Landau
Brauhof wird zu Boarding-House: Günstiger als ein Hotel
Dort, wo lange gar nichts geschah, riecht es nun nach Holz. Wo einst der Landauer Brauhof stand, gibt es inzwischen ein Tiefgaragengeschoss. Darüber stemmen sich wenige mächtige Balken in die Höhe, und ringsum stehen bereits Wände aus vorgefertigten Holzelementen. In der Mitte sind Zimmerleute dabei, die massive Holzdecke zum ersten Obergeschoss zu verlegen. Zwei Streifen bleiben offen. Hier hinein werden in Kürze vorgefertigte Nasszellen gehievt, sagt Bauherr Wendelin Wünstel aus Hatzenbühl. Die Bäder lässt er gerade in seiner Produktionshalle bauen, ebenfalls komplett aus Holz.
Warum Holz?
Holz als Baustoff habe er gewählt, weil er zwar schon Einfamilienhäuser aus Holz errichtet habe, aber noch kein Gebäude dieser Größe, sagt das Bauträger. Und weil es die Landesbauordnung seit Kurzem zulasse. Auch weil man die Teile gut vorfertigen könne. Und natürlich, weil Holz umweltfreundlich, recyclingfähig und energiesparend ist. Dank der Innenwand-Dämmung mit Holzfaserplatten werde der KfW-55-Standard erreicht. Das heißt, dass ein Gebäude nur 55 Prozent dessen an Energie verbraucht, was laut Energieeinsparverordnung gefordert wird. Außerdem sehe es schick aus: Die 24 Zentimeter dicken Holzdecken werden nicht verkleidet.
Günstige Preise wegen Verzichts auf Personal
Wünstel plant ein Boardinghaus mit 66 Zimmern auf vier Etagen, das er selbst betreiben will. Es ist gedacht für Menschen, die sich beispielsweise aus beruflichen Gründen länger einmieten wollen. Aber auch Touristen steht das Haus offen, „jedem, der zwischen einer Nacht und sechs Monaten bleiben will“. Vermarkten will er es über einschlägige Internet-Portale wie Airbnb. „Der Preis wird gut unter dem eines Hotels liegen“, sagt Wünstel, vielleicht bei 50 bis 60 Euro pro Nacht. Möglich werde das durch den nahezu vollständigen Verzicht auf Personal. Es werde kein Frühstück geben und kein Restaurant, denn Einkehrmöglichkeiten gebe es in der Nähe in ausreichender Auswahl, und den Kaffee kann man sich in der Miniküche der Appartements selbst kochen. Nicht einmal die Rezeption wird besetzt sein: Ins Haus gelangt der Kunde mittels einer Nummer oder eines QR-Codes seiner Internet-Buchung; dann übernimmt ein digitales Einchecksystem den Rest.
Die 66 Zimmer werden 22 Quadratmeter groß sein, plus Nasszelle, und voll verkabelt für Nutzer, die dort am Computer arbeiten wollen oder müssen. Er habe sicher 15 bis 20 Anfragen bekommen, ob er nicht auch ein Penthouse anbieten und verkaufen könne, berichtet Wünstel, aber das lehnt er ab, weil es nicht zum Konzept passe.
Braucht Landau Schlafplätze?
Der Bauherr ist überzeugt, mit dem Boardinghaus in eine Lücke zu stoßen, auch wenn in der Paul-von-Denis-Straße ein weiteres Boardinghaus geplant ist. „Die Dinger schießen wie Pilze aus dem Boden“, sagt er. Aber der langjährige Landauer Tourismus-Chef Franz Müller habe immer und immer wieder betont, dass Landau mehr Übernachtungskapazitäten brauche. Stattdessen sind es durch die Schließung des Hotels Kurpfalz der Lebenshilfe, die Wünstel sehr bedauert, inzwischen sogar weniger geworden.
Wünstel will bis zum Jahresende fertig werden, aber Druck habe er keinen, auch wenn Corona durchaus für Verzögerungen gesorgt habe. Er baue nur mit – oft kleinen – Firmen aus der Region, die er schon seit Jahren kenne, teils schon seit 1977, als er in der Branche begonnen habe. „Mit denen bin ich groß geworden“, sagt er. Eine davon ist die Zimmerei Müller aus Herxheim, die zusammen mit dem österreichischen Holzbauunternehmen Binderholz den Rohbau errichtet.
Die Tiefgarage fasst 19 Fahrzeuge, ein paar Stellplätze werde es auch noch im Hof geben, kündigt Wünstel an. Ansonsten gebe es ausreichend Garagenplätze direkt um die Ecke im Ostringcenter oder im Parkhaus am Großmarkt.


