Südpfalz
Angst vor Schulschließungen geht um
Bundesweit sind bereits 165 Schulen wegen Corona-Ausbrüchen komplett geschlossen worden (Stand 1. November). In der Südpfalz ist das bisher nur mit der August-Becker-Grundschule in Klingenmünster passiert, aber es gibt einzelne Infektionen an weiteren Schulen. Am Montag waren nur drei betroffen, am Dienstag sind etliche weitere dazugekommen. Schulleiter klopfen auf Holz, dass ihnen zumindest die Vollsperrung erspart bleibt.
Am Eduard-Spranger-Gymnasium in Landau sind von einer Infektion in der Oberstufe 15 junge Leute betroffen, berichtet Schulleiterin Dagmar Linnert. Welche Auflagen ihnen gemacht werden, entscheiden die Gesundheitsämter (Mehrzahl deshalb, weil der Wohnort der Kontaktpersonen entscheidend ist, nicht der Schulstandort) aufgrund der von der Schule zur Verfügung gestellten Daten. Ein entscheidendes Kriterium ist die Sitzordnung im Klassensaal, es kommt aber auch darauf an, ob durchgängig Masken getragen wurden. Entwarnung gab es für die vier Lehrkräfte, die Linnert vorsorglich nach Hause geschickt hatte. Das Gesundheitsamt hat sie als Kontaktpersonen der Kategorie zwei eingestuft, sie dürfen wieder arbeiten.
Unterschied zwischen Kategorie eins und zwei?
Zum Hintergrund: Das Robert-Koch-Institut unterteilt Kontaktpersonen von Infizierten in die Kategorien eins (höheres Infektionsrisiko) und zwei (geringeres Infektionsrisiko). Entscheidend sind der Abstand, weil vermutlich die meisten Infektionen im Nahfeld bis 1,5 Meter erfolgen, die Kontaktdauer und die Frage, ob die Mund-Nasen-Bedeckung korrekt (dauernd und eng anliegend) getragen wurde.
Schon um 9 Uhr am Montag hatte die Schule ihre kompletten Listen mit Stundenplänen, Sitzordnung und Kontaktdaten beim Gesundheitsamt abgeliefert – per Boten, da es sich um sensible Daten handelt.
Gelassene und vorsichtige Charaktere in Schule
„Wir sind ein kleines Abbild der Gesellschaft“, sagt die Schulleiterin: Es gebe in der Schulgemeinschaft sowohl eher gelassene Charaktere als auch sehr vorsichtige. Das Verantwortungsbewusstsein sei sehr hoch: Wenn im Unterricht ein Handy klingelt, ist es das des Fensterbeauftragten, der ans Lüften erinnert, berichtet sie.
Es gebe Eltern, die ihre Kinder am liebsten gar nicht mehr am Unterricht teilnehmen ließen, sagt Linnert, aber sie selbst will so lange wie möglich am Präsenzunterricht festhalten. Der sei dem digitalen Unterrichten überlegen. Die Schulleiterin denkt dabei auch voraus: Im Januar stehen Abiturprüfungen an. Darauf sollen die Oberstufenschüler möglichst gut vorbereitet werden, einschließlich Klausuren unter Prüfungsbedingungen.
„Schulleben ist Spiegel der Gesellschaft“
Ähnliche Erfahrungen hat Pamela Christmann gemacht. Die Stimmung unter den Eltern sei so breit gefächert, wie man es auch in aktuellen Talkshows zu dem Thema erlebe, berichtet die Elternsprecherin des Evangelischen Trifels-Gymnasiums in Annweiler. Das Schulleben sei eben ein Spiegel der Gesellschaft. Am Montag kam der Schulelternbeirat zusammen. Bestimmendes Thema: die seit Montag geltende Maskenpflicht im Klassenraum. „Manche Eltern haben Angst, dass sich ihr Kind trotzdem in der Schule ansteckt. Andere sagen, dass sich ihr Kind damit nicht gut konzentrieren könne und gestresst sei. Wieder andere sind froh, dass die Kinder überhaupt wieder zur Schule gehen können.“ Die meisten Eltern zeigten aber Verständnis für die Vorkehrungen, ist ihr Eindruck: „Die ganze Welt steckt in der Krise, und wir müssen alle Verantwortung zeigen, um die Situation zu meistern.“
Auch nach dem Corona-Fall in der zwölften Klassenstufe Anfang Oktober habe sie sich sowohl von der Schule als auch vom Gesundheitsamt gut informiert gefühlt. Ihr Sohn sei Klassenkollege der betroffenen Schülerin gewesen und habe die zweiwöchige Quarantäne am eigenen Leib erlebt, berichtet die Spirkelbacherin. Glücklicherweise sei die Isolationszeit teilweise in die Herbstferien gefallen, sodass die Schüler nicht allzu viel Stoff verpasst hätten. Aber ein weiterer Schul-Lockdown wie im Frühjahr, davor hätten viele Eltern Angst. Wie die Betreuung zu Hause organisieren? Wie dafür sorgen, dass kein Schüler verloren geht? „Es ist unmöglich, alle Kurse online anzubieten. Das machen die Systeme noch nicht mit“, weiß sie von technischen Hürden.
Corona-Schüler geht es „zum Glück gut“
Von einer Schließung ist auch die Konrad-Adenauer-Realschule plus (Kars) in Landau mit ihren 800 Schülerinnen und Schülern noch weit entfernt, aber „die Situation ist sehr fließend“, sagt Schulleiter Manfred Schabowski. Nach seinen Angaben hatten etwa neun Mitschüler Kontakt mit dem positiv getesteten Achtklässler, sowohl im Unterricht am Montag als auch in einer Schul-AG. Als Kontaktpersonen der Kategorie eins sind sie in häuslicher Selbstisolation und müssen sich testen lassen. „Es geht ihm zum Glück gut“, sagt Schabowski über den Infizierten. „Wir bewältigen den Alltag so gut es geht.“
Den Alltag so gut es geht meistern – das ist auch das Ziel am Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern, wo Pete Allmann das Gymnasium leitet. Haben Schüler, Eltern und Lehrer Angst vor einer erneuten Schließung der Schule? Das könne er derzeit nicht erkennen, sagt Allmann. Die Gefühlslage sei noch diffus, es sei zu früh für ein Stimmungsbild. „Bisher gibt es lediglich vereinzelt Kritik an der seit Montag geltenden Dauermaskenpflicht. Da habe ich von Eltern gehört, ihr Kind bekomme davon Kopfweh. Aber wie gesagt, das ist alles im Fluss“, sagt Allmann. Er mache sich bisher keine großen Sorgen über eine mögliche Schulschließung. „Natürlich weiß keiner, wie es nächste Woche aussieht. Ich bin derzeit einfach froh über jeden Tag, an dem die Schule offen ist.“