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Dominik Keller und sein Orca.
Dominik Keller und sein Orca.

Was für ein Gerät! Sieht aus wie ein zu heiß gewaschener Sportwagen. Der Miniflitzer ist ein Orca. Aber kein Schwert- oder Killerwal, sondern ein Velomobil. Die Wortschöpfung setzt sich zusammen aus dem französisch-schweizerischen Velo für Fahrrad und Automobil – nur halt ohne Auto.

Dominik Keller kann sich fast wie ein Pilot fühlen, wenn er seinen Orca nahezu täglich für den Weg zur Arbeit von Godramstein zum Landauer Vinzentius-Krankenhaus nutzt. Das knapp sitzende Stoffdach über der kleinen Windschutzscheibe erinnert an englische Roadster oder sogar an eine Flugzeugkanzel, die sich nach oben öffnende Verkleidung ein bisschen an den Messerschmitt-Kabinenroller, aber vielleicht noch mehr an den Mercedes-Flügeltürer. Aber wenn man einen Blick ins Innere der Karosserie wirft, die nicht ohne Grund an einen Fischkörper erinnert, kommt ein Liegerad mit Joystick-Lenkung zum Vorschein. Das futuristische Gefährt ist ein vollverkleidetes Dreirad eines Herstellers aus den Niederlanden. Und der hat sich bei Design und Namen an der Natur orientiert.

Kessler fährt seit 1989 Liegeräder. Der Orca, den er sich schon 2014 zugelegt hat, markiert für ihn den vorläufigen Endstand bei der optischen und technischen Entwicklung. Dass Kessler nahezu alle Alltagswege mit irgendeiner Form von Fahrrad zurücklegt, liegt in seiner Familiengeschichte: Schon sein Vater sei als Aniliner täglich von Mannheim mit dem Rad zur BASF gefahren. Auch er selbst wolle für tägliche Verrichtungen nicht auf ein Auto angewiesen sein, sagt Kessler. Man kann es als seinen Beitrag zu Verkehrswende und Klimaschutz bezeichnen.

Viel Zuladung möglich

Der windschlüpfrige Orca ist ein Alltagsfahrzeug, was sich unter anderem in einer Zuladung von bis zu 150 Kilogramm manifestiert. Soll heißen: Man kann sogar eine Menge Gepäck mitnehmen. Er hat aber noch sportlichere Geschwister, die es bei 24-Stunden-Rennen auf fast 1100 Kilometer zurückgelegte Strecke und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 40 Stundenkilometern bringen. Solche Rekordfahrzeuge bringen etwa 25 Kilo auf die Waage. Beim Orca sind es knapp 40, aber ein Reisetempo von 25 bis 30 Stundenkilometer sei bei flachem Gelände trotzdem damit drin, sagt Kessler. Denn die aerodynamische Verkleidung macht das Mehrgewicht zum großen Teil wett, und ein Elektromotor schiebt beim Anfahren und am Berg kräftig mit und verhindert, dass man durchgeschwitzt am Ziel ankommt.

Er könne sein Velomobil nahezu ganzjährig fahren, sagt der Godramsteiner. Denn die Verkleidung hält den Wind ab, weshalb es im Winter nicht zu kalt darin wird, und auch Regen hat keine Chance. Allenfalls Nebel oder Sprühregen schlagen sich mal auf der Brille nieder, sagt Kessler. Nur in heißen Sommern steigt der Pendler lieber auf ein herkömmliches Rad.

Die Stromkosten sind ein Witz

Auch wenn der Orca niedrig ist, fühlt sich sein Fahrer darin nicht unsicher. Das Gefährt ist so auffällig, dass sich mancher Autofahrer erst einmal verwundert die Augen reibt und sich fragt, mit welcher Fahrzeuggattung er es denn hier zu tun hat. Und die markanten Scheinwerfer und ein Rücklicht sorgen für gute Sichtbarkeit. Er fahre aber auch defensiv, betont Kessler. Er ziehe nicht an wartenden Autoschlangen vor der Ampel vorbei, um sich vorne bei den Radlern einzureihen.

Den Verbrauch gibt Kessler mit etwa 50 Cent für Strom an – pro Monat, wohlgemerkt. Sein Akku reicht für etwa 70 Kilometer Strecke. Sonstige Unterhaltskosten fielen praktisch nicht an, da beispielsweise auch der komplette Antriebsstrang mit seinem 14-Gang-Getriebe voll gekapselt ist. Allerdings: „Der kostet schon so viel, wie ein koreanischer Neuwagen“, sagt der Mann aus Godramstein. Konkret: Er hat vor Jahren schon über 10.000 Euro hinlegen müssen. Beim aktuellen Modell sei die Karosserie dank Carbon nochmals deutlich leichter, aber auch noch etwas teurer geworden.

„Ich bin schneller als mit dem Auto“, sagt Kessler, denn mit dem Orca kann er an seiner Arbeitsstelle direkt bis vor die Tür fahren. Außerdem kann er Wirtschaftswege als Abkürzung nutzen. Dafür hat er eigens auf einen stärkeren E-Motor verzichtet, damit sein Liegerad ein zulassungsfreies Pedelec bleibt.

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