Landau / SÜW
Ansturm bei Kinderärzten wegen Corona-Impfung?
Seitdem die europäische Arzneimittelbehörde EMA Ende November den Impfstoff von Biontech für Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zugelassen hat, klingelt bei Helmuth Ullmann pausenlos das Telefon. Der Landauer Kinderarzt hat zwar bei der Schutzimpfung für Jugendliche ab zwölf Jahren bereits gute Erfahrungen gesammelt, bei jüngeren Impfwilligen, die nun an der Reihe sind, ist er dagegen eher zurückhaltend. „Für Kinder mit schwerwiegenden Vorerkrankungen ist die Impfung sinnvoll“, sagt Ullmann auf Nachfrage.
Als Risikopatienten gelten unter anderem solche mit schweren Atemwegs-, Herz- oder Tumorerkrankungen, Immunschwäche, Diabetes oder Trisomie. „Bei Gesunden kann man warten, bis die Datenlage besser ist“, führt Ullmann weiter aus. Eltern sollten sich nicht unter Druck setzen. Denn in der Regel verlaufe die Corona-Infektion bei Kindern dieses Alters mild.
Impfung bislang nur für Vorerkrankte empfohlen
Während die einen Eltern seit Langem auf die Corona-Impfung für ihre Sprösslinge warten, sind andere noch zurückhaltend beziehungsweise verunsichert. Sollen sie ihre Söhne und Töchter jetzt schon impfen lassen oder lieber doch noch warten? Die Ständige Impfkommission (Stiko), die beim Robert-Koch-Institut angesiedelt ist, empfiehlt die Impfung schließlich derzeit noch nur für vorerkrankte Kinder. Bevor sie eine allgemeine Impfempfehlung ausspricht, möchte sie die Datenlage aus anderen Ländern abwarten, unter anderem die aus den USA, wo die junge Altersgruppe bereits seit einiger Zeit geimpft wird, ihre zweite Impfung aber noch im Dezember ansteht.
Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums hat sich das Land 30.000 Impfdosen des Mainzer Unternehmens Biontech gesichert. Zum Jahresende lebten dem Statistischen Landesamt zufolge rund 1500 Sechs- bis Zehnjährige in Landau, im Kreis SÜW waren es rund 4000. Die Fünf- und Elfjährigen, die jetzt ebenfalls für eine Corona-Impfung infrage kommen, sind anderen Altersgruppen zugeordnet, sodass keine absolute Zahl für Landau und dem Kreis SÜW genannt werden kann.
„Die große Welle gab es nicht“
Der Landauer Kinderarzt Philipp Wolf teilt gegenüber der RHEINPFALZ mit: „Corona-Infektionen spielen in meiner Praxis eine Nebenrolle. Die große Welle gab es nicht.“ Schwere Verläufe hätte er, selbst bei Kindern mit Vorerkrankungen, bisher nicht erlebt.
In seiner Praxis sei die Nachfrage nach der Impfung sehr gering, sagt Wolf. Etwa 20 Eltern hätten sich bislang gemeldet. Der Mediziner rät, den Impfstoff denen zu überlassen, die diesen wirklich bräuchten. Insofern sollte man bei gesunden Kindern „auf die Bremse treten“.
Jürgen Bensch, Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Kinderklinik am Landauer Vinzentius-Krankenhaus, sieht die Sache etwas anders. Er spricht sich dafür aus, nicht nur Vorerkrankte, sondern schnell so viele Kinder wie möglich zu impfen. Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Omikron-Variante halte er großzügige Impfungen für sinnvoll – und auch vereinbar mit der Stiko-Empfehlung. Denn auch bei den 0- bis 14-Jährigen ist die Inzidenz gerade hoch. Momentan liegt die Anzahl der Neuinfektionen binnen der vergangenen sieben Tagen in dieser Altersgruppe bei 485,2 in Landau und 528,8 im Kreis Südliche Weinstraße.
Reicht die Impfstoff-Menge?
Letztendlich werden Eltern selbst die medizinischen und sozialen Kriterien gegeneinander abwägen und entscheiden, ob und wann sie ihre Kinder impfen lassen. Mediziner Wolf empfiehlt, die Entscheidung nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu treffen und die Kinder auch in dessen Praxis impfen zu lassen – und nicht in Impfzentren oder -bussen.
Ob zu Beginn der für Kinder begonnenen Corona-Impfkampagne überhaupt genügend Impfstoff bei den Kinderärzten bereit steht? Helmuth Ullmann hat da seine Zweifel. Der Impfstoff sei begrenzt. Zwar habe er die ersten Dosen schon erhalten. Nach den Erfahrungen des vergangenen Sommers sei er jedoch skeptisch, ob es auch mit dem Nachschub klappt.