Landau Auf Fasnacht folgt Fasten
„Will der sich an die Fasnacht henke? Was soll dann unsern Gott do denke?“ – dass mancher diese Frage stellen könnte, räumt Pfarrer Volker Janke in seinem gereimten Eingangsvotum zur „Kirch uf Pälzisch“ am Fasnachtssonntag in der Stiftskirche wohl ein. Aber der Dekan des Protestantischen Kirchenbezirks Landau begegnet den Befürchtungen mit Argumenten für Mundart: „Mer heert besser zu, wird innerlich still, merkt, was de Herrgott em saache will. Kann aach mol e Späßel mache, unn viel besser iwwer sich selwer lache.“ Eine große Gemeinde hat sich in der Stiftskirche versammelt. Auch viele Besucher aus der Umgebung Landaus sind zum Gottesdienst „Kirch uf Pälzisch“ gekommen. Reichlich Zustimmung kann der Prediger, dem im Gottesdienst Presbyter Jochen Silbernagel auch mundartlich zur Seite gestanden hat, bei der Verabschiedung per Handschlag verzeichnen. Etwaiges Befremden über die Kombination von Form und Termin des Gottesdienstes war nicht spürbar. Den Mundartgottesdienst zum Fasnachtssonntag habe er schon in seiner vorigen Gemeinde Minfeld etabliert, berichtet Janke. In Landau hatte er schon zweimal die Akzeptanz dafür in der Gemeinde getestet, bevor er in diesem Jahr erstmals öffentlich über den Kreis der Stiftskirchengemeinde hinaus dazu eingeladen hat. Der Humor, für den an Fasnacht auch die protestantischen Gottesdienstbesucher offen sind, dürfe nicht derb sein, betont Janke. „Er darf nicht unter die Gürtellinie gehen.“ Auch andernorts in der Region haben protestantische Gemeinden der Fasnacht Raum in ihrem Veranstaltungskalender gegeben. In Billigheim-Ingenheim etwa stand am Sonntag ein Faschingsgottesdienst im Lotte-Sticher-Haus auf dem Programm. Pfarrer Stephan Heinlein hatte die Besucher ermuntert, verkleidet zu kommen. Und wie der Fasnachts-, so schlägt sich auch der Fastengedanke in Aktionen und Aufrufen zum Mitmachen im Umfeld der protestantischen Kirche nieder. Bedeutete Fasten ursprünglich ausschließlich den Verzicht auf Speisen, wurde die Idee schon vor Jahren auch auf den Verzicht anderer Gewohnheiten erweitert. So ruft die pfälzische Landeskirche gemeinsam mit evangelischen und katholischen Kirchen in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Hessen, Nordrhein-Westfalen und in Luxemburg zum „Autofasten“ auf. Hintergrund dieser bereits zum zwölften Mal stattfindenden Aktion ist die Anregung, im Interesse des Klimaschutzes die persönlichen Mobilitätsgewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und zumindest vier Wochen lang Alternativen auszuprobieren – so teilt es das Pressereferat der Landeskirche in Speyer mit. Eröffnet wird das Autofasten für die Pfalz am heutigen Aschermittwoch um 14 Uhr in Speyer. Angebot und Einladung richteten sich an die Eigenverantwortlichkeit der auf die eine oder andere Weise Fastenden, erläutert der Pressesprecher der Landeskirche, Wolfgang Schuhmacher, den Grund für die schon in der Reformation begründete Distanz der Protestanten zum Fastengebot: „Wir misstrauen da gesetzlichen Verordnungen.“ Gleichwohl würden der bewusste Verzicht und die Besinnung auf die Endlichkeit des Lebens und der Ressourcen als wichtig und richtig empfunden und von vielen – auch ökumenisch, wie ja das Autofasten auch – geübt. Eine weitere Fastenaktion ist „7 Wochen Ohne“, zu der die evangelischen Kirchen deutschlandweit einladen. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto „Ein großes Herz! Sieben Wochen ohne Enge“. Von heute an bis zum Ostersonntag, 27. März, sind die Teilnehmer aufgerufen, „die Routine des Alltags zu unterbrechen und neue Perspektiven auszuprobieren“, wie es in der Einladung heißt, und „zu entdecken, was das Herz weit macht“. Dazu haben sich auch verschiedene Fastengruppen gebildet, allerdings, so teilt Schuhmacher mit, ist keine aus der Pfalz verzeichnet. Die besondere Phase des Kirchenjahres spiegelt sich in vielen Aktionen wider. So bieten verschiedene Gemeinden wöchentlich Passionsandachten an. Die Landauer Stiftskirchengemeinde lädt jeden Samstag, vom 13. Februar bis 19. März, um 11 Uhr zum „Ökumenischen Marktgebet in der Passion“ ein. Und am Sonntag, 28. Februar, heißt es in der Wörther Friedenskirche „Mittendrin ... statt nur dabei“: Unter diesem Motto feiern die Evangelische Jugend und der Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) im Dekanat Germersheim einen gemeinsamen Gottesdienst – „Ein Innehalten in der Mitte der Fastenzeit“. „Das wird ein lebendiger Gottesdienst mit Elementen zum Mitmachen“, kündigt der protestantische Jugendreferent Peter Fischer an. Die Gottesdienstbesucher sollen sich vor allem mit der Fragestellung „Wo kommt Gott im Alltag vor?“ auseinandersetzen. Internet Hintergründe zu Fastenaktionen stehen auf der Seite www.autofasten.de und auf www.7-wochen-ohne.de.