Landau Bayern trifft Pfalz

Harmonic Brass bei ihrem Konzert im Eichenhof.
Harmonic Brass bei ihrem Konzert im Eichenhof.

Als sich Lore und Fritz Bolz vor mehr als einem Vierteljahrhundert entschlossen, ihrem landwirtschaftlichen Betrieb eine eigene Weinstube anzugliedern, dachten sie auch im entferntesten nicht daran, dass sich hier einmal an international renommierte Künstler aus dem Bereich der „Klassischen Musik“ bei ihnen ein- und ausgehen würden. Am Wochenende gab sogar die Formation „Harmonic Brass“ anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Weinstube ein Konzert.

Wie es begann: Man bot den Gästen samstags bodenständige Kost an und schenkte Weine aus eigenem Anbau aus. Die Weinstube hat bis heute immer nur samstags geöffnet. Ausnahmen gibt es nur für Gruppen und Familienfeierlichkeiten auch unter der Woche. Doch Fritz Bolz war nicht nur Landwirt und Winzer, er war auch ein aktiver Blechbläser und ein Freund kultureller Veranstaltungen, stark engagiert im kirchlichen Bereich. Auf einer Urlaubsreise traf er vor Jahren auf eine Bläserformation der Spitzenklasse. Sie hatte es ihm gleich im ersten Konzert sprichwörtlich angetan. Bald waren Kontakte geknüpft, Fritz Bolz ging ganz ungezwungen auf die Leute zu, und vor 14 Jahren gab es das erste Konzert in Bad Bergzabern. Seitdem ist das „Harmonic Brass“-Quintett auch in der Südpfalz ein Begriff. Stets festlich gekleidet, wie es sich für Mitglieder einer klassischen Formation nun einmal gehört, kannte man die vier Herren und ihre charmante Dame also schon. Aber nun, zur Feier des 25-jährigen Bestehens der Weinstube „Eichenhof“ waren die Gäste alle überrascht. Die vier Musiker in der Tracht ihrer bayrischen Heimat trugen alle eine Lederhose, Trompeterin Elisabeth Fessler präsentierte sich fesch im Dirndl. Die Bläserformation, die mit ihrer „glamourös-virtuosen Art zu den besten der Welt gehört“, wie in der „Süddeutschen Zeitung“ zu lesen war, begeisterte mit bekannten Märschen, Walzern und allerhand volkstümlichen Weisen. Die Stimmung war toll, und auch das Wetter spielte mit, und schon am frühen Abend war das Zelt sehr gut besetzt. Das Eichenhof-Team hatte eine maßgeschneiderte Speisekarte vorbereitet, in der Bayrisches (Leberkäs, Obatzter, Serviettenknödel mit Schwammerl) ebenso wenig fehlen durfte, wie Pfälzisches, Burger vom Saumagen etwa. „Harmonic Brass“ ist üblicherweise ein Quintett, das Freunde in ganz Deutschland (120 Konzerte im Jahr), aber auch in den USA oder in Südafrika hat. Moderator und Tubist Andreas Binder erinnerte an so manche schöne Stunde im Eichenhof, wenn das Konzert in der Marktkirche von Bad Bergzabern hinter den Künstlern lag und war von der Feierfreude der Pfälzer ebenso angetan wie Manager Thomas Lux (Posaune), der im Gespräch mit der RHEINPFALZ bestätigte, dass alle fünf zwischenzeitlich bekennende Freunde der pfälzischen Küche sind und auch den Wein zu schätzen wissen. Um den Bayern-Fans unter den Gästen gerecht zu werden, das wurde im Eichenhof ganz ausnahmsweise auch Bier (aus Göcklingen, da blieb man nun doch in der Pfalz) in die Gläser gefüllt. Nur einer fehlte an diesem Abend, der gerne mitgefeiert hätte. Eichenhof-Gründer Fritz Bolz ist im vergangenen Jahr verstorben.

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