr zeige die Funktionärsebene der KV damit in der Pandemie „ein eigensinniges Agieren zu Lasten der Ärztinnen und Ärzte vor Ort“. Die Unterstützung der Stadt und des Kreises habe nicht nur der ergänzenden Versorgung der Bevölkerung gedient, sondern vor allem auch der Entlastung der örtlichen Praxen. Jetzt müssten diese wieder die Alleinverantwortung übernehmen. In der Gesamtbetrachtung sei die Aufgabe der Ambulanz aber vertretbar, da die Infektionszahlen sänken und der Impfgrad in der Bevölkerung steige.
Info
Die Kassenärztliche Vereinigung informiert im Internet unter www.kv-rlp.de über Corona-Anlaufstellen.