Landau
Brummton von Mörlheim ungeklärt
Dem Landesamt für Umwelt (LfU) ist es nicht gelungen, die Quelle von mysteriösen tieffrequenten Brummtönen im Landauer Stadtdorf Mörlheim zu orten. Das hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt am Dienstagvormittag mitgeteilt. Das Landesamt habe zudem festgestellt, dass die Brummtöne keine zulässigen Lärmrichtwerte überschritten und dass auch kein Zusammenhang zwischen den tieffrequenten Tönen und den Geräuschen im benachbarten Industriegebiet feststellbar sei. Claus Hund aus Mörlheim, der als erster über das psychisch belastende Brummen berichtet hat, spricht von einem Armutszeugnis.
Von Sebastian Böckmann
Einwohner aus Mörlheim, allen voran Claus Hund aus der Straße In den Thoräckern, beschweren sich seit Mai 2018 über tiefe Brummtöne (wir berichteten am 1. Juni 2018) . Seit kurzem gibt es nun aber auch Klagen aus Bornheim (Bericht vom 9. Januar). Nachdem der benachbarte Windpark bei Offenbach als Verursacher ausgeschieden war, weil es auch brummte, wenn sämtliche Windräder stillstanden, konzentrierte sich der Verdacht auf das Industriegebiet Landau-Ost, das zwischen Mörlheim und Bornheim liegt.
Im Juni vergangenen Jahres hatte die SGD selbst erste orientierende Lärmimmissionsmessungen vorgenommen und den Brummton bestätigt. Weitergehende Aussagen waren der SGD mit ihrer einfachen Messmethode jedoch nicht möglich. Sie hatte deshalb das Landesamt für Umwelt um qualifizierte Messungen gebeten. Die gab es laut SGD am 28. August und am 7. November vergangenen Jahres. Außerdem hatte das LfU Beschwerdeführer Hund zeitweilig ein Messgerät zur Verfügung gestellt, das dieser selbst aktivieren konnte, wenn das Brummen wieder auftrat.
Nach Angaben der SGD hat das LfU tieffrequente Töne im Bereich zwischen acht und 100 Hertz gemessen. Sie hätten aber deutlich unter der Hörschwelle der DIN 45680 gelegen. egel (Lfeq) lagen im tieffrequenten Bereich beim Beschwerdeführer in der Regel deutlich unter der Hörschwelle der DIN 45680. Diese Norm geht davon aus, dass tieffrequente Töne von acht Hertz erst ab einer Lautstärke von mehr als 100 Dezibel zu hören seien und solche von 100 Hertz erst ab etwa 22 Dezibel. Beide Extreme wurden bei den LfU-Messungen nicht erreicht.
Laut SGD hat das Landesamt auch Lärmmessungen im benachbarten Industriegebiet Landau-Ost vorgenommen, aber keinen Zusammenhang zwischen den dortigen Geräuschen und den tieffrequenten Tönen beim Beschwerdeführer festgestellt.
Für Wortführer Hund ist das Gutachten, das ihm am Montagnachmittag von der SGD ins Haus geliefert wurde, ein Armutszeugnis. „Das ist für mich ein Hammer, wenn das Brummen nicht nur von vielen Menschen gehört wird und es auch gemessen worden ist, aber von Experten nicht geortet werden kann.“ Er habe allerdings mit keinem anderen Ergebnis gerechnet, da die zugrunde gelegte Verwaltungsvorschrift, die Technische Anleitung (TA) Lärm, von 1998 stamme, weshalb „die Bewertungskriterien nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen“. „Ich bin ein Mensch, kein Alien. Nach der TA Lärm dürfte ich das gar nicht hören, aber ich tue es“, argumentiert er. Für ihn schützen die TA Lärm und die DIN folglich nicht die Gesundheit der Bürger, sondern die Verursacher von Lärm vor Investitionen zu dessen Verhinderung. Den Kampf zur Änderung gesetzlicher Grundlagen könne er allerdings nicht führen. „Als Laie bin ich da in Gottes Hand“, so Hund.
Er hat vor wenigen Tagen einen Infobrief in ganz Mörlheim verteilt, in dem er über das Infraschall-Problem informiert und um Mithilfe bittet. Wer das Brummen ebenfalls hört, soll sich per E-Mail (poststelle@sgdsued.rlp.de) an die SGD Süd wenden, bittet er.
Hund betont, dass auch Menschen, die den Infraschall nicht als Ton wahrnehmen, ihm dennoch ausgesetzt sind. Und das könne zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen und Migräne sowie Herz-Kreislauf-Problemen führen. Er beruft sich dabei auf Professor Christian-Friedrich Vahl, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, den das ZDF mit den Worten wiedergibt: „Infraschall ist eine Energie. Und jede Energie hat physikalische Effekte, ob Sie sie nun hören oder nicht“. (nachzulesen in der Mediathek unter https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-infraschall---unerhoerter-laerm-100.html) Schwer beunruhigt hatten Hund daher Herzbeschwerden bei einem jungen Mann (35) aus seinem familiären Umfeld, die sich inzwischen wieder gelegt hätten, deren Ursache aber unbekannt geblieben sei.