SÜDPFALZ
Am ersten Tag des „Lockdown light“ sind Südpfälzer gelassen
Die Südpfälzer haben den Schuss gehört: Masken überall, und fast nie ist eine Nasenspitze zu sehen. So viel Disziplin war selten in den vergangenen Wochen. Das Wahnsinnstempo, mit dem die Corona-Warnampel auf Rot gesprungen ist, hat vielleicht doch den einen oder anderen erschreckt. Jedenfalls ist am ersten Tag des Lockdowns light am Montag die Disziplin hoch. Selbst im Freien in der Landauer Fußgängerzone sind etliche Passanten unterwegs, die Mund und Nase verhüllt haben. Und das sind nicht nur Senioren mit Rollator, sondern auch Jüngere. Schulkinder strömen nach Hause. Sie haben schon ein paar Stunden Unterricht mit Maske hinter sich. Jetzt hängt sie unterm Kinn, aber stets griffbereit.
Auf dem Rathausplatz müsste eigentlich Hochbetrieb herrschen: Es ist warm und sonnig wie im September, aber die Gastronomie musste dichtmachen. Ein paar Besucher haben es sich trotzdem an den Tischen bequem gemacht, haben aber nur die eigene Trinkflasche oder ein Päckchen Zigaretten vor sich. Die Stimmung hat etwas von Adria in der Nachsaison, wenn die Bürgersteige hochgeklappt werden. Eine junge Passantin präsentiert sich bauchfrei, aber das Gesicht ist von einer OP-Maske bedeckt.
Staus vor Post und Sparkasse
Die Fußgängerzone und die Geschäfte sind belebt. Business as usual, es sieht eigentlich aus wie an jedem normalen Tag. Stau gibt es nur vor der Sparkasse in der Ostbahnstraße, weil der Sicherheitsdienst jetzt maximal zehn Menschen an die Selbstbedienungsterminals lässt. Stau auch vor der Post, aber das ist jeden Mittag so.
Im Einkaufszentrum bei Hornbach in Bornheim ist die Situation entspannt. Der Parkplatz ist um die Mittagszeit gut belegt. Die Leute fieseln ihre Masken aus den Taschen und setzen sie auf, bevor sie den Baumarkt betreten. Es wirkt, als hätten sie es nie anders getan. Wer Nachschub braucht, wird drinnen schnell fündig.
„Keine Gruppenbildung.“ Auf orangefarbenen Plakaten weist Marktleiter Michael Reiland auf die Abstandsregeln hin, bittet um Verständnis und um ein Lächeln für seine tolle Mannschaft. Ist es unter der Maske zu sehen? Für Reiland sind die „KollegInnen einfach der Wahnsinn“.
Ob’s die Kundschaft registriert? Der Betrieb im Markt unterscheidet sich nicht zur Zeit vor Corona. die Masken sitzen. Ein Ehepaar packt den Einkaufwagen mit Blumenerde voll, da wird der schöne Tag offenbar noch für Gartenarbeit genutzt. Ein Mann, der schnellen Schrittes mit zwei Spaten in der Hand zur Kasse schreitet, erhärtet den Verdacht.
Mit der Currywurst wird es nichts
Mit der Currywurst in der Mittagspause wird es allerdings nichts. Wegen technischer Probleme ist der Imbiss am Montag geschlossen. Schräg gegenüber neben einem Eingang wird der knurrende Magen dann doch erhört. Sonja Meier-Stadelmaier zaubert Crêpes aufs Papptellerchen, die nicht nur süß daherkommen, sondern mit Tomaten und Mozzarella oder mit Käse auch deftig ein Genuss sind.
Für die 64-Jährige ist der Stand ein Trostpflaster. „Weil doch alles abgesagt ist“, sagt die Schaustellerin aus Fischbach. Noch zwei Wochen steht sie am Hornbach. Zu Hause hat sie Schiffschaukel und Karussell stehen. „Die haben noch kein Land gesehen.“ Jetzt sei alles abgesagt. Weihnachtsmärkte und Fasching.
Marco Stibig bestellt eine Waffel mit Puderzucker. Er hat Urlaub und tourt von Arzt zu Arzt, ist extra wegen des Grills nach Bornheim gekommen. Nun wird es halt direkt der Nachtisch. Doch der Crêpes-Verkauf läuft sehr schleppend. Sonja Meier-Stadelmaier weiß nicht, wie es weitergehen soll. Am 1. März ist ihr Mann mit 53 Jahren an einem Herzschlag gestorben, erzählt sie. „Wir sind seit Generationen Schausteller.“
Essen auf Rädern der neue Service
Vor Dilos Kebab&Pizza-Haus in der Landauer Fußgängerzone steht ein blauer Wagen mit gelbem Leuchtschild auf dem Dach. Taxi? Nein, „Essen auf Rädern“ steht darauf: Der Imbiss hat einen Lieferdienst eingerichtet. Die Köche drinnen hinterm Tresen sind gut gelaunt, während sie Pizzaschachteln füllen und Döner in Alu einschlagen.
Im Media-Markt ist viel los. Eine Verkäuferin führt eine Bügelstation vor, etliche Kunden vergleichen Fernseher. Auf einem läuft die Sachsenklinik, eine OP-Szene mit grünen Kitteln und Mundschutz. Alles wie im richtigen Leben.
Auch beim SBK-Markt sieht der Parkplatz aus wie immer. Eine Autofahrerin parkt ein. Sie ist maskiert, obwohl sie allein im Wagen sitzt. Der Bildschirm am Eingang zeigt grün, es gibt keine Zugangsbeschränkung. Der Café-Bereich der Bäckerei ist abgesperrt, an der Theke decken sich Berufstätige mit Fleischkäs-Brötchen ein. Man soll das Obst nicht unnötig anfassen, informiert ein Schild die Kunden.
Zwei Asiaten in einem kleinen Geviert aus Trennwänden bereiten Sushi zu. Irgendwo in den Gängen gibt’s einen Hinweis, wo die Hefe zu finden ist, vielleicht eine kleine Lebenshilfe für Hamsterer. In der Metzgereiabteilung kann man sich die Nase nicht mehr an der Vitrine plattdrücken. Vor der Wursttheke stehen Bierbänke und sorgen für sicheren Abstand zwischen Kundschaft und Verkäuferinnen. Eigentlich alles wie immer – im Corona-Zeitalter jedenfalls.