Landau
Botox-Party: Wenn der Schönheit nachgeholfen wird
Luftballontrauben weisen den Weg zum Schönheitssalon „Ohso“. An der Ecke Südring/Xylanderstraße lädt eine mit Kreide beschriebene Schiefertafel am Haus mit der Nummer 13 zur Botox-Party ein. Der Begriff „Fettweg-Spritze“ macht neugierig.
Im Salon fällt der erste Blick auf ein freistehendes Aquarium, in dem farbenfrohe kleine Fischlein aufgeregt hin und her flitzen. Auf bequemen Sitzmöglichkeiten lässt es sich gut verweilen. Auf Stehtischen warten süße Köstlichkeiten darauf, von den Gästen verspeist zu werden. „Hallo, ich bin Monelle, darf ich ein Glas Sekt oder Wasser anbieten?“, lautet die freundliche Begrüßung vor dem Rundgang durch den Salon.
Auf dem weich gepolsterten weißen Behandlungsstuhl sitzt ein kleiner brauner Plüschhase mit langen Ohren und buntem Schal und scheint fasziniert das Lichterspiel der ungezählten Kristalle an dem Kronleuchter unter der stuckverzierten Decke zu betrachten.
Speckfalte am Bauch
„Kannst du da etwas machen?“, fragt die erste Kundin die staatlich anerkannte Heilpraktikerin Manuela Zenker und zeigt dieser ihre „Problemzonen“. Sarah ist 35, hat den Hinweis auf die Fettweg-Spritze an der Eingangstür gelesen und sich spontan angemeldet. Nach der Geburt des dritten Kindes vor knapp über einem Jahr ist eine kleine Speckfalte am Bauch geblieben. „Das Gewebe ist fest und geht mit Sport von alleine weg“, meint Zenker nach der Untersuchung. Die „fluffige“ Innenseite der Oberschenkel aber lasse sich gut mit der Fettweg-Spritze behandeln. Ein bis zwei Zentimeter weniger Umfang würden genügen, um die Reibung beim Gehen zu mildern, meint die Kundin. Ein Problem, das viele Frauen quält, auch schlanke wie Sarah.
Doyenne Kopecky ist eine von drei Schwestern von Monelle und Mitinhaberin des Salons. Sie ist 24 und hat bereits vor Jahren eine Nasenkorrektur vornehmen lassen, trägt auffällige permanent verlängerte Wimpern, und bei den vollen Lippen hat eingespritztes Hyaluron der Natur nachgeholfen. Sie absolviert gerade eine Heilpraktikerausbildung, führt mit den Kundinnen die Vorgespräche und hilft beim Ausfüllen des vierseitigen Anamnesebogens, in dem auch Risiken und Nebenwirkungen der Behandlungen erläutert werden.
Mehrere Behandlungen
Mit der Fettweg-Spritze können kleine Fettpolster, die – so die Eigenwerbung – auch durch Sport und gesunde Ernährung nicht verschwinden, verkleinert werden. Allerdings seien mehrere Behandlungen im Abstand von mehreren Wochen nötig, bis die gewünschte Reduktion erreicht sei.
„Zum Abnehmen ist die Lipolyse nicht geeignet“, erklärt Zenker. „Der Fettabbau geschieht durch die Leber, die abgebauten Zellen werden durch die Lymphe ausgeschieden, das verkraftet auch ein gesunder Körper nicht grenzenlos.“ 40 Milliliter Wirkstoff sei die maximal verkraftbare Dosis, damit könnten 40 Quadratzentimeter Fläche behandelt werden. Dafür wirke die Behandlung nachhaltig, betont Zenker.
Plüschhase gegen die Angst
„Wird es sehr schmerzhaft sein?“, fragt Sarah. Ihr Lachen wirkt angespannt, als sie auf dem Stuhl Platz nimmt. Jetzt kommt der kleine Plüschhase ins Spiel. Zenker stellt ihn als „Anselm“ vor und legt ihn jeder Kundin in die Hände, mit dem Ratschlag, ihn fest zu drücken: „Gegen die Angst.“ Die zu behandelnde Stelle wird markiert. Dann wird eine Betäubungssalbe aufgetragen. Die Heilpraktikerin zieht den Wirkstoff auf eine Spritze mit sehr feiner Nadel und injiziert ihn mit zahlreichen Stichen unter die Haut.
Nach ungefähr 15 Minuten ist die Behandlung vorbei und Sarah geht mit folgendem Rat nach Hause: „Heute bitte keinen Sport machen, nicht duschen und in den nächsten Tagen leberschonend essen und viel Wasser trinken.“ Am Tag nach der Behandlung seien Rötungen und Schwellungen zu erwarten, die Sarah mit einem essiggetränkten kalten Lappen kühlen kann. Das eingespritzte Präparat löse einen Entzündungsprozess aus, der für die Auflösung der Fettzellen, Lipolyse genannt, erforderlich sei. „In vier Wochen machen wir dann weiter“, sagt Manuela Zenker zum Abschied.
Geschäft läuft besser als erwartet
190 Euro legt Sarah für die erste Behandlung auf den Tresen im Schönheitssalon der beiden Kopecky-Schwestern. Friseurmeisterin Denise Schuppel ergänzt die bei „Ohso“ angebotenen Dienstleistungen als Haarstylistin. Im April 2020 sind die drei Frauen das Wagnis eingegangen, sich in dem ehemaligen Friseursalon in der Xylanderstraße selbstständig zu machen. Das Geschäft mit der Schönheit laufe von Anfang an besser als erwartet. „Heutzutage wollen auch schon 18-Jährige einem Ideal entsprechen“, weiß Monelle Kopecky. „Warum sollen wir das nicht annehmen und die Wünsche erfüllen, wenn es den Kundinnen gut tut?“
Manuela Zenker kennen die Freundinnen von Schönheitskorrekturen am eigenen Körper, die Zenker in ihrer Praxis für ästhetische Medizin und Naturheilkunde in St. Martin anbietet. „Kosmetikerinnen dürfen keine Injektionsbehandlungen durchführen“, erklärt Doyenne Kopecky, deshalb kommt Manuela Zenker einmal im Monat zur Botox-Party in den „Ohso“-Salon nach Landau.
Kinnpartie neu definieren
Auch die nächste Kundin hat sich für eine Fettweg-Spritze angemeldet. Adelina ist Ende 20 und erhofft sich durch die Behandlung eine definiertere Kinnpartie. In vier Wochen wird sich zeigen, ob sich der Einsatz von 100 Euro gegen ein kleines Doppelkinn gelohnt haben.
Hannah, die anschließend auf dem Behandlungsstuhl Platz nimmt, ist 22 Jahre jung und hat eigentlich schöne volle Lippen. „Mir gefällt nicht, dass die so steil abfallen“, ist ihr Argument für die gewünschte Veränderung. Nach der Injektion massiert Manuela Zenker mit dem eingespritzten Hyaluron Volumen in die äußeren Drittel der Lippen. Die Mundwinkel bekommen einen sanften Schwung nach oben.
„Öl für die Seele“
Je nach Viskosität des Präparats berechnet Zenker für einen Milliliter 250 bis 500 Euro zum Faltenglätten und Lippenaufspritzen. „Hyaluron ist besser als Botox, weil es auch vom Körper selbst hergestellt wird und die Haut mit Flüssigkeit versorgt. Im Ergebnis wirkt der Gesichtsausdruck natürlicher und die Mimik wird nicht starr oder gestört“, erklärt Zenker. Wie lange die Wirkung anhält, hänge von der Genetik und der Lebensweise der Kundin ab. Es könne von einigen Wochen bis zu einem Jahr sein.
„Öl für die Seele“ nennt Zenker ihre Präparate. Sie weiß, dass die Behandlungen im Schönheitssalon „Seelenmedizin“ bedeuten: „Eine meiner Stammkundinnen ist über 80 Jahre alt und lässt sich regelmäßig die Falten glätten. Sie sagt jedes Mal: ,Ich will schön sterben.’“