Landau
Bier-Alarm im Klärwerk
Dass die Gastronomie nach einem wochenlangen Lockdown jetzt allmählich wieder öffnen darf, könnte in der Kläranlage zum Problem werden. Zumindest dann, wenn jetzt Wirte oder Abfüller von Getränken überlagerte Vorräte einfach über die Kanalisation entsorgen sollten, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Ein einzelnes Fass in einem der Hauptsammler wäre sicher kein Problem, sagt Markus Schäfer, Abteilungsleiter Abwasserbeseitigung. Aber größere Mengen zucker- oder alkoholhaltiger Flüssigkeiten in einem flachen Bereich, wo die Flüssigkeiten länger stehen, wären nicht gut.
„Die in den Getränken enthaltene Energie in Form von Alkohol und Zucker verursacht erhebliche Probleme“, sagt Schäfer. Kanälen aus Steinzeug oder Kunststoff setze das nicht zu, wohl aber Betonrohren, die regelrecht korrodieren könnten. Die entstehenden Abbauprodukte reduzieren die Lebensdauer der Kanäle, weil sie die Oberfläche der Betonkanäle auflösen. Etwa 75 Prozent des Abwassernetzes bestünden aus Betonrohren, schätzt Schäfer.
Es stinkt und schadet dem Klima
Das ist aber nur ein Teil des Problems: Durch Lieferung schnell verfügbarer Energie in Form von Zucker oder Alkohol kommen laut Schäfer bereits im Kanal verstärkt mikrobielle Prozesse in Gang, die Schwefelwasserstoff und Methan freisetzen. Beides ist nicht erwünscht, da die gasförmigen Verbindungen nicht nur stinken, sondern auch gefährlich werden können. Methan schadet dem Klima und es ist explosiv.
Außerdem geraten durch solche Getränke die für die Abwasserreinigung erforderlichen Mikroorganismen in der Kläranlage in Not. Der Klärprozess könne ins Stocken geraten, wenn zu viel Energie aus Zucker oder Alkohol zufließt und der Sauerstoff zum Abbau knapp wird, erläutert Schäfer. „Wir belüften unsere Klärbecken gezielt mit Sauerstoff, doch das biologische System dort ist sehr sensibel“, sagt er.
Auch Weinbauabwässer sind ein Problem
Für den EWL ist das im Übrigen auch kein neues Thema – es kommt jetzt nur aus einer anderen Richtung. Denn dieselben Probleme treten ein, wenn während der Weinlese zu viel Abwässer aus Weinbaubetrieben in die Kläranlage gelangen. Weinbaubetriebe müssen daher auch einen Aufschlag auf die Abwassergebühren zahlen.
Der EWL bietet nun Gastronomen, Getränkeherstellern und -händlern, die Ware entsorgen müssen, eine kostenfreie Annahme während der Betriebszeiten der Kläranlage an. Die Beschäftigten der Kläranlage halten dort Behälter bereit, in die der Überschuss geschüttet werden kann. „Wir leiten diese überlagerten Getränke dann kontrolliert direkt in den Faulbehälter. Dort kommen die Mikroorganismen mit der außergewöhnlichen Zugabe zurecht und wir haben den Prozess besser im Auge“, erläutert Schäfer. Positiver Nebeneffekt: Dann werde sogar mehr Biogas erzeugt, mit dem der EWL Strom für den Anlagenbetrieb erzeugt.
EWL: Alles über 50 Liter abliefern
Wie stark das Angebot angenommen wird, kann Schäfer noch nicht abschätzen. Er bittet aber jedenfalls darum, Mengen ab 50 Litern in die Kläranlage zu bringen. Um Planungssicherheit zu bekommen und die Annahme terminlich sicherzustellen, bittet der EWL um Voranmeldung unter der Rufnummer 06341 138680.