Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnreisen: Sparpreis nur noch gegen Daten

Kurt Baumann möchte verreisen können, ohne seine Daten anzugeben.
Kurt Baumann möchte verreisen können, ohne seine Daten anzugeben.

Die Bahn macht vielen Reisenden Angebote. Besonders günstig kommt man nur weg, wenn man seine persönlichen Daten angibt. Kunde Kurt Baumann möchte das nicht – und fragt, warum es nicht auch anders geht.

RHEINPFALZ-Leser Kurt Baumann war erschrocken: Möchte er ein Ticket kaufen, geht das nur, wenn er seine E-Mail-Adresse herausgibt. Er habe eine Reise nach Berlin buchen wollen. Die Buchung sei fast abgeschlossen gewesen, berichtet er. Dann habe die Mitarbeiterin im Reisezentrum der Deutschen Bahn im Landauer Hauptbahnhof eben nach seiner E-Mail-Adresse gefragt. Die hat der 84-jährige Mörzheimer nach eigenen Angaben allerdings nicht – ebensowenig wie einen Internetanschluss. Auf Anraten der Bahn-Mitarbeiterin habe Baumann daraufhin seinen Nachbarn telefonisch kontaktiert. Erst mit dessen Mail-Adresse habe er das Ticket kaufen können. Der Reise zu den Veranstaltungen des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge in Berlin stand damit nichts mehr im Wege.

Baumanns Geschichte aus dem vergangenen Herbst ist wohl kein Einzelfall: Seit Oktober 2023 ist es nicht mehr möglich, den Sparpreis der Deutschen Bahn zu buchen, ohne das Ticket mit einer E-Mail-Adresse oder einer Handynummer personalisieren zu lassen. Das bestätigt ein Mitarbeiter des Reisezentrums der Bahn in Landau. Wer diese Daten online oder im Reisezentrum nicht angeben kann oder möchte, muss demnach seine Reise zum oft deutlich teureren Flexpreis buchen. Steht man an einem Ticketautomaten am Bahnhof, kann man den Sparpreis überhaupt nicht mehr auswählen.

Ein Problem auch für Ältere

Ein Problem ist das vor allem für Menschen, die sich dem digitalen Leben verweigern – oder diejenigen, die sich nicht mehr mit der „neuen“ Technik auseinandersetzen wollen oder können. Diese müssen beim Ticketkauf hoffen, dass ihnen Freunde oder Verwandte erlauben, deren Daten anzugeben. Sonst gibt es eben keinen günstigeren Sparpreis.

Der zusätzliche Schritt im Buchungsprozess verlängert die Bearbeitungszeit für Mitarbeiter und Kunden, erklärt ein Angestellter der Bahn im Reisezentrum. Abgesehen davon ist unklar, warum die Bahn auf Preisgabe der persönlichen Daten beharrt. Immerhin war es lange genug möglich, Tickets zum Sparpreis ohne Angabe von persönlichen Daten zu kaufen. Von außen betrachtet besonders rätselhaft: Wenn Kunden keine Daten angeben wollen, warum legt man ihnen dann nahe, die Daten Dritter anzugeben? Schließlich treten diese gar keine Bahnreise an und brauchen keine Infos.

Bahn: Wollen Reisende informieren

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigt die Aussage des Mitarbeiters im Reisezentrum: Es gebe keine Möglichkeit mehr, den Sparpreis ohne Angabe von Mail-Adresse oder Handynummer zu buchen. Der Gedanke dahinter sei, Reisende im Fall von Verspätungen oder Gleiswechseln zu informieren. Dafür benötige man allerdings Kontaktdaten der Kunden. Die Bahn wisse, dass dies im Interesse der Mehrzahl der Fahrgäste sei. Die Verwendung der Kontaktdaten zu Werbezwecken sei ausgeschlossen.

Bleibt die Frage, warum Kurt Baumann offenbar nicht darauf aufmerksam gemacht wurde, auch seine Handynummer angeben zu können. Schließlich hat er seinen Nachbarn ja telefonisch verständigt, wie er erzählt. Der Bahn ist kein Buchungsprozess bekannt, bei dem ausschließlich die Angabe einer Mail-Adresse möglich ist. Bereits seit der Umstellung auf die verpflichtende Personalisierung sei auch die Handynummer eine Option, heißt es. Warum Kurt Baumann nach eigenen Angaben im Reisezentrum nicht auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht wurde, bleibt also unklar. Vielleicht hat es das Personal vor Ort auch in diesem einen Moment einfach vergessen.

Der Mörzheimer kann sich jedenfalls bei weiteren Bahnreisen auf seinen Nachbarn verlassen. Der habe ihm bereits angeboten, seine Mailadresse weiterhin beim Ticketkauf angeben zu dürfen. Die Reise sei übrigens sehr angenehm gewesen, berichtet Baumann. Größere Verspätungen habe es keine gegeben.

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