Landau Bedarf an Angeboten im Krankenhaus für Ältere wächst
Das Klinikum Landau-Südliche Weinstraße macht nach bei seiner Neuorganisation Nägel mit Köpfen. Der Beschluss, das Haus in Annweiler zu schließen, ist gerade gefasst. Jetzt ist eine neue Hauptabteilung für Geriatrie, Palliativmedizin und Endokrinologie am Standort Landau eingerichtet worden.
Sie wird von Privat-Dozent Thomas Kunt geleitet, der zuletzt Leitender Oberarzt an der Klinik Annweiler war. Kunt ist vom Aufsichtsrat des Klinikums zum Chefarzt der neuen Abteilung gewählt worden. Diese soll das medizinische Angebot am Standort Landau erweitern und stärken.
Wie das Klinikum und Ralf Levy als Pflegedirektor des Hauses betonen, hat das Klinikum bereits als Verbundkrankenhaus den Versorgungsauftrag des Landes in den Bereichen Geriatrie und Palliativmedizin. Diesen Fachrichtungen komme in Zeiten des demografischen Wandels eine immer größere Bedeutung zu. Der Bedarf an stationären Versorgungsangeboten für ältere Menschen werde erheblich steigen. Auch die Etablierung der Fachrichtung Endokrinologie sei ein großer Gewinn für die gesamte Region, weil zahlreiche häufig auftretende Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck oder Schilddrüsenerkrankungen im Zusammenhang mit hormonellen Störungen stehen würden.
Station in Abu Dhabi
Der neue Chefarzt sei sowohl national als auch international anerkannt. Nach einem Studium der Humanmedizin an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz begann er 1990 seine medizinische Laufbahn als Assistenzarzt am Kreiskrankenhaus Annweiler. 1994 wechselte er an die III. Medizinische Klinik der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Dort schloss er seine Facharztausbildung im Bereich der Inneren Medizin erfolgreich ab und habilitierte in den Bereichen Diabetologie und Endokrinologie. 1999 kehrte Kunt an das Kreiskrankenhaus Annweiler zurück und etablierte dort als Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin die Fachrichtungen Diabetologie und Endokrinologie.
Von Annweiler wechselte er 2002 als Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Endokrinologie an das Sheikh Zayed Military Hospital in Abu Dhabi. Parallel dazu arbeitete er als Co-Autor an der ersten internationalen Diabetesleitlinie der International Diabetes Federation. 2006 ließ er sich mit einer eigenen Praxis in Berlin nieder und war gleichzeitig als Berater des Bundesgesundheitsministeriums bei der Vorbereitung der Ratifizierung des Präventionsgesetzes durch den Bundestag tätig. 2012 kehrte er nach Abu Dhabi zurück und etablierte als Chefarzt am Burjeel Hospital die neu eröffnete Abteilung für Endokrinologie. Gleichzeitig war er Medizinischer Direktor des Affilate Joslin Diabetes Centers, für dessen Aufbau er gemeinsam mit dem Joslin Diabetes Center der Harvard University verantwortlich war. Anschließend wechselte Kunt innerhalb von Abu Dhabi als Ärztlicher Direktor zu United Eastern Medical, dem einzigen privaten Gesundheitsdienstleister in den Arabischen Emiraten. In seiner Funktion als Ärztlicher Direktor war er unter anderem für den Aufbau und die Eröffnung verschiedener medizinischer Einrichtungen verantwortlich, darunter das Diabetes- und Endokrinologiezentrum in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Diabetes Zentrum in Bad Mergentheim sowie das Danat-Al-Emarat Krankenhaus in Abu Dhabi.
Angebot wird ausgebaut
2020 kehrte der Privat-Dozent als Leitender Oberarzt zurück an die Klinik Annweiler und erwarb die Zusatzbezeichnung Geriatrie. Gemeinsam mit ihm wechselte Elisabeth Freitag von der Klinik Annweiler an die Klinik Landau. Freitag ist Fachärztin für Innere Medizin und verfügt über die Zusatzbezeichnungen Geriatrie und Palliativmedizin. In Landau ist sie Leitende Oberärztin der neuen Hauptabteilung.
Die Etablierung der neuen Hauptabteilung am Standort Landau ist Teil der Umstrukturierung des Klinikums Landau-Südliche Weinstraße. Um das Klinikum auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, hatten der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung des Klinikums gemeinsam mit dem Kreistag Südliche Weinstraße und dem Stadtrat Landau Ende Juni entschieden, den Standort Annweiler zugunsten der beiden verbleibenden Standorte in Bad Bergzabern und Landau zu schließen. Das stationäre Leistungsspektrum des Standorts Annweiler mit Geriatrie, Innerer Medizin, Palliativmedizin und der Belegabteilung Chirurgie wird dabei nicht aufgegeben, sondern an den Kliniken in Bad Bergzabern und Landau etabliert und ausgebaut. Nach entsprechenden Sanierungsmaßnahmen wird die Palliativstation des Klinikums hochspezialisiert in der Klinik Landau mit 8 Betten ausgeprägt. Bis dahin erfolgt die palliative Versorgung an den beiden Klinikstandorten Bad Bergzabern und Landau. Erklärtes Ziel ist es, sämtliche Akutkrankenhausleistungen aus Annweiler bis zum Ende des dritten Quartals 2023 auf die beiden verbleibenden Standorte in Landau und Bad Bergzabern verlagert zu haben.