Landau
Billigheim-Ingenheim: Volker Böhm verwirklicht mit Biografie seinen Lebenstraum
Es gibt wohl keinen Menschen, der keinen Lebenstraum hat. Während viele ihrer Vision bis zu ihrem Lebensende hinterherjagen, ist doch manchen das Glück der Erfüllung vergönnt. Ein solcher Mensch ist aus Billigheim-Ingenheim. Eine berührende Geschichte.
Der bescheidene Mann hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Denn der Kriegsvertriebene hat in der Südpfalz eine neue Heimat gefunden. Diese Geschichte erzählt er auf einfühlsame Weise, ohne Gram, ohne bitteren Beigeschmack. Eine Leben, das bewegt – im Stillen. Böhm hat (s)ein Buch geschrieben, genauer gesagt ein Büchlein, Din A5, 52 Seiten.
Gleichwohl ist es ein ganz besonderes Unterfangen. Denn der kleine Band ist nicht für die große Öffentlichkeit bestimmt, sondern an sich nur für seine Familie, insbesondere für die Nachkommen, seine Enkel. Vielleicht auch für den engsten Freundeskreis. Zu kaufen gibt es das Niedergeschriebene folglich nicht. Egal. Es ist ein wahr gewordener Traum.
Der Vater fiel 1943 an der Front in Russland
Mit „Heimat verlieren, Heimat finden – Mein Leben“ trägt der Band einen schlichten Titel. Es war Böhm ein Bedürfnis, seinen Lebensweg und den seiner Frau für seine Enkel zu dokumentieren, damit die kommenden Generationen wissen, was vor ihnen war. Doch es ist bei Familie Böhm meist schwierig, Erlebnisse und Entwicklungen im Alltäglichen zu vermitteln. Denn die Tochter lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern im fernen Berlin, die Böhms in Billigheim.
Böhm hat einfach niedergeschrieben, wo er herkommt und wie er wo gelandet ist. Denn in der Südpfalz wurde er nicht geboren. Vordergründig ist Böhms Schicksal das, was er mit geschätzten zehn bis 15 Millionen Flüchtlingen im Zuge des Zweiten Weltkriegs teilt. Der Vater fiel 1943 an der Ostfront in Russland. Das Licht der Welt erblickte Böhm in Schlesien, einer jener deutschen Ostprovinzen, die heute zu Polen gehören.
„Lieber kä Wingert wie kän Woi“
Vor der heranrückenden Roten Armee flüchtete die Familie 1943 zunächst nach Bayern und kam schließlich in der Südpfalz an. 1949 fand Böhms Mutter eine Anstellung als Schwester im Städtischen Krankenhaus in Landau, das damals in der Königstraße war. Volker Böhm besuchte das Naturwissenschaftliche Gymnasium, das heutige Otto-Hahn-Gymnasium. Danach wurde er Zollbeamter – und blieb das über 40 Jahre hinweg. 1982 fand er seinen Lebensmittelpunkt in Billigheim – verheiratet mit einer Pfälzerin. Er selbst spricht nach wie vor Hochdeutsch, aber den Dialekt versteht er schon. Und er nimmt es mit pfälzischem Humor: „Lieber kä Wingert wie kän Woi.“
Zurück zum Büchlein für die Familie. Es ist erstaunlich, was Böhm erlebt hat und vor allem, was er zusammengetragen hat. Er hat Bilder, Geschichten von Familienmitgliedern und bewegende Momente festgehalten. Es ist beeindruckend, so etwas zu lesen. Gerade aufgrund der Herkunft als kriegsvertriebenes Kind schließt sich beim späteren Zollbeamten ein völkerverständigender Kreis, wenn er von grenzüberschreitenden Fußballturnieren mit den benachbarten Franzosen berichtet, man sich nach dem Dienst an der Grenze mit den Elsässer Kollegen in Weißenburg im Restaurant traf – „A votre santé“. Volker Böhm ist in der Südpfalz angekommen. Das verrät eben auch sein Buchtitel: „Heimat verlieren, Heimat finden – Mein Leben.“