Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Bad Bergzabern: Silvia Schehl leitet Heizöl- und Dieselhandel

Den Gefahrgutführerschein hat Silvia Schehl bereits mit 21 Jahren absolviert, seit 2017 führt sie den Familienbetrieb in dritter
Den Gefahrgutführerschein hat Silvia Schehl bereits mit 21 Jahren absolviert, seit 2017 führt sie den Familienbetrieb in dritter Generation.

Silvia Schehl ist 54 Jahre alt, Mutter zweier Söhne und führt die Philipp Schwan GmbH in Bad Bergzabern. Statt als Dekorateurin tätig zu sein, was sie sich als Jugendliche gut vorstellen konnte, leitet sie einen Betrieb, der mit Heizöl und Diesel handelt. Eine typische Branche für Männer – oder etwa nicht?

Für das Pressefoto streift sich Silvia Schehl die Arbeitsjacke über und posiert vor einem der beiden Lkw, die zum Betrieb gehören. Schehl hat den Gefahrengutführerschein. Sie kann also Heizöl und Diesel, mit dem der Betrieb neben Torfprodukten und Kohle handelt, zu den Kunden fahren. Sie springt ein, wenn Not am Mann ist. Sonst ist die 54-Jährige eher im Büro zu finden. Es gibt nichts, was nicht über ihren Schreibtisch geht. Die Branche, in der Schehl tätig ist, wird gewöhnlich von Männern dominiert. Dass eine Frau bei einem Unternehmen den Hut auf hat und neben dem Gefahrengutführerschein noch die Qualifikation als Gefahrgutbeauftragte vorweisen kann, also Betriebe kontrollieren kann, dürfte Seltenheitswert haben. Schief angeguckt werde sie nicht. „Es wird mir eher Respekt gezollt“, sagt die gebürtige Landauerin.

Dass Schehl die Philipp Schwan GmbH leitet, kommt nicht von ungefähr. Es handelt sich um einen Familienbetrieb, den Schehl in der dritten Generation führt. „Es ist bemerkenswert, was meine Großeltern wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg aufgebaut haben. Das macht mich stolz, deshalb führe ich die Firmengeschichte gerne weiter.“ Gegründet wurde der Betrieb 1925, damals noch als OHG. Seinen Sitz hatte er hinter dem Busbahnhof. Seit Mitte der 60er-Jahre ist er in der Landauer Straße zu finden. Zum einen ist dort mit rund 4000 Quadratmetern ausreichend Platz, zum anderen sind die Schienen gleich nebenan. „Als früher die Züge aus dem Ruhrgebiet angefahren kamen, wurde die Kohle auf ein Förderband geleert, das direkt aufs Firmengelände führte“, erzählt Schehl.

2017 trat Silvia Schehl in Fußstapfen ihrer Eltern

Wurden im Betrieb anfangs unter anderem Futtermittel, Raps- und Buchenöl sowie Briketts geführt, kamen in den 50er-Jahren Brennstoffe ins Programm. Zu einer Zeit, in der Heizölkessel Einzug in den Keller der Haushalte erhielt. Verkauft wird zudem Rindenmulch und Blumenerde. Zum Kundenkreis zählen Firmen und Privathaushalte aus der Verbandsgemeinde, dem Landauer Raum und dem Kreis Südwestpfalz.

Der Werdegang von Silvia Schehl hätte auch einen ganz anderen Weg nehmen können. Ursprünglich wollte sie Dekorateurin werden. Sie liebe es, kreativ zu sein. Doch sie entschied sich für eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau in Karlsruhe, später wechselte sie zur Kurverwaltung Bad Bergzabern. 2017 trat sie in die Fußstapfen ihrer Eltern, die den Betrieb führten: ihre Mutter Marianne Helfer in der Verwaltung, ihr Vater Werner als Fahrer.

2018 erwirtschaftete der Betrieb einen Umsatz von rund zwei Millionen Euro. Man hoffe, ihn auf drei Millionen Euro steigern zu können, was jedoch von verschiedenen Faktoren abhängt, etwa von der Preisentwicklung des Heizöls und der Anzahl der Neukundengewinnung. Zwar würden derzeit in der Südpfalz viele Baugebiete erschlossen, sodass potenziell neue Kunden an Land gezogen werden könnten. „Allerdings haben die Häuslebauer auch mehr Alternativen als früher, entscheiden sich für Solartherme oder Erdwärme“, gibt Schehl zu Bedenken. Nichtsdestotrotz sei auch Heizöl gefragt, kann der Verbrauch durch verbesserte Technik und Dämmung gesenkt werden. Die letzte Investition des Unternehmens liegt nicht so lange zurück. Es wurde ein zweiter Lastwagen angeschafft.

Schehl ist 54 Jahre alt. Denkt sie schon an die Rente? „Inoffiziell könnte ich auch mit 80 Jahren arbeiten“, sagt sie und verweist auf ihre Eltern, die trotz ihres Alters – ihre Mutter ist 79, ihr Vater 82 Jahre – noch mit aushelfen. „Mein Vater hat sogar im Kopf, welcher Kunde gewöhnlich wie viel Heizöl braucht“, sagt Schehl. Wie es der Zufall möchte, kommt wenige Augenblicke später ihr Vater ins Büro, setzt sich an den Schreibtisch und erledigt Papierkram.

Nachwuchs ist allerdings auch da, der Silvia Schehl folgen könnte. Sie hat zwei Söhne, die beide im Maschinenbau tätig sind. „Es ist aber ihre Entscheidung, ob sie das möchten“, sagt die Mutter. Sollte einer ihrer Söhne sich dafür entscheiden, würde nach langer Zeit wieder ein Mann im Betrieb das Sagen haben. Schließlich hatte zuletzt ihre Mutter den Hut auf. Silvia Schehl fände das aber nicht so schlimm. Wieso denn auch. „Wie heißt es so schön, hinter jedem Mann steht eine starke Frau.“

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