SÜDPFALZ RHEINPFALZ Plus Artikel Betrieb im neuen Impfzentrum schon am ersten Tag eingespielt

Auf Monitoren sind Informationen ablesbar, während die Menschen auf das Gespräch mit einem Arzt warten.
Auf Monitoren sind Informationen ablesbar, während die Menschen auf das Gespräch mit einem Arzt warten.

Die Sonne lacht, die Stimmung ist entspannt, die Menschen sind freundlich. Besser hätte der Start für das neue Landesimpfzentrum Landau/Südliche Weinstraße am Mittwoch nicht sein können. Nur der Impfstoff war nicht erste Wahl. Aber: Das Leben ist kein Wunschkonzert.

Die Hochbetagten sind in Landau noch nicht an der Reihe. Da das Vakzin von Biontech derzeit nicht verfügbar ist und der Stoff von Astrazeneca nur für Leute empfohlen wird, die jünger als 65 Jahre sind, werden nun Termine an Pflegekräfte und medizinisches Personal vergeben. Nach Auskunft der Koordinatoren vor Ort hat das Land zugesagt, am Montag, 1. März, 720 Dosen des Biontech-Impfstoffs nach Landau zu liefern. Dann können weitere Senioren im Alter von über 80 Jahren geimpft werden.

Bislang haben alle Südpfälzer, die vom Land Termine für die Corona-Schutzimpfung erhalten haben, ins Landesimpfzentrum nach Wörth fahren müssen. Der Unmut über die langen Wege und anfangs widrigen Umstände war sofort nach Eröffnung des Zentrums im Wörther Hafengebiet so groß, dass Stadt und Kreis reagierten und sich daran machten, ein eigenes Impfzentrum in Landau einzurichten. Mit zwei Tagen Verspätung – weil das Land ein organisatorisches Problem hatte – läuft der Betrieb nun seit Mittwoch in der Halle im Landauer Gewerbepark am Messegelände in Queichheim.

In dieser Woche wird ausschließlich das Mittel von Astrazeneca geimpft. „Leider“, sagt die 59-jährige Arzthelferin Martina Meier. Sie arbeitet in der Praxis ihres Mannes Stefan Maier, Internist in Landau. Beide möchten dem Team ein gutes Beispiel sein und haben sich bereits am 5. Januar angemeldet. Sie gehören zur „Prio I“, der Impfgruppe I mit der höchsten Priorität. Neben den Personen über 80 Jahre sind dort auch die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Pflegekräfte in diesen Einrichtungen sowie in Krankenhäusern und Praxen zugeordnet.

Leichtes Spiel also für die Helfer im Impfzentrum? Markus Müller aus Billigheim-Ingenheim lacht. Er ist am Mittwoch einer von drei Fachkräften in Impfstraße I, die den Impfstoff spritzen. Müller hatte einen Patienten, der leicht gezittert habe. „Er hatte Angst vor der Nadel.“ Für ihn und seine Kolleginnen Susanne Kuntz aus Landau und Kristin Kaliga aus Insheim ist es selbstverständlich, dass sie im Impfzentrum Dienst tun. Es sei ja schließlich ihr Beruf, sie hätten die Erfahrung und das medizinische Know-how, sagen die drei im Gespräch.

Währenddessen sitzt Claudia Stoffel im Raum davor und wird von Arzt Joachim Dietz beraten. „Man kommt wirklich nicht zum Verschnaufen, da kann ich ja gleich wieder zum Schaffe geh’n“, witzelt die bald 51-Jährige, die im ambulanten Pflegedienst bei der Ökumenischen Sozialstation in Herxheim arbeitet. Sie sei froh, sich nun schützen zu können, wenn sie auch anfangs gezweifelt habe wegen des Impfstoffs. „Aber es ist kein Wunschkonzert, wie auch das Leben kein Wunschkonzert ist“, sagt sie. „Wir kommen tagtäglich in verschiedene Haushalte und wissen nie, welche Kontakte da noch alle waren.“ Am 28. April erhält sie die zweite Dosis.

Lieber 70 Prozent Schutz als gar keinen

Auch für Anja Herberstein ist klar: „Wenn ich es mir hätte aussuchen können, wäre ich lieber mit dem Stoff von Biontech geimpft worden.“ Lieber habe sie einen 70-prozentigen Schutz als gar keinen. Die 52-Jährige arbeitet in der HNO-Praxis Rüdiger Bergmann in Landau, die schon sehr früh Schnelltests angeboten hat. „Wir sind froh, dass wir ein Jahr durchgehalten haben, ohne uns anzustecken“, spricht sie für das vierköpfige Team. Herberstein rechnet mit Reaktionen frühestens am nächsten Tag. Kopfschmerzen, Schmerzen am Arm, möglicherweise Schüttelfrost und Fieber – so sei es ihr berichtet worden.

Die Halle vermittelt den Eindruck eines Flughafens, nur dass niemand eincheckt, um in den Urlaub zu fliegen. Der Weg ist perfekt ausgeschildert, die Impfstraßen sind mit gelben, grünen und blauen Markierungen auf dem Boden gekennzeichnet, sodass sich niemand verirren kann. Mitarbeiter weisen den Impflingen freundlich den Weg durch die verschiedenen Stationen. Es sei kein Problem gewesen, Helfer zu finden, berichtet das Organisationsteam vor Ort. Marco Sauerhöfer, der vom DRK für einen Monat abgestellt wurde, der Leitende Notarzt Peter Wollny und Bastian Dietrich von der Kreisverwaltung haben am ersten Tag ein Auge darauf, dass alles funktioniert. „Man merkt schon nach zwei bis drei Stunden, dass sich alles einspielt“, sagt Wollny. 17 Mitarbeiter sorgen in der Halle für den reibungslosen Ablauf, darunter die Ärzte und das medizinische Fachpersonal. Zehn weitere Personen arbeiten hinter den Kulissen, darunter ehrenamtliche Kräfte im Bereich Logistik.

Es gibt 20 Rollstühle, je eine Behindertentoilette für Damen und Herren, je zwei normale WCs. Das DRK Landau betreibt einen Sicherheitsdienst, falls medizinische Notfälle auftreten. Bevor die Besucher die Halle wieder verlassen, können sie sich in einem offen und großzügig gestalteten Wartebereich entweder die Fotos einer Ausstellung der Uni anschauen oder einen Fragebogen ausfüllen, der die Impfung insgesamt bewertet. „Wir wollen optimieren, wo es nötig ist“, erklärt Sauerhöfer.

Besser hätte man das Prozedere wohl kaum auf die Beine stellen können. Das Team, das die Landauer Stadtverwaltung und die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße zusammengestellt hat, war natürlich im Landesimpfzentrum in Wörth und hatte auch Kontakt mit anderen Einrichtungen, erzählen Dietrich, Wollny und Sauerhöfer. So habe man von den Erfahrungen der anderen lernen können.

Je Viertelstunde können auf den beiden Impfstraßen 24 Personen durchgeschleust werden. Die dritte Strecke ist den Zweitimpfungen vorbehalten. Und die Pläne für mögliche Erweiterungen liegen in der Schublade. Bei vollem Betrieb verkraftet das Impfzentrum 48 Impflinge in der Viertelstunde, sagt Dietrich. Ein Impftag könne acht Stunden zählen oder 16, wie gewünscht. „Wenn genügend Impfstoff da ist“, betont Dietrich und vollendet den Satz nicht. „An uns soll es nicht liegen.“

Rund um das Landesimpfzentrum können die Impflinge kostenlos parken.
Rund um das Landesimpfzentrum können die Impflinge kostenlos parken.
 Impfarzt Joachim Dietz berät Claudia Stoffel.
Impfarzt Joachim Dietz berät Claudia Stoffel.
Anja Herberstein wird von Kristin Kaliga geimpft.
Anja Herberstein wird von Kristin Kaliga geimpft.
Susanne Kuntz, Markus Müller und Kristin Kaliga stellen sich gerne in den Dienst der Sache. Am Mittwoch impfen sie auf der gelbe
Susanne Kuntz, Markus Müller und Kristin Kaliga stellen sich gerne in den Dienst der Sache. Am Mittwoch impfen sie auf der gelben Route.
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